Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wertvolle Refugien im Grünen

Von Ulf Mätzig, Vizepräsident des VDGN für Kleingärten

Der Trend hat sich in den letzten Jahren schon angedeutet, wurde im Corona-Jahr 2020 jedoch ganz offensichtlich: Immer mehr Stadtbewohner sehnen sich nach einem Rückzugsort im Grünen, wo sie den Alltagsstreß hinter sich lassen und einfach mal abschalten können. Einem vertrauten Ort in der Natur, wo man gern mal den Feierabend oder das Wochenende, unter Umständen aber auch den Urlaub verbringen kann. Gerade letzteres hat sich in Zeiten einer Pandemie als hoch geschätzter Vorteil erwiesen. Wenn ein Verreisen nicht möglich oder zumindest mit großen Risiken für die Gesundheit verbunden ist, zeigt sich besonders, wie wertvoll ein eigenes Refugium im Grünen sein kann.

Doch wäre es ein Fehler, hier nur auf die Corona-Krise zu schauen, die hoffentlich bald überwunden sein wird. Die Nachfrage nach Wochenendgrundstücken wuchs bereits zuvor spürbar von Jahr zu Jahr. Das können wir auch bei unseren Beratungen beobachten, bei denen in letzter Zeit der Schwerpunkt nicht mehr nur noch bei Datschennutzern mit Verträgen aus DDR-Zeiten liegt, die oft ihr Grundstück aus Alters- oder Gesundheitsgründen aufgeben wollen. Gerade junge Familien mit Kindern suchen ein solches zur Pacht, da sie sich den Kauf eines Wochenendgrundstückes oft nicht leisten können. Auch für Gemeinden und private Grundstückseigentümer ist die Weiterverpachtung lukrativ, da der Großteil der Datschengrundstücke nicht anderweitig bebaubar ist. Eins ist somit völlig klar: Auch mit Ende der Investitionsschutzfrist nach dem Schuldrechtsanpassungsgesetz im Jahr 2022 wird das Thema Wochenendgrundstücke für den VDGN sowohl in der politischen Interessenvertretung als auch in der Beratung weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

Gleiches gilt für die Kleingärten! Auch diese sind in modernen Städten alles andere als Auslaufmodelle oder Platzhalter auf potentiellem Bauland! Sie sollten daher umfassend geschützt und in ihrem Bestand erhalten werden. Auch in den Kleingärten finden hunderttausende Erholung und Ausgleich vom alltäglichen Streß. Zudem sind die Gärten in den modernen Städten unersetzbar als grüne Lungen und Oasen der Artenvielfalt. So hat die Begründung des Berliner Kleingartenentwicklungsplans ausführlich nachgewiesen, daß 95 Prozent der Berliner Kleingärten aus stadtklimatischer Sicht eine hohe oder die höchste Schutzwürdigkeit aufweisen; bei der Schutzwürdigkeit der Böden sind es über 80 Prozent. Umso ärgerlicher, daß dieser Plan nicht die richtigen Schlüsse aus diesen Zahlen zieht und der Schutz der Kleingärten bisher weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Der VDGN wird daher weiterhin bundesweit für den Erhalt von Kleingartenanlagen kämpfen!

Die Refugien im Grünen, das sollte begriffen werden, sind ein Schatz für die Gesellschaft. Ihn zu erhalten, ja zu mehren, liegt im Interesse der Allgemeinheit und kostet sie nichts als die politische Anstrengung zu einer den Nutzern von Datsche und Kleingärten freundlichen Gesetzgebung.

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