Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Fix durch die Stadt

Mit Bahn, Bus, Auto und Fahrrad flexibel und mobil sein – das geht

Zeichnung eines Smartphones, das verschiedene Verkehrsmittel zeigt
Zeichnung: Andreas Mücke

Je einfacher die Tarifstruktur, desto besser werden Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und Sharing-Angebote angenommen. So hat es der VDGN bereits in seinem Zehn-Punkte-Mobilitätsprogramm formuliert. Noch besser ist es natürlich, wenn der Reisende nur einmal zahlt, und dafür unterschiedlichste Verkehrsangebote nutzen darf.

Neue Wege in Augsburg
Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeigt ein Pilotprojekt aus Augsburg, das kürzlich mit dem Nachhaltigkeitspreis der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) ausgezeichnet wurde. Mit der 2019 eingeführten, bundesweit ersten Mobil-Flat können die Kunden der Stadtwerke Augsburg (swa) alle Angebote der Mobilität unbegrenzt zu einem monatlichen Festpreis nutzen. In der Mobil-Flat enthalten ist die Nutzung aller Busse und Straßenbahnen, der swa-Leihräder sowie der Carsharing-Autos.

„Wir gehen mit der Flatrate völlig neue Wege im Nahverkehr“, erklärt Stadtwerkechef Walter Casazza. „Zusammen mit neuen Abrechnungsmodellen für den ÖPNV ist das die Zukunft im Nahverkehr.“ Monatlich liegt der Preis für die Mobil-Flat zwischen 67 und 129 Euro. Das Mobil-Abo für Bus und Straßenbahn und die kostenfreie Nutzung von swa-Rad jeweils bis zu 30 Minuten, auch mehrmals am Tag, ist immer in der Mobil-Flat inbegriffen. Je nach Modell ist die Nutzung von swa-Carsharing mit mehr oder weniger Stunden oder Kilometern enthalten. Damit hat die swa versucht, für jeden Nutzer ein möglichst maßgeschneidertes Angebot vorlegen zu können. Das swa-Carsharing verfügt über mehr als 70 Standorte und 200 Autos aller Fahrzeugklassen in Augsburg und der Region. Außerdem gibt es Elektroautos in einem stationsunabhängigen System, dem sogenannten Freefloating.

Begünstigt wurde die Verknüpfung von  Bus, Straßenbahn, Carsharing und Leihrad  unter einem preislichen Dach natürlich dadurch, daß die swa in Augsburg und Umgebung alle genannten Verkehrsarten aus einer Hand anbieten. Es sollte aber auch als Kooperationsmodell unterschiedlicher Anbieter funktionieren.

Dabei ist es wichtig, daß bei den Paketpreisen nicht einfach die Kosten der einzelnen Komponenten addiert werden, sondern der Nutzer mit der Flatrate einen tatsächlichen finanziellen Gewinn hat. Da es eine solche

Flatrate in Deutschland zuvor nicht gegeben hat, ist der Einführung eine einjährige Testphase mit 50 Testnutzern vorausgegangen. Aus dem Mobilitätsverhalten wurden dann die Produkt-Pakete entwickelt. „Wir haben aus den gesammelten Daten der Testnutzer Angebotspakete geschnürt, die für den Kunden einen echten Mehrwert bedeuten“, so swa-Geschäftsführer Casazza.

Weitere Bausteine für das Projekt Flexible Mobilität in Augsburg sind die Einführung einer ÖPNV-City-Zone und das Ridesharing-Angebot swaxi. Per App kann das swaxi gerufen werden und fährt Fahrgäste kostengünstig durch Augsburg.

Die City-Zone wiederum ermöglicht es, zwischen neun Stationen in der Innenstadt rund um Königsplatz und Moritzplatz kostenfrei unterwegs zu sein. Wer sich innerhalb der City-Zone mit Bus und Straßenbahn bewegt, muß kein Fahrgeld zahlen und kein Ticket lösen.

Europäische Vorbilder
Hinsichtlich der sogenannten Multimodalität inklusive Mobil-Flatrate waren Wien und Helsinki die Vorreiter im europäischen Maßstab. Helsinki war die erste Stadt, in der man seine gesamte Mobilität mit nur einer App und einer Flatrate managen konnte. Bereits seit einigen Jahren können die Nutzer dort ihre Wege mit der App über die Grenzen einzelner Verkehrsmittel hinweg planen. Dabei berücksichtigt sie Busse, Straßenbahnen, Carsharing, Mietwagen, Leihräder, Taxis und Co. Die App zeigt sowohl schnelle als auch preisgünstige Optionen an. Entscheidet man sich für eine Route, kauft die App automatisch das Ticket für den ÖPNV oder bestellt das Taxi.

Andere Städte sind noch lange nicht so weit. Wenn sie es ernst meinen mit der Verkehrswende, geht an diesem international „Mobility as a Service“ (MaaS) genannten Modell jedoch kein Weg vorbei. Im Vordergrund steht dabei das Angebot, die Nutzung des eigenen Fahrzeugs unkompliziert durch ein auf den Kundenbedarf abgestimmtes Paket verschiedener Mobilitätsdienste zu ersetzen. Mehr Anreiz als Restriktion also: Nur so kann es gehen. 

Hagen Ludwig

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