Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Manager fürs Stromtanken

ADAC hat Ladesysteme für Gemeinschaftsanlagen getestet

Lange war es für Mieter und Wohnungseigentümer sehr schwer, eine Ladestation am eigenen Auto-Stellplatz zum Beispiel in der Tiefgarage installieren zu lassen. Doch mit der Modernisierung des Wohnungseigentumsgesetzes hat sich die Lage verändert. Wohnungseigentümer können jetzt die Genehmigung für den Einbau einer Ladevorrichtung verlangen. Auch für Mieter ist es durch Anpassungen im Mietrecht nun leichter, die Installation einer Wallbox durchzusetzen. Zudem unterstützt der Bund seit Herbst vergangenen Jahres Mieter, Eigenheimbesitzer und Vermieter finanziell beim Einbau privater Ladestationen (wir berichteten).

Das ist die eine Seite. Doch sind die technischen Voraussetzungen überall gegeben? Und besteht die Gefahr, daß das Stromnetz des Hauses überlastet wird, wenn mehrere Elektroautos in der Tiefgarage gleichzeitig aufgeladen werden? Ein intelligentes Last-management soll eine solche Überlastung verhindern. Angeboten werden dafür verschiedene Wallbox-Systeme (siehe Infokasten auf S. 14), die der ADAC jetzt erstmals in einer Studie untersucht hat.

Überlastung des Netzes kann vermieden werden
Das Ergebnis der Studie: Jedes untersuchte System hat Stärken und Schwächen. Alle Systeme hätten laut ADAC jedoch bewiesen, daß gleichzeitiges Laden mehrerer Elektroautos an einem Gebäudeanschluß möglich ist, ohne eine Überlastung zu riskieren. Verbesserungspotential sieht der ADAC vor allem hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit der Boxen.

Vor der Installation sei es jedoch dringend notwendig, den Stromverteilerkasten und die Kapazität des Hausanschlusses von erfahrenen Experten prüfen zu lassen. Diese ermitteln, wie viele Ladepunkte möglich sind, und ob die Leistung des Stromanschlusses durch den Netzbetreiber erhöht werden muß. Für die Auswahl des passenden Lastmanagement-Systems sowie die Installation, Konfiguration und Inbetriebnahme der Wallboxen sollten ebenso Fachbetriebe gewählt werden, die bereits Erfahrung mit diesem komplexen Thema haben.

Eine Wallbox kostet laut Studie zwischen 800 und 1.700 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die zentrale Steuerung (Controller), die zwischen 350 und 1.800 Euro liegen. Beim Leader-Follower-System ist die Steuerung bereits in einer Wallbox integriert.

Der Spezialfall Garagengemeinschaften
Theoretisch wären Wallboxen mit Lastmanagement auch eine Option für die vielen Garagengemeinschaften, die es vor allem im Osten Deutschlands gibt. Praktisch jedoch sind die technischen Voraussetzungen dort meist noch nicht gegeben. Oft sei die elektrotechnische Ausstattung der Garagenhöfe noch auf dem Stand der 1970er Jahre, berichtet Reiner Wolgem, VDGN-Mitglied und Elektromeister aus Wittstock, aus seinen Erfahrungen: „Pro Garagenkomplex gibt es in der Regel nur einen Hauptzähler, die einzelnen Garagen haben jeweils einen Unterzähler. Und das Leitungsnetz mit Aluminium-Kabel ist nur für kleine Anschlußleistungen bis etwa 2 kW ausgelegt.“

Damit fehlen die elektro- und abrechnungstechnischen Voraussetzungen für den Anschluß von eigenen Wallboxen. Und die Installation eines neuen separaten Elektroanschlusses wäre für den einzelnen Garagennutzer ein viel zu hoher Investitionsaufwand.

Umso mehr ist es wichtig, für die Garagenkomplexe, in denen tausende von Autos abgestellt werden, gemeinsam mit den Kommunen und den Energieversorgern innovative und praktikable Lösungen zu finden – wie zum Beispiel die Installation von Ladesäulen, die mit Solarstrom von den Dächern der vielen Garagen gespeist werden. Überlegenswert ist auch die Variante, daß auf einem Garagenhof zentral eine oder mehrere Wallboxen für alle E-Autos angeboten werden. In jedem Fall müssen praktikable Lösungen für die Abrechnung gefunden werden. Der Sonderfall der Garagengemeinschaften muß endlich auch bei den Fördermodellen bedacht werden.

Hagen Ludwig

Weitere Infos unter adac.de/wallbox-studie

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