Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Saubere Sache

Dresdner Forscher entwickelten Verfahren zur Aufbereitung von Brauchwasser. Interview

Foto: Fraunhofer IKTS

Unser Gesprächspartner Dr.-Ing. Burkhardt Faßauer ist Leiter der Abteilung Biomassetechnologien und Membranverfahrenstechnik am Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS), Dresden

Im schwimmenden Haus auf dem Bergheider See in der Lausitz wird seit einigen Jahren geforscht, inwieweit eine autarke Energie-, Wärme- und Wasserversorgung möglich ist, unabhängig von öffentlichen Einrichtungen. Wie geht es voran?
Unser Institut beteiligt sich mit vier weiteren Forschungseinrichtungen und neun Unternehmen an dem Projekt autartec, das von 2014 bis 2019 vom Bundesforschungsministerium unterstützt wurde. Das von uns entwickelte Verfahren zur Wasseraufbereitung für das schwimmende Haus wird weiter praktisch erprobt. Wir konnten nachweisen, wie aus sog. Grauwasser, also Wasser aus der Wasch- oder Spülmaschine oder vom Duschen, wieder Trinkwasser hergestellt werden kann. Zirka 300 bis 400 Liter solchen Grauwassers fallen immerhin Tag für Tag in einem durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt an.

Wie wird das Wasser wieder sauber?
Unser Verfahren kommt ohne chemische und biologische Hilfsmittel aus. Es beruht auf der reinigenden Wirkung keramischer Stoffe sowie des UV-Lichts. Allein Strom für den Betrieb des Filtrationssystems wird benötigt.

Zunächst werden grobe Partikel, wie beispielsweise Haare, aus dem Duschwasser entfernt. In einem zweiten Schritt wird das Wasser durch sehr feinporige Filtermembranen, die Poren sind nur 0,5 bis 0,9 Nanometer „groß“, gepreßt. Diese Nanofiltration schafft es, 90 Prozent der organischen Schadstoffe zu entfernen. Schon danach weist das Wasser keine bakterielle Belastung mehr auf, ist faktisch sauber und fast trinkbar. In einem dritten Schritt wird mit Hilfe von UV-Licht und auf keramischen Schäumen aufgebrachten Katalysatoren eine sehr starke Oxidation angeregt. Das beseitigt die letzten Schmutzreste aus dem Wasser.

Könnte das von Ihnen entwickelte Verfahren auch für ein Einfamilienhaus in ländlicher Region, wo eine zentrale Ver- und Entsorgung viel zu aufwendig wäre, geeignet sein?
Vor Jahren waren wir da optimistischer. Doch heute rechnen wir nicht mehr damit, daß das System in einem einzeln stehenden Einfamilienhaus Anwendung finden könnte. Es ist zwar sehr bedienerfreundlich, aber zu aufwendig, zu teuer.

Bei Mehrfamilienhäusern oder auch in ganzen Eigenheimsiedlungen ist sein Einsatz hingegen für die Zukunft denkbar. Doch Klärtechnik ist ein heiß umkämpfter Markt. Einen Partner in der Praxis zu finden, der die Finanzierung übernimmt, ist nicht so einfach.

Gibt es andere Einsatzgebiete für chemie- und biologiefreie Wasseraufbereitung?
Das Interesse an unserem Projekt ist groß. Teilkomponenten unseres Systems werden auch schon angewandt, beispielsweise bei Schiffsanlagen.

Wiederaufbereitetes Brauchwasser muß ja nicht immer Trinkwasserqualität haben, wenn man beispielsweise an das Bewässern von Flächen denkt. So bauten wir in Portugal eine Außenstelle unseres Institutes auf, kooperieren mit zwei Hochschulen in Porto und Lissabon und betreiben gemeinsam ein Testzentrum. Dort geht es zum Beispiel darum, mit Pflanzenschutzmitteln belastetes Brauchwasser aus dem Oliven- und Weinanbau so aufzubereiten, daß es wiederverwendbar ist.

In Südeuropa wird das kostbare Naß häufig wiederverwendet. In Deutschland ist das bisher kaum üblich. Doch Seen und Flüsse, die drohen auszutrocknen, Grundwasser-Tiefstände in manchen Regionen und zeitweilige Entnahmeverbote haben auch hier für das Thema sensibilisiert. Wird die Aufbereitung und Wiederverwendung von Wasser künftig eine größere Rolle spielen?
Wir denken ja, aus mehreren Gründen. Schon heute ist die Kläranlage einer mittelgroßen Stadt der größte Energieverbraucher. Das System der Abwasserreinigung, das ist absehbar, kann schon deshalb so nicht bleiben. Außerdem ist es sinnvoll, das Wasser wegen seiner zunehmenden Knappheit in der Region zu behalten, aufzubereiten und wiederzuverwenden. Dezentrale Wasserver- und Entsorgungssysteme werden in den nächsten zehn, zwanzig Jahren eine viel größere Bedeutung bekommen. Aber für diesen Systemwandel braucht es eine langfristig angelegte Strategie. Das ist nicht mit einem Fingerschnipsen getan.

Prognosen sagen gerade in ostdeutschen Regionen wachsende Wasserknappheit voraus, auch von Extremsituationen ist die Rede. Doch ich bin zuversichtlich, daß dem mit neuen, technisch ausgereiften Lösungen wirksam begegnet werden kann.

Interview: Kerstin Große

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