Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Digitale Diagnose

Wenn Arzt und Patient am Bildschirm kommunizieren

Am 19. Dezember 2019 ist das „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ (Digitale-Versorgung-Gesetz – DVG) in Kraft getreten. Damit bietet sich auch die Chance, mit Hilfe digitaler – sogenannter telemedizinischen – Anwendungen die Kommunikation, Koordination und Kooperation im Gesundheitswesen zu verbessern. So können viele Patienten durch die Behandlungstermine ergänzende Videosprechstunden von ihrem Arzt enger begleitet und unterstützt werden.

Spätestens seit dem deutschlandweiten Ausbruch des COVID19-Virus und dem damit verbundenen Ausnahmezustand in den Arztpraxen überzeugen die Vorteile der Videosprechstunde mehr und mehr Ärzte und Patienten. Besondere Corona-Regelungen erlauben es Medizinern, mehr solcher digitaler Visiten durchzuführen, und auch deren Vergütung ist mit Vor-Ort-Kontakten vergleichbar.

Vorteile aus Patienten-Perspektive
• Der Anfahrtsweg und die Wartezeit in der Praxis entfallen.

• Keine Angst vor einer möglichen Ansteckung im Wartezimmer.

• Ein digitaler Arztbesuch läßt sich leichter in den Alltag integrieren.

• Man muß nicht mehr bei jedem Anliegen extra eine Arztpraxis aufsuchen (z. B. um ein Rezept ausstellen zu lassen).

Die Videosprechstunde bietet also eine große Erleichterung, besonders für chronisch Kranke, die häufig zum Arzt müssen, für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen und Eltern, die kleine Kinder betreuen, sowie für Patienten im ländlichen Raum.

Vorteile für die Ärzte
Sie können ihren Patienten (z. B. nach einer OP) die weitere Behandlung am Bildschirm erläutern oder den Heilungsprozeß einer chronischen Wunde begutachten. Befunde oder Schmerztagebücher können mit dem Patienten besprochen werden. Auch die Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer medizinischer Berufe wird erleichtert. Beispielsweise kann der Arzt den Patienten während einer physiotherapeutischen Behandlung kontaktieren, um gemeinsam mit ihm und dem Therapeuten die weitere Therapie festzulegen.

Mittlerweile kann auch eine Psychotherapie im Rahmen von Videosprechstunden erbracht und abgerechnet werden (mit Ausnahme von Behandlungen in akuten Krisen).

Datensicherheit und Qualität
Der Arzt muß einen Videodienstanbieter auswählen, der die Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit personenbezogener Daten sowie Sicherheit und Datenschutz seines Dienstes durch entsprechende Zertifikate nachgewiesen hat (ausgestellt z. B. vom Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik).

Anforderungen an Anbieter
• Die Videosprechstunde muß während der gesamten Übertragung End-zu-End ver- schlüsselt sein.

• Idealerweise erfolgt die Kommunikation

nicht über einen Server, sondern direkt von einem Computer zu einem anderen Computer.

• Die Videodienstanbieter dürfen nur Server in der EU nutzen.

• Sämtliche Inhalte dürfen durch den Anbieter weder eingesehen noch gespeichert werden. Die Weitergabe der Daten ist untersagt.

• Und: Die Sprechstunde muß frei von Wer- bung jeglicher Art sein!

Weitere Voraussetzungen
• Der Patient muß in die Teilnahme einwilligen.

• Patienten müssen die Videosprechstunde nutzen können, ohne sich beim Videodienstanbieter registrieren / einen Account anlegen zu müssen.

• Es sollte (seitens der Arztpraxis) gewähr-leistet werden, daß die Videosprechstunde vertraulich und störungsfrei verlaufen kann.

• Die Sprechstunde darf nicht aufgezeichnet werden, auch nicht vom Patienten selbst.

Technische Anforderungen
Arzt und Patient benötigen Tablet bzw. Mobiltelefon oder einen Computer, ausgestattet mit Bildschirm, Kamera, Mikrofon und Lautsprecher, sowie eine Internetverbindung. Für die Arztpraxis muß die Internetgeschwidigkeit mindestens 2.000 kbit/s im Download betragen, der Bildschirm/das Display soll mindestens 3 Zoll in der Diagonale messen und die Kamera soll eine Auflösung von mindestens 640 x 480 Pixeln haben.

Ablauf
• Nachdem die Einwilligungserklärung zum Datenschutz beim Arzt oder in der Arztpraxis unterschrieben ist, erhält der Patient per

•-Mail und/oder SMS einen Termin für die Videosprechstunde und einen Link.

• Vorbereitung: Wenn der Termin ansteht, sollte der Patient prüfen, ob die Beleuchtung paßt, das Endgerät betriebsbereit/ geladen ist und eine Internetverbindung steht.

• Über den Link, den der Arzt zugeschickt hat, wählt man sich beim Videodienstanbieter ein.

• Je nach Anbieter wird der Patient dann di-rekt zum bereits wartenden Arzt oder Therapeuten geschaltet; oder er wartet im „virtuellen Wartezimmer“, bis man ihn ins „Online-Sprechzimmer“ holt.

• Die Videosprechstunde selbst läuft ähnlich wie das Gespräch in der Praxis ab. Ist sie beendet, meldet man sich von der Internetseite ab.

Sandra Halfpaap

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