Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Stigmatisierende Debatte

Von Jochen Brückmann, Präsident des VDGN

Das war ein glänzend herausgespieltes Eigentor. Kurz vor der für sie äußerst wichtigen Landtagswahl in Baden-Württemberg drehten die Bündnisgrünen bundesweit eine Debatte an, künftig den Bau von Eigenheimen zu untersagen. Man weiß ja, mit welchen Worten die Nationalhymne von BaWü beginnt: „Schaffe, schaffe, Häusle baue.“ Die Grünen begriffen recht schnell, was sie sich da eingebrockt hatten, und versuchten, den Ballon noch einzufangen. Aber gesagt ist gesagt.

Die Argumente, die da gegen das Eigenheim als angeblich ressourcenverschwendendes Monster ins Feld geführt wurden, beruhen zu einem größeren Teil auf Milchmädchenrechnungen. Der Verbrauch von Wasser und Strom zum Beispiel hat kaum mit der Wohnfläche, sondern vor allem mit der Zahl der Personen zu tun, die dort leben. Und wenn Eigenheimer ein bißchen mehr Wasser benötigen als das in anderen Wohnformen geschieht, dann tun sie das, weil sie ihre Gärten wässern. Auf ihre eigenen Kosten lassen sie so einen Teil des Grüns gedeihen, der Kohlendioxid absorbiert, Feinstaub herausfiltert, Feuchtigkeit speichert, die Artenvielfalt fördert und auch noch gut aussieht.

Oder nehmen wir den Energieverbrauch fürs Heizen. Wer auf die Zahlen schaut, wird feststellen: Eigenheime verbrauchen derzeit kaum mehr als Mietwohnungen. Beide benötigen etwas mehr als 140 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (Warmwasser nicht mitgerechnet, wo der Verbrauch ja wieder von der Personenzahl abhängt). Bei Wohneinheiten, die nach dem energiesparenden Standard des KFW-Hauses 70 errichtet worden sind, liegt laut den Statistiken des Portals „gasvergleich.de“ das Eigenheim schon heute mit 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter vorn, während die Mietwohnung auf 74 kommt. Und Eigenheime in Deutschland sind keine Paläste. 130 Quadratmeter im Einfamilien- und 99 Quadratmeter im Zweifamilienhaus beträgt ihre Größe im Durchschnitt. Für eine Familie mit Kindern kann man das als angemessen ansehen, auch wenn es vielleicht manchem Grünen-Wähler als Singlebewohner einer innerstädtischen Dachgeschoßwohnung etwas poplig erscheint.

Ja sicher, die Flächenzersiedlung in Deutschland ist ein Problem. Doch, um dem entgegenzusteuern, besitzen die Städte und Gemeinden bereits genügend bau- und planungsrechtliche Instrumente. Und man sollte nicht vergessen: Die Wohnungsnot in den großen Städten ist vor allem ein Ergebnis anhaltender Landflucht. Dem kann nur mit attraktiven Wohnmöglichkeiten in den ländlichen Regionen begegnet werden, die dem Bedürfnis nach größerer Nähe zur Natur Rechnung tragen. Die dortigen Infrastrukturen wie Arztpraxen, Einzelhandel oder Kitas und Schulen durch den Zuzug von jungen Familien zu stärken, ist ein Akt der Nachhaltigkeit.

Landtagswahl hin, Bundestagswahl her – die von einer mutmaßlichen künftigen Regierungspartei im Bund vom Zaun gebrochene Debatte hat eine, wahrscheinlich gewollte, stigmatisierende Wirkung. Wenn es ans Bezahlen der aufgehäuften gigantischen Corona-Kosten geht, soll die traditionelle, oft Eigenheime bewohnende Mittelschicht bluten. Denn das sind ja schlimme Finger, die unser Klima und die Umwelt kaputtmachen. Stigmatisierung einer ganzen Schicht der Bevölkerung: Nicht mit uns!

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