Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Eichen und Buchen im Streß

Cottbus: An der Branitzer Baumuniversität forscht man an robusteren Sorten

Der gebürtige Cottbuser Christoph Haase ist Gartendenkmalpfleger und leitet das Projekt der Baumuniversität im Branitzer Park. Foto: Rainer Große
Der gebürtige Cottbuser Christoph Haase ist Gartendenkmalpfleger und leitet das Projekt der Baumuniversität im Branitzer Park. Auf historischem Gelände wachsen Rot-Buchen, Stiel-Eichen, Linden und Berg-Ahorne sowie Nachkommen der legendären Blut-Buche und Platane am Branitzer Schloß heran, die später an geeignete Orte im Park verpflanzt werden sollen Foto: Rainer Große

Es ist vor Ostern, als wir im Branitzer Park zu Gast sind. Noch hat die großzügige Anlage bei Cottbus, die Fürst Pückler vor 175 Jahren aufzubauen begann, ihr grünes Kleid nicht angelegt.

Für den Gartendenkmalpfleger Christoph Haase bricht mit jedem Frühling eine spannende Zeit an: „Wir schauen dann auf unsere Bäume: Treiben sie aus? Leider werden wir etliche sehen, die es nicht geschafft haben und abgestorben sind.“

Sicher, das ist der Kreislauf der Natur – daß Altes vergeht und Neues entsteht. Daß mancher Baum, der vielleicht zu Pücklers Zeiten gepflanzt wurde, einmal gefällt und ersetzt werden muß.

Doch den Gärtnern in Branitz, aber auch anderswo, bereitet etwas zunehmend Sorgen: Immer mehr Bäume sind durch die fehlenden Niederschläge, große Hitzeperioden und milde Winter in den vergangenen Jahren gestreßt und geschwächt.

„Sie bieten dann eine große Angriffsfläche für Pilze und Schädlinge. Das ist ein ganzer Komplex von Schaderregern, der da angreift“, erklärt Christoph Haase. „Ausgerechnet unsere heimischen Buchen und Stiel-Eichen, die den Kernbestand unseres Parks ausmachen und oft über hundert Jahre alt sind, machen jetzt schlapp.“

Der Zweifleckige Eichenprachtkäfer ist ein solcher Übeltäter. Er fresse sich waagerecht durch das eigentlich sehr gesunde Holz der Bäume, erzählt Haase, kappt die Leitungsbahnen zur Krone und zerstöre die saftführende Schicht der Rinde, die den Baum mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Solche Bäume erkennt der Fachmann an den schwarzen Flecken der Rinde. Sie müssen schnell gefällt und so entsorgt werden, daß die Erreger nicht übergreifen können. Denn verpuppen sich die Käferlarven erst einmal und fliegen aus, sind bald weitere Bäume befallen und sterben ab. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Die Veränderungen stellen die Gärtner in Branitz vor immense Herausforderungen. Daß sie das Gartenerbe erhalten wollen, steht für sie außer Frage, betont Christoph Haase. 2011 belebten sie deshalb die von Pückler schon 1853 gegründete und lange fast vergessene Baumuniversität wieder. Seitdem holen sie sich bei Wissenschaftlern und Fachkollegen Rat, bauten ein Netzwerk mit anderen historischen Gärten auf, um sich gegenseitig zu unterstützen. Diese Zusammenarbeit wird intensiviert, seit der Bund Ende 2020 eine Förderung bewilligte: „Es soll eine ‘Neue Branitzer Baumuniversität’ entstehen, in der nach modernsten wissenschaftlichen und technischen Standards zum einen wertvolle historische Gehölzsorten nachgezogen und zum anderen alternative, zukunftsfähige Baumarten erforscht und kultiviert werden können“, erklärt Christoph Haase. Robustere Baumarten sind das Ziel, und auch für ihre zukünftige Versorgung mit Wasser und Nährstoffen sollen Lösungen gefunden werden.

Von den etwa 17.500 Bäumen im Park sind jetzt schon bis zu 20 Prozent massiv geschwächt, Tendenz steigend. Einzelne könne man sicherlich durch gezielte Maßnahmen noch eine Weile erhalten. Doch für die Masse gelte es Alternativen zu entwickeln. Das Bild des Branitzer Landschaftsparks soll für zukünftige Generationen bestehen bleiben, so der Anspruch des Gartendenkmalpflegers. Die Branitzer Parkgärtner schauten sich deshalb schon vor Jahren nach Alternativen aus südlicheren Gefilden um: nach Eichen- und Buchen-Arten, die in der Heimat Wurzeln schlagen könnten. Sie sollten den einheimischen Bäumen im Aussehen (z. B. Habitus, Blattform und -farbe) trotzdem so ähnlich wie möglich sein. Erste Exemplare wurden in den Lausitzer Boden gesetzt. Nun wird geschaut, wie die Bäume mit den Bedingungen vor Ort klarkommen.

Ein anderer Weg ist, die Natur ringsum aufmerksam zu beobachten, so Christoph Haase: „Sie kann sich selbst verjüngen, robustere Pflanzen hervorbringen. Samen, die im Park wild keimen und aufgehen, untersuchen wir deshalb an der Baumuni auf ihre Wuchseigenschaften, ob sie eine schöne Blattform und Verzweigung entwickeln und widerstandsfähig sind.“

Die kommenden Jahre werden alle Beteiligten, die Praktiker und Forscher, vor große Herausforderungen stellen. Bäume zu vermehren und zu pflanzen, die den „fast wüstenähnlichen Bedingungen“ trotzen, diese Aufgabe wird ihnen alles abverlangen – auch Mut, wie Pückler ihn einst an den Tag legte, meint Christoph Haase. „Als er in die Lausitz kam, fand er weite Ebenen vor, ab und zu ein paar Kiefern und sandige Böden. Alles andere als ideale Bedingungen für einen Park. Nicht umsonst ist von ihm der Spruch übermittelt, es sei seine Aufgabe gewesen, in Branitz aus einer Wüste eine Oase zu schaffen.“

Kerstin Große

zurück