Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Neue Regeln für Kamine

Stillegen, umrüsten oder erneuern? VDGN-Telefonforum zum Kaminofen

Seit dem 1. Januar 2021 gelten neue Regeln für Kaminöfen. Alte Modelle dürfen nicht mehr betrieben werden. Aber es gibt Ausnahmen. Welche das sind und was Sie beim Betrieb Ihres alten Kaminofens beachten müssen, darüber informierte Diplomingenieurin Birgit Holfert, Energieberaterin für die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, im Telefonforum.

Woher weiß ich, wie alt mein Ofen ist?
Der Schornsteinfeger führt ein sog. „Feuerstättenbuch“ und schickt Ihnen zusammen mit der Rechnung den „Feuerstättenbescheid“. Darin steht das Baujahr des Ofens, der Typ und die Inbetriebnahme. Diesen sollten Sie aufbewahren und zusammen mit den Protokollen der Abgasmessungen, in denen diese Daten noch einmal stehen, abheften.

Der Schornsteinfeger sagt, unser Ka-minofen dürfe bald nicht mehr laufen. Ist das richtig? Seit 2001 ist er eingebaut, er läuft ohne Fehler und wurde jedes Jahr vom Schornsteinfeger geprüft. Welche Regeln gelten?

Der Kaminofen kann weiter betrieben werden, solange er den in der Bundesimmissionsschutzverordung (BIMSchV) vorgeschriebenen Abgaswerten entspricht. Lediglich Feuerstätten, die diese Abgaswerte nicht erreichen, müssen mit Filtern nachgerüstet, stillgelegt oder durch neue ersetzt werden.

Wenn der Hersteller des Ofens bescheinigen kann, daß für die Feuerstätte die Grenzwerte für Staub von 0,02 g/m³ Abgasluft und für Kohlenstoffmonoxid von 0,4 g/m³ Abgasluft eingehalten werden oder wenn der Schornsteinfeger eine Messung vor Ort an der Feuerstätte durchführt und die Grenzwerte für Staub von 0,15 g/m³ Abgasluft und für Kohlenstoffmonoxid von 4 g/m³ Abgasluft eingehalten werden (Protokoll!), dann kann Ihr Ofen weiter betrieben werden.

Wir haben einen Kaminofen aus den 2000er Jahren. Müssen wir uns Gedanken machen, ob wir ihn weiter betreiben dürfen?
2015 trat die BImSchV, 2. Stufe, in Kraft. Diese legt strenge Grenzen für Emissionswerte fest. So dürfen die Meßwerte für Staub 0,02 g/m3 und für Kohlenstoffmonoxid 0,4 g/m3 nicht überschreiten. Diese Werte gelten vor allem für Festbrennstoffkessel, die dauerhaft in Betrieb sind. Liegt das Datum der Errichtung Ihres Ofens zwischen 1995 und 2004, ist es zwingend erforderlich, daß der Festbrennstoffkessel nachgerüstet oder außer Betrieb genommen wird; wenn Ihre Anlage zwischen dem 1. Januar 2005 und 2010 errichtet wurde, haben Sie noch Zeit mit der Nachrüstung, denn die BImSchV, Stufe 2, ist erst 2025 bindend.

Ergeben die Messungen des Schornsteinfegers, daß Grenzwerte für Staub und Kohlenmonoxid überschritten werden, müssen Sie zwingend reagieren. Entweder nehmen Sie die Heizanlage außer Betrieb und ersetzen sie durch ein neues Modell oder Sie rüsten Ihre derzeitige Anlage nach.

Wichtig: Die Öfen müssen lediglich stillgelegt, nicht zwingend zurückgebaut werden!

Wie kann man überhaupt einen älteren Kaminofen nachrüsten?
Es gibt Feinstaubfilter, die nachgerüstet werden können. Das ist aber oft schwierig, weil Sie diesen in den Schornstein einbauen müssen.

Am besten ist es, beim Hersteller des Kaminofens nachzufragen. Wenn dieser nicht mehr existiert, z. B. wegen Insolvenz, dann kann es sein, daß man keine Nachrüstungsbauteile bekommt, die passen. In diesem Fall muß man tatsächlich den Ofen stillegen oder einen neuen einbauen.

Wir haben einen Kachelofen aus den 1970ern, gibt es da auch neue Vorschriften?
Wenn der Kachelofen zum Beispiel als sogenannter „Luftofen“ das gesamte Haus beheizt und keine andere Beheizung möglich ist, braucht dieser nicht außer Betrieb genommen oder nachgerüstet zu werden. Das betrifft ebenfalls viele Datschenbesitzer, die ihr Gartenhaus nur zeitweise und ausschließlich über diesen einen Ofen beheizen (Zweitwohnsitz, Ferienhäuser).

Nicht von der 1. BImSchV, 2. Stufe, betroffen sind:  Offene Kamine, Kachelöfen, Badeöfen, die mit Holz beheizt werden, Grundöfen (Wärmespeicheröfen-Kachelöfen) aus mineralischen Materialien, die vor Ort von einem Handwerker gesetzt wurden, Feuerungsanlagen in Wohneinheiten, deren Wärme- und Energieversorgung ausschließlich über diese Ofenanlage erfolgt, nicht gewerblich genutzte Herde und Backöfen unter 15 Kilowatt (kW) Nennwärmeleistung, Öfen und Kamine, die vor 1950 errichtet wurden und als historisch eingestuft werden.

Was mißt der Schornsteinfeger genau, und wie können wir seine Messung überprüfen?
Der Schornsteinfeger mißt den Feinstaubgehalt im Abgas sowie den Kohlenmonoxid-Gehalt. Sie können bei der Messung dabei sein oder einen alternativen Schornsteinfeger zur Zweitmessung beauftragen, falls Sie Zweifel bei ihrem Schornsteinfeger haben. Generell sind Sie bei der Abgasmessung nicht unbedingt auf den Schornsteinfeger vor Ort angewiesen. Aber: Die Feuerstättenschau und Abnahmen bei Umrüstungen und Neubau darf nur der örtliche Schornsteinfeger vornehmen.

Wenn unser Kaminofen nicht mehr weiter betrieben werden darf oder stillgelegt wird, was sind unsere Möglichkeiten, wenn wir einen Holzofen weiter behalten wollen?
Entweder Sie rüsten einen Filter nach oder Sie müssen einen neuen errichten.

Kann man einen Kaminofen selbst einbauen?
Ja, aber die Inbetriebnahme darf erst erfolgen, wenn Sie eine Freigabe vom örtlichen Schornsteinfegermeister bekommen, die sogenannte Abnahme.

Dieser prüft, ob der Einbau nach den geltenden Vorschriften erfolgt. Der Hintergrund sind viele Hausbrände, die in früheren Jahrzenten bzw. Jahrhunderten durch nicht richtig installierte Öfen ganze Städte bedroht haben.

Wird der Schornstein extra überprüft, um sicher zu sein, daß der in Ordnung ist und man ihn weiterbenutzen kann, sollte der Ofen selbst nicht mehr betrieben werden können?
Ja, selbst wenn der Ofen nur stillgelegt und nicht zurückgebaut wird, wird der Schornstein regelmäßig überprüft, ob er in Ordnung und betriebsbereit ist. Das ist aber preiswerter, da keine Abgasmessung erfolgt, sondern nur eine Sichtprüfung.

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