Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Für intelligente Investitionen

Kosten der Corona-Krise: Umverteilen oder erwirtschaften, das ist die Frage. Ein Gastbeitrag

Mario Czaja ist Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und Präsident des Roten Kreuzes Berlin Foto: privat
Mario Czaja ist Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und Präsident des Roten Kreuzes Berlin Foto: privat

Von Mario Czaja

Corona. „Nicht schon wieder“ werden Sie sagen. Ja, es nervt und es ist ein wenig ermüdend.

Wir alle hoffen, daß diese Pandemie bald vorbei ist und wir alle wieder unser normales Leben wiederhaben werden. Aber was ist eigentlich mit den immensen Kosten, die dieses Virus verursacht hat?

Allein im vergangenen Jahr haben Bund und Länder rund 480 Milliarden Euro für die Pandemie-Folgen ausgegeben. Daher stellt sich schnell die Grundsatzfrage, wie diese Kosten refinanziert werden sollen: durch Umverteilung oder durch das Erwirtschaften der Mittel?

Die üblichen Verdächtigen werden schnell nach dem einfachen Weg rufen, einer Umverteilung von oben nach unten. Nur... wer wird dieses „oben“ sein? Ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, daß es nicht die wirklich Reichen im Lande sein werden. Die sind dank der steuerlichen und sonstigen Expertise in der Lage, nicht greifbar zu sein. Es werden die Erreichbaren sein, die Menschen aus unserer Mitte. Die Mittelschicht.

Ein Ehepaar ohne Kinder gehört nach Definition des Instituts der Deutschen Wirtschaft bereits ab einem Nettoeinkommen von 2340 Euro dazu, ein Ehepaar mit zwei Kindern ab 3270 Euro. Das heißt, wenn beide Partner einer geregelten Arbeit nachgehen, sind diese Grenzen schnell erreicht. Ich halte diesen Weg für falsch!

Es ist doch eine Binsenweisheit: was verteilt werden soll, muß vorher erwirtschaftet werden. Nur leider wird dieser Logik oft nicht gefolgt. Was heißt das nun für uns, welche konkreten Möglichkeiten bestehen in unserem unmittelbaren Umfeld, die Wirtschaft zu stärken? Statt mit Zwangsabgaben zu arbeiten, sollte klug und vorausschauend in neue Technologien investiert werden.

Der Apple-Konzern schmiedet derzeit Pläne zum Einstieg in die Elektromobilität. Warum sollten das findige Entwickler nicht auch bei uns tun?

Schauen wir nach Berlin: In Marzahn bietet der Cleantech-Business-Park mit seinen 80 Hektar beste Voraussetzungen für saubere Technologien. Die Ansiedlung von Forschungseinrichtungen wie im Technologiepark Adlershof, wo bereits über 20.000 Menschen beschäftigt sind und 7.000 Studenten lernen, könnte als Vorbild und Blaupause dienen.

Im Bereich Gesundheitsforschung boomen aktuell die Unternehmensneugründungen. Der Gesundheitscampus des Unfallkrankenhauses am Blumberger Damm in Marzahn bietet beste Voraussetzungen für Ansiedlungen innovativer Start-ups. Es könnten Konjunkturprogramme für nachhaltige und zukunftsfähige Branchen aufgelegt werden.

Der Ausbau der E-Mobilität in den Berliner Randbezirken muß gefördert werden, damit hier eine bedarfsgerechte Infrastruktur entsteht, bevor Verbrennungsmotoren in der Innenstadt verboten werden. Auch sollte die energetische Sanierung von Häusern forciert werden. Warum gibt es nur 20 Prozent Zuschuß für den Austausch von Fenstern?

Der Umbau der Eigenheime zu barrierefreien Wohnräumen könnte gefördert werden. Natürlich würden davon die Baufirmen profitieren, aber vielmehr noch die Eigenheimbesitzer, die dann – unterstützt von modernen Assistenzsystemen und Smart-Living-Lösungen – auch im hohen Alter in ihren Häuschen und dem liebgewonnenen Kiez wohnen bleiben könnten.

Apropos Baufirmen: Allein in Marzahn-Hellersdorf sind fast 1,3 Millionen Quadratmeter Gehwege noch nicht befestigt. Welch ein Potential, wenn daraus ein Konjunkturprogramm für Tiefbau- und Straßenbaufirmen würde! Es gibt so viel zu tun, fangen wir doch einfach an!

zurück