Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Im Krisenmodus

Wie die Pandemie Betrieben des VDGN-Unternehmenspools zusetzt

Die Corona-Pandemie entwickelt sich für viele Wirtschaftsbereiche in Deutschland gerade in Einzelhandel und Gastronomie zur Dauerbelastung. Laut einer Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), die im Januar 2021 veröffentlicht worden ist, gaben fünf Prozent der befragten Betriebe an, daß sie von der Pleite bedroht sind. Nach DIHK-Angaben wären dies hochgerechnet auf die gesamte Wirtschaft etwa 175.000 Unternehmen. Besonders von der Insolvenz bedroht seien ein Drittel der kreativen und künstlerischen Betriebe, 30 Prozent der Reisebüros, 27 Prozent der Taxibetriebe und 20 Prozent der Unternehmen aus der Gastronomie. Ähnlich sehe die Lage bei Messe- und Kongreßveranstaltern aus.

Lieferketten teils unterbrochen
Und wie steht es um die Betriebe aus dem VDGN-Unternehmenspool? Handwerksbetriebe berichten, daß Corona keine negativen Auswirkungen auf die Auftragslage hat. Ganz im Gegenteil habe sie sich sogar etwas verbessert, erzählt Peter Haller vom gleichnamigen Sanitärbetrieb aus dem brandenburgischen Fredersdorf. Viele Kunden, die im

Homeoffice sind, bestellten häufiger Handwerker, so daß Betriebe mit den Terminen nicht mehr hinterherkämen. Auf der anderen Seite sind die Lieferketten durch den Lockdown teils unterbrochen. Material sei schwieriger zu bekommen, so Peter Haller weiter. Die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung führte darüber hinaus zu Mehrarbeit und Mehrkosten durch zusätzliche Beauftragung des IT-Service, weil dafür die Software jeweils extra umgestellt werden mußte. Ebenso stiegen die Dokumentationspflichten durch zusätzliche Arbeitsunterweisungen bei Personal und Kunden hinsichtlich Hygienemaßnahmen, so Peter Haller.

„Da kamen einem die Tränen”Ganz anders sieht es bei den Späth’schen Baumschulen in Berlin-Treptow-Köpenick aus: Geschäftsführer Holger Zahn sah sich zwar noch bis Ende des vergangenen Jahres privilegiert, als Bau- und Gartenmärkte noch geöffnet haben durften. Groß- und Einzelhandel liefen bis dahin noch. Im Zuge des zweiten Lockdowns Ende vergangenen Jahres war aber auch damit Schluß. Dann wurde auch die Gastronomie mit dem Hofcafé, die vorher bereits schon runtergefahren wurde, endgültig dichtgemacht. Der Weihnachtsmarkt lief nur noch in abgespeckter Form. Die älteste Baumschule der Stadt machte Verluste und mußte sich vorübergehend von Mitarbeitern trennen. „Da kamen einem die Tränen“, so Holger Zahn mit bitterer Stimme. Auch das 300jährige Jubiläum im vergangenen Jahr fiel praktisch aus. Was die Zukunft bringt? „Unklar. Der Großhandel sowie Garten- und Landschaftsbau werden weiterlaufen. Für mich bleibt die Gastronomie dauerhaft geschlossen. Es wird aber einen Nachnutzer geben, wenn Corona es zuläßt“, so Holger Zahn.

Mehr Schatten als Licht
Ähnlich klingt es bei Jürgen Zierholz vom Stralauer Reisebüro in Berlin-Friedrichshain, der einen Umsatzrückgang von 90 bis 95 Prozent beklagt: „Die Reisebranche ist mit am härtesten betroffen vom Corona-Lock-

down und wird eine der letzten Branchen sein, in der gelockert wird.” Im Sommer letzten Jahres sah der Reisebüroinhaber noch ein zartes Kerzenflackern am Ende des Tunnels. Jetzt habe der zweite Lockdown diese Kerze mit einem kräftigen und heftigen Husten ausgepustet. Was bleibe, sei das Prinzip Hoffnung, so Jürgen Zierholz. In den vergangenen Wochen gab es mittlerweile vermehrt Anfragen für die kommende zweite Jahreshälfte für Wellness-Reisen und Auslandsurlaube in Griechenland und Spanien sowie Fluß- und Hochseekreuzfahrten.

Nie war die Beratung so intensiv wie jetzt, wo es um Versicherungen im Stornierungsfall, Hygienemaßnahmen und Einreiseformalitäten geht. Seine Hoffnung setzt Jürgen Zierholz in einen Impfpaß: „Ich bin für ein europäisches Impfdokument, das fälschungssicher und international gültig ist. Das wird kommen, wie das Amen in der Kirche.“ Damit könne der Reisemarkt zumindest in Europa wieder zum Laufen gebracht werden und Sicherheit geboten werden für alle Beteiligten.

Dagegen sind negative Auswirkungen durch die Corona-Pandemie auf dem Immobilienmarkt derzeit nicht erkennbar, berichtet Torsten Enk, Inhaber des gleichnamigen Unternehmens. Der Immobilienfachmann vermittelt Häuser, Grundstücke und Wohnungen in Berlin und Brandenburg. Die Nachfrage nach Wohneigentum ist weiterhin ungebremst und die Preise unverändert auf hohem Niveau. Einschränkungen sind lediglich im organisatorischen Ablauf festzustellen, etwa bei der Vereinbarung von Besichtigungen und Notarterminen durch die Begrenzung der zulässigen Personenanzahl. Dies ist für alle Beteiligten zwar ungewohnt, behindert jedoch kaum das Geschäft.

Es gibt also deutlich mehr Schatten als Licht und es regiert für die betroffenen Branchen das Prinzip Hoffnung auf ein Ende des Lockdowns und der Pandemie überhaupt. Wie aber die langfristigen Auswirkungen auf die Unternehmen sein werden, das steht nach wie vor in den Sternen.

Frank Hufnagel

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