Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Die Gesundheit stärken

Mit Heilfasten unter ärztlicher Aufsicht läßt sich manches Leiden lindern

Eine Frau trinkt aus einer Wasserflasche
Viel Wasser und Tee zu trinken, gehört zum Fasten Foto: AOK-Medienservice

Eigentlich ist mir Fasten Jahr für Jahr ein Bedürfnis. Mindestens sieben Tage plane ich im März oder April immer dafür ein. 2020 setzte ich allerdings aus. Die Ungewißheit, die sich mit den Corona-Viren ausbreitete, war zu groß. Ich wollte kein gesundheitliches Risiko eingehen. Dabei kann Fasten das Immunsystem sogar eher stärken, sagt Dr. Heidelore Geistlinger. Die Allgemeinmedizinerin ist zertifizierte Fastenärztin und führt in Moritzburg bei Dresden ein kleines Kurhaus, wo sie auch Heilfasten anbietet. Die 78-jährige erklärt, was es bewirkt und worin der Unterschied zum Fasten für Gesunde besteht.

Fasten – also der Verzicht auf feste Nahrung – scheint als natürliche Selbsthilfe regelrecht angeboren zu sein. Wer kennt es nicht: Bei Fieber ißt im Grunde jeder Mensch instinktiv wenig oder gar nichts. Stattdessen hat man dann oft nur das Bedürfnis, viel zu trinken und ausgiebig zu ruhen. Heilfasten ist freilich ein bewußt herbeigeführter Prozeß, der hilft, die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren.

„Zivilisationskrankheiten werden heutzutage oft einfach nur mit Medikamenten be-kämpft“, bedauert Heidelore Geistlinger. Eine Kur mit vorübergehendem Nahrungsverzicht könne durchaus ein Weg sein, Beschwerden zu lindern, etwa bei Gelenkschmerzen, Bluthochdruck, Übergewicht, chronischer Verstopfung, Stoffwechselstörung, Unverträglichkeiten bestimmter Lebensmittel, selbst bei Altersdiabetes.

Manche schaffen es im Laufe der Zeit sogar, sich ganz von ihren Leiden zu befreien, wenn sie regelmäßig fasten und sich von alten Gewohnheiten verabschieden, was meist bedeutet, den eigenen Lebens- und Ernäh-rungsstil grundlegend umzustellen. Für Menschen mit Untergewicht, mit einer Überfunktion der Schilddrüse oder Diabetes Typ I ist die Methode dagegen nicht geeignet.

Wenn vom Heilfasten die Rede ist, meint das immer eine Kur, die von einem Arzt oder einer Ärztin begleitet wird. Außerdem gibt es Fastenkurse für Gesunde, bei denen jedoch die medizinische Betreuung fehlt. Daran kann teilnehmen, wer keine Vorerkrankungen hat und keine Medikamente einnimmt. Als Bestätigung dafür ist zu Kursbeginn eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung vorzulegen. Die Anleitung beim Fasten für Gesunde übernehmen Personen, die nach einer fachlich anerkannten Ausbildung ärztlich geprüft wurden, etwa bei der Deutschen Fastenakademie.

Ob mit oder ohne Arzt, allein oder in der Gruppe: Die Grundmethode für die heilsame Therapie ist gleich. Fasten heißt, sich eine Zeit lang ausschließlich flüssig zu ernähren. Kräutertee, Gemüsebrühe, Wasser, teilweise mit Zusätzen wie Ingwer und Zitrone, oder auch warme Obstsuppe stehen auf dem Verpflegungsplan. Die Getränke fördern die Ausscheidung überschüssiger Stoffe, die den Organismus belasten. Ausreichend Bewegung unterstützt den Körper bei der Reinigungskur ebenso wie tägliches Ruhen mit feuchtwarmem Leberwickel, am besten dick eingepackt unter freiem Himmel.

Meist werden Fastenkurse angeboten, die sieben Tage dauern. „Innerhalb einer Woche ist viel möglich“, betont Dr. Geistlinger. Mindestens ein Tag zur Entlastung, etwa mit Obst, stimmt auf die Kur ein. Nach dem Abführen mit Glauber- oder Zitronensalz schaltet der Organismus auf Selbstversorgung um, indem er sich aus eigenen Reserven ernährt. Der Fettabbau beginnt etwa ab dem dritten Tag. „Der Körper gibt ab, was zu viel und zu alt ist“, sagt die Spezialistin für Naturheilverfahren.

In den ersten zwei bis drei Tagen sind Vorsicht und mehr Ruhe geboten, um zunächst Kreislauf und Immunsystem zu stabilisieren. Im Laufe der Woche fühlten sich die meisten Fastenden zunehmend besser und vitaler, so daß sie ausgedehntere Spaziergänge, Yoga und Sauna unbesorgt wagen könnten. Die ärztliche Aufsicht beim Heilfasten sorgt für Sicherheit. So gehören die tägliche Kontrolle von Puls, Blutdruck und Gewicht, mehrfache Urinuntersuchung und Ernährungsberatung zum Kurprogramm bei Dr. Geistlinger.

Auch ambulantes oder selbständiges Fasten sind durchaus möglich. Vorher empfiehlt sich jedoch unbedingt ein Besuch beim Hausarzt, um die Werte verschiedener Organe überprüfen zu lassen. Vor allem die Leber wird bei der Selbstreinigung gefordert. Mich begleitet immer das Buch „Wie neugeboren durch Fasten“ von Dr. Hellmut Lützner, ein bewährter Leitfaden, wenn ich allein faste. Mein Vertrauen in den eigenen Körper hat über die Jahre enorm zugenommen – neben dem Bewußtsein, wie wenig (Nahrung) zum Leben reicht.

Heidelore Geistlinger bestätigt, daß gesunder Verzicht ein Gewinn ist. „Fasten ist eine wunderbare Sache, wenn man die Impulse danach in den Alltag mitnimmt.“ Sie hofft, daß sie im April wieder Gruppen zum Heilfasten empfangen kann. Bis dahin hat sie alle Kurtermine wegen der Corona-Krise abgesagt.

Anett Böttger

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