Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Im Land der Parks und Gärten

Zwischen Südbrandenburg und Sachsen ist ein einzigartiger Schatz zu finden

Pyramide im Tumulussee im Branitzer Park in Cottbus
Pyramide im Tumulussee im Branitzer Park in Cottbus Foto: SFPM / Andreas Franke

Ein Gutes hat die Krise: Sie öffnet den Blick für die Dinge vor unserer Haustür. Nehmen wir den tiefen Osten der Republik, zwischen Südbrandenburg und Sachsen: für manche nicht mehr als Kohlengruben- und Industriebrachen-Landschaft, umgeben von dunklen Wolfswäldern. Trist und rauh, melancholisch. – Ja, so ist die Gegend auch. Gerhard Gundermann, der Poet und Baggerfahrer aus Hoyerswerda, konnte davon nicht nur ein Lied singen.

Doch hat der Landstrich zusammen mit der polnischen Nachbarregion einen Schatz zu bieten, der auf dem europäischen Kontinent seinesgleichen sucht: Hunderte Gärten und Parks mit Schlössern und Herrenhäusern verweisen auf eine lange gemeinsame Kulturgeschichte und sind mit so großen Namen verbunden, wie Fürst Pückler, Peter Joseph Lenné und Karl Friedrich Schinkel.

Viele dieser Anlagen entdeckte man erst in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten neu, richtete sie auch mit Hilfe überlieferter Unterlagen wieder her. Von den Dimensionen bekommt eine Ahnung, wer den Muskauer Park / Park Muzakowski beiderseits der Neiße besucht. Auf 830 Hektar Gesamtfläche breitet er sich aus, mit 50 Kilometer Wegen.

Gestern Wildnis, heute Grandezza
Als der Garten- und Landschaftsarchitekt Cord Panning 1995 erstmals nach Muskau kam, fand er Schloß, Remise und Vorwerk auf deutscher Seite in einem verfallenen Zustand vor. Und auf polnischer Seite war der von Pückler nach englischem Vorbild geschaffene Landschaftspark eine einzige Wildnis, erinnert sich der aus der Lüneburger Heide stammende 60jährige. Als Parkdirektor wirkt er nun seit mehr als zwanzig Jahren maßgeblich mit an der länderübergreifenden Sanierung und Weiterentwicklung.

Heute erleben Besucher eine harmonische Anlage, von der UNESCO als Welterbe anerkannt. Die vom legendären grünen Fürsten einst angelegten romantisch-verschlungenen Wege sind wieder da, die alten Sichtachsen, zwei Brücken über die Neiße und Steinbänke nach historischem Vorbild. Neben schönen alten Bäumen Blumen und Sträu-cher. Das Schloß, die Orangerie und andere restaurierte Bauten setzen architektonische Reize inmitten üppiger Vegetation.

Panning schwärmt von den Höhenwegen auf den sogenannten Terrassenkanten: „Von da oben entfaltet sich eine Grandezza und Monumentalität, die man dem Park nicht zutraut, wenn man nur vor dem Schloß steht. Das gibt es sonst nirgendwo in Kontinental-europa, daß der Park hinausgreift in die Landschaft in so gewaltiger Dimension.“

Blütenmeer in Violett und Gelb
Nicht weit vom Muskauer Park entfernt, doch nicht in seinem Schatten: der Rhododendronpark in Kromlau mit der für ihre einzigartige Bauweise bekannten und gerade sanierten Rakotzbrücke (voraussichtlich ab Pfingsten wieder zugänglich). Spiegelt sich die 1882 aus Basalt- und Feldsteinen erbaute Bogenbrücke bei richtigem Licht im Wasser des Rakotzsees, sehen Betrachter einen vollen Kreis.

Besonders im Frühling, wenn sich Abertausende violetter und roséfarbener Rhododendron- sowie gelber Azaleenblüten öffnen, ist der Besuch des 200 Hektar großen Parks ein Erlebnis. Auch zu jeder anderen Jahreszeit lädt die 1844 erbaute Anlage zum Spazieren ein.

Zwei Stile harmonisch vereint
Barockgarten nach französischem Vorbild und Landschaftspark im englischen Stil – beides vereint finden Parkliebhaber in dem kleinen Ort Neschwitz unweit von Bautzen und am Rande des Biosphärenreservats „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“.

1721 war in Neschwitz für die Reichsfürstin von Teschen, die polnische Mätresse von August dem Starken, eine Sommerresidenz mit Schloß, streng geometrisch angelegten Wegen und Alleen geschaffen worden. Der spätere Besitzer ließ diesen Park von dem Architekten Krubsacius erweitern, der das Vorhandene kunstvoll mit Neuem verband, jede Symmetrie vermied, geschwungene Wege und große Wasserflächen anlegte.

Traum von der idealisierten Natur
Mit dem Park Branitz in Cottbus schuf Pückler sein Alterswerk. Berühmt sind die zwei begrünten Erdpyramiden, die an seine Orientreise erinnern und von denen die größere als seine Grabstätte dient. Der Gartenkünstler ließ viel Erde bewegen, Wasserläufe und Seen künstlich anlegen, setzte Solitärgewächse und Baumgruppen so in die Landschaft, daß sie seinen Vorstellungen von einer idealisierten Natur genügten.

Der 620 Hektar große Park mit dem Schloß und den weithin sichtbaren Pyramiden soll bis 2028 mit Mitteln des Bundes saniert und weiterentwickelt werden. Auch die 1853 von Pückler gegründete Branitzer Baumuniversität wird gefördert: In ihr werden Gehölze herangezogen, die veränderten klimatischen Verhältnissen trotzen.

Kerstin Große

Mehr Information: www.parkverbund.eu

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