Erwerb der eigenen vier Wände ist für 20 Prozent der Befragten mit Wohneigentumswunsch nicht realisierbar
17 Prozent haben Angst vor dem Verlust ihres Eigenheims, bei Hauseigentümern mit niedrigem Einkommen sind es mit 24 Prozent sogar fast jeder Vierte. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa im Auftrag des VDGN ergeben, die heute in Berlin vorgestellt worden ist. Dabei wurden 1.502 in Deutschland lebende Personen ab 18 Jahren zu ihrer aktuellen und bevorzugten Wohnsituation, wichtigen Standortfaktoren beim Hauseigentum sowie zu Förderprogrammen und Ängsten befragt.
VDGN-Präsident Jochen Brückmann erklärt dazu: „Angesichts steigender Kosten im Unterhalt ist die Angst vor dem Verlust des Wohneigentums in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Umfrageergebnisse untermauern zusätzlich: Der Traum vom eigenen Heim ist hierzulande nur noch für wenige zu erreichen.“
Nur acht Prozent der Befragten planen den Kauf oder Bau der eigenen vier Wände. Für 20 Prozent der Befragten mit Wohneigentumswunsch bleibt dieser Traum unerfüllt. Vor fünf Jahren war laut Forsa-Umfrage der Bau oder Kauf eines Eigenheims noch einfacher als heute. Als Ursache werden gestiegene Baukosten, nicht vorhandene Sparmöglichkeiten, gestiegene Hausnebenkosten, hohe Zinsen und fehlendes Eigenkapital genannt. Diese Einschätzung zieht sich durch alle Gruppen – junge wie ältere Menschen, Ost wie West, Stadt wie Land, kleine wie große Einkommen.
Jochen Brückmann weiter: „Wenn viele Menschen den Erhalt und Erwerb von Wohneigentum als sehr schwer bzw. kaum machbar erleben, ist das besorgniserregend – zumal die eigene Immobilie für viele Menschen nach wie vor zu den wichtigsten Formen der Altersvorsorge zählt. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen damit auch, dass den Sorgen und Nöten der Eigenheimer zu wenig Beachtung geschenkt wird.“
Es gibt jedoch wirksame Stellschrauben, um gezielte Kostenentlastungen zu erreichen: Die Senkung oder der vollständige Erlass der Grunderwerbsteuer für die erste selbstgenutzte Immobilie, einkommensabhängige Härtefallregelungen bei der Grundsteuer oder die im Koalitionsvertrag versprochene Senkung der Stromsteuer für alle Haushalte. Dazu gehören ebenso realistische Standards für Neubauten, bei Heizungsanlagen oder im Wärmeschutz mit vernünftigen Zeitvorgaben für deren Umsetzung sowie auch wesentlich einfachere Fördertatbestände für Menschen, die im eigenen Eigentum leben oder leben wollen.

Handlungsempfehlungen zur Stärkung von selbstgenutztem Wohneigentum
Die Ausgaben sowohl für den Unterhalt als auch den Erwerb von Wohneigentum und die Regelungsdichte sind über die vergangenen Jahre stark angestiegen. Der Handlungsbedarf ist hoch und die Politik muss dort ansetzen, wo die größten Hürden liegen.
- Kostensenkungen und Ausgabenreduktion
In der Steuerpolitik gibt es wirksame Stellschrauben, um Menschen beim Schritt ins Eigenheim zu unterstützen. Hierzu zählen die Senkung oder der vollständige Erlass der Grunderwerbsteuer für die erste selbstgenutzte Immobilie, insbesondere für Familien. Freibeträge pro Erwachsenem und für jedes Kind erhöhen die Chancen für den Kauf oder Bau eines Eigenheims maßgeblich. Auch die Grundsteuer belastet viele Eigentümer spürbar. Der VDGN schlägt deshalb eine einkommensabhängige Härtefallregelung vor: Bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen von maximal 40.000 Euro jährlich und einer Grundsteuer, die sich nach der Reform mehr als verdoppelt hat, sollte automatisch von einem Härtefall ausgegangen werden. Die im Koalitionsvertrag versprochene Senkung der Stromsteuer für alle Haushalte ist ein weiterer Faktor, der direkt Kosten für das Wohneigentum senkt.
- Klarheit und Realismus bei gesetzlichen Vorgaben und Standards
Kostenintensive energetische Sanierungen oder auch andere Modernisierungsmaßnahmen werden von Eigenheimbesitzern selbst finanziert und sind oft langfristig ausgelegte Projekte. Sie dürfen nicht durch eine überbordende Bürokratie ausgebremst werden. Die Standards sowohl für Neubauten als auch im Bestand, bei Heizungsanlagen oder im Wärmeschutz sind oft baulich nicht umsetzbar, teils zu hoch und die Zeitvorgaben für deren Umsetzung passen oft nicht zu den Finanzierungmöglichkeiten. Nicht nur die geplante Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) sorgt weiter für viel Verunsicherung in der Bevölkerung. Generell sind klare, verständliche und einheitliche Standards notwendig, um privaten Bauherren eine bessere Planungssicherheit zu bieten.
- Förderprogramme vereinfachen und Informationsqualität verbessern
Es gibt zu viele unterschiedliche Förderprogramme. Hinzu kommt, dass die Beantragung der Förderungen sehr umständlich ist, und Prüfverfahren viel Zeit in Anspruch nehmen. Daher ist es wichtig, die Förderlandschaft zu entschlacken und Prozesse zu beschleunigen. Wer eine Bestandsimmobilie erwirbt, insbesondere zur Selbstnutzung, benötigt realistische Übergangsfristen, um energetische Standards zu erreichen, ohne sich finanziell zu übernehmen. Eigentumserwerb darf nicht an zu ehrgeizigen Zeitplänen oder an sofortigen Sanierungspflichten scheitern. Ansätze wie bei den jüngst aufgelegten Programmen „Jung kauft Alt“ und „Wohneigentum für Familien“ werden begrüßt, weil die an die Förderungen geknüpften Sanierungsanforderungen teils abgesenkt wurden.
Die Qualität von Informationen über Fördermöglichkeiten, energetische Maßnahmen, Sanierungen zur Bestandserhaltung, Finanzierungsmöglichkeiten, Regularien bei Grundbucheinträgen und Notarterminen muss steigen. Gerade viele 30- bis 44-jährige würden ein Eigenheim bauen oder kaufen und fühlen sich dabei jedoch nicht ausreichend informiert. Der VDGN fordert daher eine (einzige) zentrale bundesweite Plattform mit allen gängigen Informationen und eine deutliche Förderung von Sanierungsfahrplänen für selbstgenutzte Häuser und Wohnungen.
- Absicherung bei Schicksalsschlägen
Bei Schicksalsschlägen wie Arbeitslosigkeit oder schwerer Krankheit fordert der VDGN einen staatlichen Härtefallfonds, Stundungen oder Teilerlasse, um den möglichen Verlust des Eigenheims vorzubeugen. Dazu kann in solchen Fällen auch die Begrenzung kommunaler Abgaben durch landesrechtliche Regelungen bei Wasser- und Abwasserkosten gehören.
Die Forsa-Ergebnisse im Überblick:
Die Forsa-Ergebnisse im Detail: