Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Er war immer wertvoll“

Was den Kleingarten zu allen Zeiten unverzichtbar macht

Gartenlaube mit Blumen davor
Foto: Rainer Große

Von Peter Vossen

Im Mai 1945 endete der zweite Weltkrieg in Deutschland. Nahrungsmittel waren knapp und Wohnräume ebenfalls. Viele Menschen entdeckten ihren Kleingarten als Retter in der Not.

Es wurden mit Genehmigung der Städte Behelfswohnheime in den Parzellen gebaut und diese gaben den Kleingärtnern Schutz vor den Witterungsverhältnissen. Obst und Gemüse, aber auch Tabak wurden angebaut. Dazu kam die Kleintierhaltung. Hühner und Kaninchen bereicherten das sonntägliche Essen. Wer seinen Kleingarten gut zu nutzen wußte, brauchte nicht hungern.

1947 wurde ich geboren. Ich wuchs in der großen Kleingärtnerfamilie auf. Über fünfzig Familien wohnten in unserer Kleingartenanlage. Wir waren über sechzig Kinder, die gefahrlos und umsorgt dort aufwuchsen. Mein Großvater war der erste Vorsitzende und hatte die Vormundschaft für sechs Kinder, deren Väter im Krieg gefallen waren. Die meisten Parzellen versorgten sich über Grundwasserpumpen mit Wasser. Mit alten Siedewasserrohren aus einer ausgebombten, nahen Fabrik wurde 1950 ein Wasserleitungsnetz in Eigenleistung hergestellt. Auch eine Stromversorgung über Freileitungen wurde durch die Kleingärtner hergestellt. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals Hunger gelitten zu haben, da unser Kleingarten uns ernährte.

Im Laufe der Jahre änderte sich viel im Kleingarten. Der Kleingarten stand in Konkurrenz zu vielen unterhaltsamen Angeboten. Fernsehen, Autokino, Bowling und mehr. Über Kleingärtner sprach man abschätzig von den Laubenpiepern, Gartenzwergen usw.

Mit Einführung des Bundeskleingartengesetzes 1983 begann die Gängelei im Kleingartenwesen. Ein Gesetz, das eigentlich den Kleingärtner schützen sollte, aber auf Grund seiner Unbestimmtheit mehreren Kommentatoren die Möglichkeit eröffnete, ihre Interpretationen einzubringen. Inzwischen ist die 11. Auflage der Kommentierung Mainczyk / Nessler auf dem Markt.

Diese Kommentierungen werden im Sinne des Bundes Deutscher Gartenfreunde geschrieben. Bis zum heutigen Tag wird durch diese Kommentierungen die Versorgung der Gartenlaube mit Strom, Wasser und Abwassersystemen untersagt.

Eine Modernisierung, ein der heutigen Zeit angepaßtes Bundeskleingartengesetz, wird durch den Bund Deutscher Gartenfreunde boykottiert. Bei einer Veranstaltung im Bundestag in Berlin forderte der Präsident des Bundes Deutscher Gartenfreunde die Politik auf, nichts am Bundeskleingartengesetz zu ändern.

Ich bin der Überzeugung, daß die Entsorgung des Abwassers über ein Kanalsystem in das öffentliche Kanalnetz die richtige und hygienischste Art der Entsorgung ist. Auch wenn die Kommentierungen dies untersagen.

Von den Funktionären im Kleingartenwesen wird die Entsorgung der Fäkalien über den Kompost empfohlen. Ist das auch in der Pandemie eine gute Idee? Das Bundeskleingartengesetz macht zur Schmutzwasserentsorgung keine Aussagen.

Welch besonderen Wert der Kleingarten hat, hat sich in der Zeit der Pandemie gezeigt. Die Nachfrage nach Kleingärten war schon lange nicht mehr so groß. Die sich im Lockdown befindlichen Menschen konnten weder Parks noch Spielplätze besuchen, da diese gesperrt waren. Die Gartenfreunde aber konnten in ihre Kleingartenparzellen. Hier konnten sich auch die Familien unter Einhaltung der Regeln treffen. Wenn ich sehe, wie sich die Kleingärtner in der Pandemie verhalten, kann ich nur feststellen, sie haben die Regeln eingehalten.

Unser Autor Peter Vossen ist 1. Vorsitzender des Stadtverbandes Düsseldorf der Kleingärtner e.V. Der Verein ist seit 2005 Mitglied des VDGN.

Foto: Rainer Große

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