Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Energieverbrauch im Haus

Neue Vorschriften – Telefonforum zum Thema Energieausweis

Birgit Holfert

VDGN-Telefonforum rund um den Gebäude-Energieausweis mit Birgit Holfert, Energieberaterin für die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt.

Brauche ich zwingend einen Energieausweis, wenn ich mein Haus verkaufen will?
Ja, seit Mai 2021 regelt das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG Teil 5 Energieausweise § 79 bis § 88) die Pflichten und Anforderungen an Energieausweise und fordert beim Verkauf oder der neuen Vermietung eines Hauses oder einer Wohnung die Vorlage des Energieausweises, spätestens bei der Besichtigung. Wer sein Wohneigentum selbst nutzt oder nicht neu vermietet, benötigt keinen Energieausweis.

Wird ein Gebäude gemäß § 48 GEG umfassend saniert, ist nach § 80 (2) GEG ein Energiebedarfsausweis auszustellen. Wenn Sie ein Gebäude komplett sanieren und energetisch neu bewerten oder kaufen, ist es zudem vorgeschrieben, daß Sie Beratungsangebote zum Energieausweis recherchieren.

Worüber muß der Energieausweis Auskunft geben?
Im neuen Gebäudeenergiegesetz werden die Angaben, die ein Energieausweis mindestens enthalten muß, in § 85 GEG beschrieben: Er gibt Auskunft über Anschrift des Gebäudes, Art (Wohngebäude oder Nichtwohngebäude), Anzahl der Wohnungen sowie Größe der Gebäudenutzfläche, Alter und energetischer Zustand des Gebäudes, Alter des Wärmeerzeugers (Kessel bzw. bei Fernwärme die Übergabestation), wesentliche Energieträger zur Beheizung, zusätzlich müssen beim Bedarfsausweis von Bestandsgebäuden Auswirkungen der Heizung auf das Klima über den sogenannten CO2-Wert ab sofort ausgewiesen werden. Ebenfalls sind energetische Modernisierungsmöglichkeiten aufzuführen (Bestandsgebäude, Bedarfsausweis). Ob oder ob nicht erneuerbare Energien eingesetzt werden, etwa zu Heiz-zwecken (Wärmepumpe, Solaranlage) oder die Nutzung von Solarstrom im Haus (eigene PV-Anlage) fließt über die Berechnung des Primärenergiefaktors mit ein. Der Käufer oder Mieter kann also Rückschlüsse ziehen, welche Heizungsaufwendungen er bei dem Haus bzw. der Wohnung hat und welche energetischen Sanierungen evtl. nach dem Erwerb erforderlich werden.

Beim Bestandsgebäude und Verbrauchsausweis müssen Angaben über die Verbrauchserfassung und den Leerstand von Wohnungen gemacht werden.

Wer kann den Ausweis erstellen?
Es gibt keine amtliche Zulassung bzw. kein Zertifikat dafür. Die Aussteller von Energieausweisen müssen nach dem Gebäudeenergiegesetz eine „baunahe” Ausbildung als Eingangsqualifikation absolviert haben. Berechtigt sind z. B. Architekten, Ingenieure sowie qualifizierte Handwerker und Techniker. Zu dieser Eingangsqualifikation muß in den meisten Fällen die Erfüllung einer weiteren Voraussetzung hinzukommen, wie etwa eine erfolgreiche Fortbildung im Bereich des energiesparenden Bauens. Die Einzelheiten sind in § 88 GEG geregelt.

Haben sich in den letzten Jahren Änderungen ergeben? Gibt es neue Regeln?
Ja, zum Beispiel: Laut § 80 (2) GEG müssen Sie einen Bedarfsausweis bei einer Sanierung unter Zugrundelegung der energetischen Eigenschaften des geänderten Gebäudes dann erstellen lassen, wenn bei der Sanierung Außenbauteile von mehr als 10 Prozent der gesamten Fläche erneuert, ersetzt oder erstmalig eingebaut werden. Neu ist die zusätzliche, verpflichtende Angabe der sich aus dem Primärenergiebedarf oder Primärenergieverbrauch ergebenden Treibhausgasemissionen (CO2) des Gebäudes. Damit enthält der Energieausweis künftig zusätzliche Informationen, die die Klimawirkung berücksichtigen.

Wie lange ist so ein Ausweis gültig?
Ein Energieausweis ist ab Ausstellungsdatum 10 Jahre gültig. Danach muß er neu erstellt werden.

Wozu benötigt man einen Energieausweis?
Um den energetischen Standard eines Gebäudes in Bezug auf den Neubaustandard beurteilen und nachweisen zu können. Zudem werden im Ausweis Empfehlungen zu energetischen Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Wie kann ich sicher sein, daß die Angaben und Messungen stimmen?
Das kann man nicht. Bei einem Bedarfsausweis wird der Heizenergieverbrauch der letzten drei Jahre zugrundegelegt – das kann man überprüfen. Beim Bedarfsausweis wird eine Wärmebedarfsberechnung vorgenommen, die die einzelnen Bauteile (Fassade, Fenster, Dach, Heizungsanlage usw.) beinhaltet mit deren Dämmeigenschaften, Abmaßen usw. Wenn keine Bauunterlagen existieren, muß der Ersteller des Ausweises hier Annahmen treffen und da ist es schwer, deren Korrektheit zu überprüfen. Allerdings kann man Plausibilitätsprüfungen anhand des Baualters und bereits erfolgter Sanierungen sowie des Heizeinergieverbrauchs vornehmen. Die Energieberater der Verbraucherzentralen helfen Ihnen hierbei gern.

Was genau wird im Energieausweis erfaßt? Auch Fenster oder Kamine?
Ja, die Anzahl, Größe und das Baualter bzw. der Dämmwert (sog. u-Wert) der Fenster spielt eine Rolle. Und wenn man viel über den Kamin mit Holz heizt, möglicherweise einen Kamin mit „Wassertasche” hat und die Überschußwärme in das Heiznetz einspeist, wird das dem „Primärenergiefaktor” gutgerechnet. Es wird nämlich nicht nur der Heizenergieverbrauch bzw. -bedarf ermittelt, sondern der „Primärenergiefaktor” ermittelt und ausgewiesen. Dieser beinhaltet, ob Sie mit erneuerbaren Energien heizen (Holz, Pellet, Wärmepumpe) oder ob Sie zum Beispiel selbst erzeugten Solarstrom aus einer PV-Anlage im Haus nutzen. Das verbessert den Primärenergiefaktor. Es zählt also beides: Der Dämmstandard der Gebäudehülle und die Heizungsart bzw. der Stromverbrauch aus eigener Solarproduktion.

Was kostet ein Energieausweis?
Das ist sehr unterschiedlich. Bedarfsausweise kann man online schon für 50 Euro beauftragen.

Bedarfsausweise für Einfamilienhäuser kosten ab ca. 250 Euro. Für Mehrfamilienhäuser sind die Größe des Hauses und das Vorhandensein von Bauunterlagen maßgeblich für den Preis. Das kann dann schon mal 1.000 Euro kosten.

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