Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Spaß an der Bienen-Beute

Das Hobby des Imkerns und die Faszination des honigspendenden Insekts / Interview

Imker Michael Brang kümmert sich um seinen Schwarm Foto: privat
Imker Michael Brang kümmert sich um seinen Schwarm Foto: privat

Michael Brang bewohnt mit seiner Frau in Berlins Südosten ein Eigenheim mit großem Garten in unmittelbarer Nähe zum Flüßchen Wuhle. Wenn er aus dem Fenster blickt, kann er seine Bienenkisten – in der Fachsprache „Beute“ genannt – sehen. Er ist Freizeit-Imker, übt ein Hobby aus, das immer beliebter zu werden scheint …

Was weckte Ihr Interesse für die Imkerei? Wie kamen Sie zu Ihren Bienen und Ihrer Hobby-Imkerei?
Als ich noch ein kleiner Grünspund war, lebte ich auf einem Grundstück mit großem Garten und Restbeständen alter Obstbäume. Es gab dort auch Überreste einer ehemaligen Imkerei. Das war schon interessant, besonders der süße Honig hatte es mir angetan…

Später kam immer mal wieder der Gedanke auf: Könnte man ja mal… also selbst imkern. Ist aber immer wieder in Vergessenheit geraten. Als ich dann in den Ruhestand ging, erinnerte mich meine Frau: Na, jetzt hast Du ja Zeit, jetzt kannst Du das machen!

Ich hatte Glück, daß ich über einen ehemaligen Arbeitskollegen – er hatte in seiner Jugend eine Ausbildung zum Imker gemacht – schnell zu allen wichtigen ersten Informationen kam. Er gab mir auch den Hinweis auf den alten „Imkerverein Wuhletal 1864“. In diesen Verein bin ich eingetreten und bis heute Mitglied.

Mein ehemaliger Kollege gab mir zwei Ableger von seinen Bienenvölkern. Ich machte einen Imkerei-Anfängerkurs am Bieneninstitut in Hohen-Neuendorf und schaffte die Erstausstattung an. In den letzten sieben Jahren – mit allen Höhen und Tiefen – haben sich mein Wissen und meine Erfahrung mit der Imkerei stetig weiterentwickelt. Jetzt habe ich sechs Völker im Garten, und meine Frau mahnt an, es dabei zu belassen. Denn sonst haben wir zuviel Aufwand – und zuviel Honig. Es soll ja ein Hobby bleiben.

Was meinen Sie, wenn Sie „mit allen Höhen und Tiefen“ sagen?
Mit den Tiefen meine ich beispielsweise die Varroa-Milbe, die den Bienen seit Jahren zu schaffen macht. Sie setzt sich auf die Biene (das ist für die Biene in etwa so, als wenn wir als Mensch ein Kaninchen am Bein hängen haben, das wir mit uns herumschleppen müssen) und saugt Blut und Gewebe der Biene. Das schwächt das Immunsystem der Biene. Außerdem schleppt die Milbe Viren ein, die Biene wird zusätzlich geschwächt.

Bevor die Bienen die Zellen ihrer Larven „verdeckeln“, dringt die Milbe in die Zellen ein und vermehrt sich schließlich dort. Dann befällt die Milbe auch die Bienenlarve, so daß die Jungbiene schon mit der Milbe schlüpft und meist schnell stirbt. Da kann schon mal ein ganzes Volk nicht mehr überleben. Das ist dann schon frustrierend.

In Jahren, in denen das Futterangebot für die Bienen nicht so gut ist, kommt es außerdem vor, daß sich im Herbst fremde Bienen regelrecht in ein Bienenvolk „einbetteln“. Diese Bienen bringen eventuell fremde Keime und Milben in das Bienenvolk ein. Das kann auch dazu führen, daß sie den Winter nicht überstehen.

Welche Gründe sehen Sie für mangelndes Bienenfutterangebot in Ihrer Umgebung?
Wenn man sich die modernen Gärten rund um die neugebauten Einfamilienhäuser in der Umgebung ansieht: Da blüht oft nur sehr wenig. Und auch die Straßenbäume werden immer weniger. Die alten sind nicht mehr standsicher, müssen Straßenverbreiterungen oder anderen Baumaßnahmen weichen, und es werden keine neuen gepflanzt. Meine Bienen haben aber Glück: Durch die Nähe zu den Kaulsdorfer Seen und Fuchsbergen, den vielen Kleingärten in der Umgebung, den vielen Weiden an der Wuhle und etwas Wald in der Flugumgebung von zirka drei Kilometern im Umkreis ist das Futterangebot mehr als ausreichend, über das Jahr verteilt relativ gleichmäßig und vielfältig. So können sie eine Menge wohlschmeckenden Honig produzieren. Und der hat schon einen anderen Geschmack als zum Beispiel sortenreiner Rapshonig – und meine Bienen müssen nach der Rapsernte ab Ende Mai nicht gefüttert werden, wie das in bestimmten Regionen nötig ist. Außerdem ist der Honig so gut wie schadstofffrei.

Welchen Zeitaufwand haben Sie, über das Jahr gesehen, für alle anfallenden Arbeiten im Zusammenhang mit der Honiggewinnung und der Pflege der Bienenvölker?
Wenn ich spezielle Honigverarbeitung, Wachseinschmelzung und Kerzendrehen im Winter nicht hinzurechne, komme ich auf etwa zehn bis 20 Stunden pro Jahr und Bienenvolk, vorrangig von April bis Juli.

Sie haben über die Tiefen gesprochen, die das Imkerhobby mit sich bringen kann – Varroa, Bienensterben… Was ist mit den Höhen, was begeistert Sie? Was fasziniert Sie?
Man bekommt einen ganz anderen Blick auf Natur und Umwelt. Ich beobachte viel genauer, zum Beispiel erkenne ich eine Wildbiene auf Anhieb. Es ist auch faszinierend zu sehen, wie die Bienen fliegen, wenn die Sonne scheint – schon ab 8° Celcius! Ich mag auch den Geruch, wenn ich an den Bienenstöcken vorbeigehe.

Dann finde ich es auch faszinierend, wie die Bienen bauen. Sie schaffen es, in einer Bienenwabe alle Wände der einzelnen Zellen exakt gleichmäßig zu bauen. Ich konnte einmal beobachten, wie die Bienen ihr Bienennest komplett frei bauen. Ein kleinerer Schwarm eines meiner Völker hatte sich im Sommer selbständig gemacht und wurde von mir in einem Bienenkorb einlogiert: So wurden vollkommen frei im Korb die Waben gebaut, im Zentrum sah man die Zellen für den Nachwuchs, drumherum den sogenannten Pollenkreis und am Rand des Brutnestes Drohnenzellen und Honigzellen.

Was brauche ich denn, um mit dem Imkern zu beginnen? Was muß ich investieren?
Zunächst mal braucht man natürlich Informationen und Wissen. Ein Anfängerkurs bei einem Imkerverein kostet nicht viel und sollte auf jeden Fall absolviert werden.

Hat man sich entschlossen, Hobby-Imker zu werden, empfiehlt es sich, Mitglied in einem Imkerverein zu werden. Dort bekommt man unter anderem Unterstützung durch erfahrene Imker und kann offene Fragen klären. Denn Fragen tauchen auch nach einigen Jahren noch auf.

Investieren muß man gerade am Anfang vor allem Zeit! Die finanziellen Investitionen sind da noch nicht so hoch. In der Regel beginnt man mit zwei Völkern – mit etwas Glück bekommt man die über den Verein.

Was man sich dann erst einmal anschaffen muß, ist neben einem vollständigen Imkeranzug und einigen Handwerkzeugen wie Stockmeißel, Smoker und Abkehrbesen für jedes Volk eine Beute. Es gibt da unterschiedliche, historisch gewachsene Maße; mit etwa 200 Euro pro Beute kann man rechnen. Die komplette einfache Grundausstattung für zwei Völker – ohne weitere Materialien zu Honiggewinnung – kostet etwa 600 Euro.

Eine Honigschleuder braucht man als Vereinsmitglied nicht gleich zu kaufen – meistens steht eine Honigschleuder zur Verfügung, die man sich teilt. Alles weitere kann man sich dann im Laufe der Zeit nach Bedarf dazu kaufen.

Interview: Sandra Halfpaap

Informationen u. a. unter: imkerverein-wuhletal1864.de/bienenlehrgarten

Filmtip unseres Gesprächspartners: „More than honey”, ein vielfach ausgezeichneter Dokumentarfilm des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof über das weltweite Bienensterben

zurück