Kahlschlag auf der Schiene stoppen

17.08.2021

VDGN fordert klares Bekenntnis der neuen Koalition in Sachsen-Anhalt zum Schienenverkehr

Foto zeigt eine E-Lok

Der VDGN fordert von der neuen Koalition in Sachsen-Anhalt  ein klares Bekenntnis zur Sicherung und Reaktivierung vorhandener Bahnstrecken für den Personennahverkehr. Der jetzt zur Diskussion stehende Koalitionsvertrag setzt in Sachen Mobilität nach Ansicht des VDGN eine Reihe positiver Akzente. So sind die dort aufgeführte Technologieoffenheit bei der Antriebstechnik oder ein 365-Euro-Ticket im ÖPNV gut geeignet, die notwendige Verkehrswende klimaverträglich und bezahlbar zu gestalten. Beim Thema Bahnverkehr bleiben die Aussagen jedoch in vielen Punkten viel zu vage.  

Dazu erklärt VDGN-Präsident Jochen Brückmann: „Konkret steht die Landespolitik vor der Aufgabe, die Stillegung weiterer Bahnstrecken wirksam zu verhindern sowie die Reaktivierung des regulären Personenverkehrs auf vorhandenen Gleisen kurzfristig und ernsthaft zu prüfen. Dies hatte auch die SPD in ihrem Wahlprogramm ausdrücklich gefordert, doch offenbar konnte sie sich in den Verhandlungen damit leider nicht durchsetzen. Doch noch ist Zeit, den Koalitionsvertrag zu konkretisieren. Immerhin ist auf mehr als 660 Schienenkilometern in Sachsen-Anhalt seit der Bahnreform 1994 der Personenverkehr eingestellt worden. Für 95 Bahnhöfe kam damit das Aus – knapp ein Drittel von 336 bundesweit. Mit diesem Kahlschlag auf der Schiene muß endlich Schluß sein. Konkret bieten sich für eine Reaktivierung u.a. die länderübergreifende Heidebahn zwischen Lutherstadt Wittenberg über Bad Schmiedeberg und Bad Düben nach Eilenburg, die Strecke zum Kurort Stollberg ebenso wie die Wipperliese nach Wippra oder die Rübelandbahn im Harz, wo gegenwärtig nur noch Güter- und Sonderzüge fahren (siehe Foto) an.“  

Zum Hintergrund: Die Frage der Mobilität ist zu einem zentralen Problem für den Großteil der Grundstückseigentümer geworden. Vor allen auf dem Land gibt es zu wenig Mobilitätsangebote für verschiedene Verkehrsträger, die dann auch noch schlecht oder meist gar nicht aufeinander abgestimmt sind.     

Der VDGN sieht hier dringenden Handlungsbedarf und unterbreitet deshalb bundesweit  konkrete Vorschläge zu dieser Thematik, so auch in Sachsen-Anhalt. Ein wichtiges Thema dabei ist die Tatsache, daß im Gegensatz zu den vielen Stillegungen seit 1994 in Sachsen-Anhalt nur auf ganzen 26 Schienenkilometern der Personenverkehr reaktiviert wurde. Damit zählt Sachsen-Anhalt zu den Schlußlichtern in Deutschland.      

Das Nachbarland Sachsen ist bereits aktiv geworden. Dort soll jetzt die Reaktivierung von sechs Bahnstrecken für den Personenverkehr „intensiv und detailliert“ geprüft werden, wie Verkehrsminister Martin Dulig am Dienstag, dem 17. September 2021 bekanntgab.