Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Neue Pauschalen kennen

Steuertips für die Erklärung 2020

Uwe Rauhöft vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine gab im Telefonforum Antworten auf Fragen rund um Neuerungen im Steuerrecht

Im vergangenen Jahr hat ein Handwerker unsere Holzfenster aufgearbeitet. Einige Fenster hat er in seine Werkstatt mitgenommen. Können wir die Kosten in der Steuererklärung vollständig geltend machen?
Das ist nicht möglich. Der Bundesfinanzhof hat vor kurzem die Auffassung der Finanzverwaltung bestätigt, daß grundsätzlich nur Handwerkerleistungen berücksichtigt werden können, die in der Wohnung oder auf dem Grundstück erfolgen (BFH-Urteil vom 13. Mai 2020, Az. VI R 4/18). Wenn wie in Ihrem Fall ein Teil der Arbeiten in der Werkstatt erfolgte, muß eine Aufteilung erfolgen. Bitten Sie deshalb den Handwerker, die Aufteilung in seiner Rechnung genauso vorzunehmen, wie sie auch zwischen dem Arbeitslohn und dem Material erfolgen muß.

Mein Mann arbeitet als Berufskraftfahrer. Ist es richtig, daß er jetzt eine Übernachtungspauschale ansetzen kann?
Ja, ab dem Steuerjahr 2020 können Arbeitnehmer, die in ihrem Fahrzeug übernachten, eine Tagespauschale von 8 Euro geltend machen. Diese Pauschale wird bei mehrtägigen Fahrten mit Übernachtung für die Anzahl der Abwesenheitstage gewährt. Wenn jemand beispielsweise fünf Tage unterwegs war, erhält er die Pauschale für fünf Tage, obwohl er nur vier Übernachtungen hatte. Wichtig ist außerdem, daß die Übernachtungspauschale zusätzlich zu den Verpflegungspauschalen geltend gemacht werden kann. Diese sind ab 2020 deutlich erhöht. Bei ganztägiger Abwesenheit können 28 Euro als Werbungskosten berücksichtigt werden und für die An- und Abreisetage jeweils 14 Euro. Steuerfreie Arbeitgeberleistungen und gewährte Mahlzeiten des Arbeitgebers sind jedoch anzurechnen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie habe ich zu Hause gearbeitet. Wie kann ich das in der Steuererklärung angeben?
Sie müssen zunächst prüfen, ob Sie Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer geltend machen können. Dazu ist Voraussetzung, daß Sie einen separaten Raum haben, den Sie nahezu ausschließlich, d. h. zu mindestens 90 Prozent beruflich nutzen. Wenn Sie dann auch noch mehr als die Hälfte der Arbeitszeit – oder vielleicht sogar die gesamte Arbeitszeit – im Homeoffice geleistet haben, haben Sie dort ihren Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit und können deshalb die auf das Arbeitszimmer entfallenden Kosten ohne Obergrenze absetzen. Wenn diese Voraussetzung nicht das gesamte Jahr vorlag, weil Sie beispielsweise nach dem ersten Lockdown wieder im Betrieb gearbeitet haben, können Sie die Kosten für die entsprechenden Zeiträume im Homeoffice geltend machen.

Falls Sie kein abgeschlossenes Arbeitszimmer haben und beispielsweise in einem Durch-gangszimmer, in einer Arbeitsecke oder vielleicht sogar nur am Küchentisch gearbeitet haben, können Sie für jeden Tag Homeoffice 5 Euro geltend machen. Maximal werden 600 Euro berücksichtigt. Eine solche Regelung hatte der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine gemeinsam mit dem DGB bereits im Frühjahr 2020 gefordert. Wir freuen uns, daß diese Regelung nach langem Hin und Her Ende letzten Jahres mit dem Jahressteuergesetz beschlossen wurde. Die neue Regelung gilt für die Steuererklärungen 2020 und 2021. Voraussetzung ist, daß Sie an den entsprechenden Tagen ganztägig von Zuhause gearbeitet haben. Damit entfällt für diese Tage zwangsläufig die Entfernungspauschale für die Fahrt zum Betrieb. Mit der Homeoffice-Pauschale sollen alle Kosten abgegolten sein.

Unseres Erachtens kann das aber nicht für Arbeitsmittel und Telefon- oder Internetkosten gelten, die zusätzlich absetzbar sein müßten. Diese Kosten lassen sich ja nicht tageweise zuordnen und dürften bereits deshalb nicht unter die Homeoffice-Pauschale fallen.

Ich vermiete ein Einfamilienhaus. Kann ich die Steuererklärung trotzdem vom Lohnsteuerhilfeverein erstellen lassen?
Lohnsteuerhilfevereine haben Beratungsbefugnis, wenn Einkünfte als Arbeitnehmer, als Rentner oder Pensionär oder aus Unterhaltsleistungen vorliegen. Wenn zusätzlich Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung erzielt werden, dürfen Lohnsteuervereine ebenfalls beraten, wenn diese Einnahmen nicht mehr als 18.000 Euro im Jahr, bei Zusammenveranlagung 36.000 Euro betragen. Hierbei zählen die gesamten Mieteinnahmen, d. h. die Warmmiete. Eine weitere Voraussetzung ist allerdings, daß die Einnahmen nicht umsatzsteuerpflichtig sind. Wenn die Wohnung oder das Haus dauerhaft zu Wohnzwecken vermietet wird, sind die Voraussetzungen erfüllt.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen der neuen Förderung zur energetischen Sanierung und dem Steuerbonus für Handwerkerleistungen? Oder gibt es diesen nicht mehr?
Doch, die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen gilt weiterhin. Als maximale Steuerermäßigung werden hierbei 1.200 Euro gewährt. Bei 20 Prozent Steuerermäßigung wird der Höchstbetrag folglich bei 6.000 Euro Handwerkerkosten gewährt. Material wird hierbei nicht berücksichtigt und das ist bereits der erste Unterschied zum Steuerbonus für die energetische Sanierung. Außerdem werden hierbei Baukosten bis zu 200.000 Euro begünstigt, also wesentlich mehr als bei den Handwerkerleistungen. Begünstigt werden 20 Prozent der Aufwendungen mit einem Höchstbetrag von 40.000 Euro.

Damit die Steuerermäßigung auch tatsächlich zum Tragen kommt, wird sie auf drei Jahre verteilt. Anders als bei den Handwerkerleistungen werden bei den energetischen Sanierungen nur bestimmte Baukosten gefördert. Außerdem muß die Baufirma bestätigen, daß geforderte technische Standards eingehalten werden.

Für beide Steuerermäßigungen gleich gilt wiederum, daß keine zinsbegünstigten Darlehen oder andere öffentliche Förderungen vorliegen dürfen. Unabhängig von deren Höhe entfällt dann die steuerliche Förderung vollständig!

Ich war seit der Corona-Pandemie überwiegend zu Hause in Kurzarbeit. Muß ich jetzt eine große Steuernachzahlung fürchten?
Wahrscheinlich nicht. Auf jeden Fall müssen Arbeitnehmer, die Ersatzleistungen wie Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld oder auch Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz für die Betreuung ihrer Kinder aufgrund der Schließung von Kitas und Schulen erhalten haben, grundsätzlich eine Steuer-erklärung einreichen. Ob sich eine Steuernachzahlung ergibt, hängt vor allem davon ab, wie viel Lohnsteuer auf den normalen Lohn bereits einbehalten wurde. Wer monatsweise verkürzt gearbeitet und neben dem Lohn noch Kurzarbeitergeld bezogen hat, wird in der Regel Steuern nachzahlen müssen. Auf den verkürzten Lohn wurde zwangsläufig weniger Lohnsteuer berechnet. Weil das Kurzarbeitergeld, das selbst zwar steuerfrei bleibt, jedoch den Steuersatz für das normale Einkommen erhöht, reicht in diesen Fällen die Lohnsteuer meist nicht aus.

Anders sieht es dagegen aus, wenn monatsweise noch voll gearbeitet und in anderen Monaten ausschließlich Kurzarbeitergeld bezogen wurde. In diesen Fällen ergeben sich sehr häufig sogar Steuererstattungen.

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