Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wenig zukunftsträchtig

Kritik des VMEG an Verkehrsplanungen für den Norden von Berlin-Pankow

Kritisch setzt sich die VMEG-Regionalgruppe Berlin-Karow/Buch/Blankenburg mit jüngsten Veröffentlichungen des Berliner Senats zu den Verkehrsentwicklungsplanungen für den Pankower Norden auseinander. Ein Hauptmangel aus der Sicht der Grundstücksnutzer: Besonders die vorgesehenen ÖPNV-Maßnahmen hinken zeitlich den Plänen zur Erschließung neuer Wohnstandorte hinterher, sind wenig zukunftsträchtig und teils auch unsozial.

Nicht zuletzt angesichts der schlechten Erfahrungen bei der Entwicklung von Karow-Nord fordert der VMEG deshalb, notwendige ÖPNV-Projekte schon vor dem Baubeginn für neue Wohnstandorte fertigzustellen. Das hat Regionalgruppenleiter Karl Holst in einem Brief an Verkehrssenatorin Regine Günther jetzt noch einmal mit Nachdruck deutlich gemacht. Zudem übte er Kritik an mehreren konkreten Vorhaben.

Ausbau der S-Bahn-Linie notwendigDringend notwendig ist nach Ansicht der Regionalgruppe ein durchgehend zweigleisiger Ausbau der S-Bahn-Linie 2 zwischen Buch und Bernau. „In Bernau sollen 6.000 und im Norden Berlins (Heinersdorf, Blankenburg, Karow, Buch) für 30.000 Menschen Wohnungen entstehen. Die neuen Einwohner werden zum großen Teil nach Berlin zur Arbeit fahren und dazu auch die S-Bahn nutzen“, so Holst. Weichenverbindungen sollten möglichst vermieden werden, da diese erfahrungsgemäß eine Störungsquelle sind, was Auswirkungen auf das gesamte S-Bahn-Netz haben kann. Kritisch gesehen werden in diesem Zusammenhang die gegenwärtig laufenden Brückenarbeiten, da sie nur dem derzeitigen Ausbauzustand entsprechen und nicht dem erhofften zweigleisigen Ausbau. Vorausschauende Verkehrsplanung sehe anders aus, so Holst.

Neuer Bahnknoten Karower Kreuz
Ebenso wenig vorausschauend sei, daß die neugebaute Eisenbahnbrücke am Karower Kreuz über den Berliner Außenring dort nur Platz für zwei Gleise und sehr schmale Bahnsteige für den Regional- und Fernverkehr läßt. 

Ursprünglich hatte der Senat angekündigt, die Brücke so zu gestalten, daß deren Spannweite Raum für zwei Fernbahn- und zwei S-Bahngleise zur Verlängerung der S 75 von Wartenberg aus biete. Bekanntlich soll an diesem Kreuzungspunkt ein neuer Turmbahnhof entstehen. Auf der Brücke im Verlauf der Stettiner Bahn sind zwei Außen- und ein Mittelbahnsteig für den S- und Regionalbahnverkehr vorgesehen. Leider sei auch nicht zu beobachten, so Holst, „daß Vorbereitungen für den Bau des Umsteigebahnhofs begonnen haben. Die Brückenbaustelle ist bisher nicht einmal beräumt worden. Die planerische Lösung dürfte technisch schwierig und ökonomisch sehr aufwendig sein.“

Blankenburgs Süden anbindenKritik übt die Regionalgruppe auch an der geplanten ÖPNV-Anbindung des Neubauquartiers Blankenburger Süden durch eine Verlängerung der Straßenbahnlinie M2. Zu Recht hätten regionale Organisationen und Vereine immer wieder gefordert, entsprechende Planungen einzustellen, denn die Straßenbahn sei als Radialverbindung keine Lösung und zudem unsozial. Schließlich müßten für die derzeit favorisierte Trasse durch die Erholungsanlage Blankenburg laut Tagesspiegel bis zu 400 Grundstücksnutzer enteignet werden.

„Welche Partei hat den Mut, den Bewohnern zu erklären, daß sie ihr Eigentum aufgeben müssen für eine Verkehrslösung, die nicht den Anforderungen gerecht wird“, heißt es in dem Brief. Stattdessen biete sich eine Verlängerung der U-Bahn-Linie 2 an, die in großen Teilen in offener Baugrube und mit Fertigteilen errichtet werden könnte. Im Vergleich mit der Straßenbahn eine möglicherweise preiswertere und zukunftsträchtige Lösung.

Verbindungsstraße nach Karow
Kritik übt die Regionalgruppe zudem daran, daß der Senat nach wie vor am Bau einer Verbindungsstraße von der B 2 nach Alt-Karow festhält und ein entsprechendes Planfeststellungsverfahren fortführt. „Seit mehr als 20 Jahren setzen wir uns gegen den Bau dieser Straße zur Wehr. Warum wird der Bau einer neuen Straße mitten durch ein Wohngebiet geplant, wenn die Verkehrsfragen im geplanten neuen Stadtquartier ohne B2-Anbindung und umfangreiche Investitionen durch einen geringfügigen Ausbau der vorhandenen Straßen gelöst werden könnten?“, fragt Holst und erklärt an die Adresse Senatorin weiter: „Wir haben kein Verständnis dafür, daß wir wieder großen Aufwand betreiben müssen, um in Ihrem Haus Verständnis für reale Lösungen zu erreichen.“

Standort für AutobahnanschlußAuch hinsichtlich des Autobahnanschlusses gibt es ein großes Fragezeichen. Immer noch sieht das Material des Berliner Senats eine Erweiterung des Anschlusses an der Anschlußstelle A 114-Bucher Straße vor. Karl Holst erinnert indes daran, daß bereits der damalige Abteilungsleiter für Verkehr beim Senat, Friedemann Kunst, auf einer öffentlichen Versammlung in Buch erklärt habe, „daß unsere Vorschläge, einen Autobahnanschluß zur A 10 an der Karower Chaussee zu realisieren, richtig wären.“ Wörtlich habe er gesagt, „daß jetzt die Politik handeln müsse“. Das hat sie aber nicht, was wie so vieles bei der Verkehrsplanung für den Pankower Norden unverständlich bleibt.

Hagen Ludwig

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