Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Der aktuelle Wille zählt“

Die Patientenverfügung in Corona-Zeiten / Interview

Meike Steiner ist Fachanwältin für Sozialrecht in Berlin-Friedrichshagen und Mitglied der Pflegefachgruppe des VDGN  Foto: Pixoom/ M. Steiner
Meike Steiner ist Fachanwältin für Sozialrecht in Berlin-Friedrichshagen und Mitglied der Pflegefachgruppe des VDGN Foto: Pixoom/ M. Steiner

Von Menschen, die schwer an Corona erkranken und beatmet werden müssen, ist in den Medien jetzt häufig die Rede. Hin und wieder wird empfohlen, man möge seine Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung überprüfen, ob dort für den Ernstfall alles so geregelt ist, wie man das möchte.

Wir fragten dazu die Fachanwältin für Sozialrecht und Anwältin für Medizinrecht Meike Steiner aus Berlin-Friedrichshagen.

Die Corona-Krise wirft neue Fragen zu Patientenverfügungen auf, z. B., wenn in dem Dokument eine Beatmung ausgeschlossen ist. Begegnen Ihnen solche Fragen in Ihrer Berufspraxis jetzt häufiger?
Nein, das ist noch nicht vorgekommen. Eher suchen Menschen Rat, wie sie jetzt in Corona-Zeiten mit plötzlich auftauchenden Forderungen der Sozialversicherungsträger umgehen oder wie sie die Weiterzahlung des Arbeitslosengeldes durchsetzen können.

Doch die Frage, ob man in einer lebensbedrohlichen Situation eine Beatmung wünscht, ist nicht nur im Falle einer schweren Corona-Erkrankung relevant und zentral. Was dazu in der Patientenverfügung stehen soll, sollte man keinesfalls ad hoc entscheiden. Meinen Mandanten gebe ich dafür verschiedene Formulierungsvorschläge an die Hand, die sie zu Hause überdenken und mit ihrer Familie – oder auch ihrem Arzt des Vertrauens – besprechen können.

Im Falle einer schweren Corona-Erkrankung kann Beatmung Leben retten, wie wir aus Medienberichten wissen. Wonach richten sich Ärzte bei der Behandlung, wenn eine Patientenverfügung vorliegt, die Beatmung ausschließt?
Grundsätzlich zählt immer der aktuelle, geäußerte Wille des Patienten! Wer ansprechbar ist, und das sind Menschen, die positiv auf Covid19 getestet wurden, in der Regel, sollte dem Arzt seinen Willen hinsichtlich der weiteren Behandlung unbedingt kundtun.

Erst wenn ein Patient nicht mehr in der Lage ist, sich zu äußern, gilt das, was in der Vorsorgevollmacht und der Patientenverfügung steht. Die dort bevollmächtigten Angehörigen, oft sind es die Partner und Kinder, entscheiden dann in der Regel zusammen mit den Ärzten, wie die weitere medizinische Behandlung aussehen soll.

Kann man diese Dokumente einfach ändern? Wie macht man das richtig?
Selbstverständlich kann derjenige, der die Vollmacht erteilt hat, diese jederzeit ändern oder auch neu erstellen. Ein Anwalt oder Notar kann einem die Arbeit abnehmen, ist aber nicht zwingend notwendig.

Wer also zum Beispiel im Falle einer Corona- oder auch einer anderen Erkrankung eine Beatmung ausdrücklich wünscht, kann dies selbst formulieren, beispielsweise als Ergänzung einer bereits bestehenden Patientenverfügung. Darunter müssen unbedingt der Ort, das Datum sowie die eigene Unterschrift stehen.

Eine Kopie dieser Ergänzungsverfügung sollte jeder bevollmächtigten Person ausgehändigt bzw. der Vollmacht angeheftet werden.

Wo sollte man Dokumente wie die Vorsorgevollmacht und die Patientenverfügung am besten aufbewahren, und wer sollte davon wissen?
Grundsätzlich sollten alle Vollmachtnehmer ein Exemplar der Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung erhalten.

Zusätzlich sollte man alle wichtigen Dokumente in einem Notfall-Ordner an einem Ort aufbewahren, den die Vollmachtnehmer kennen. In dem Ordner sollten auch die Krankenversicherungs-Nummer und eine Bankvollmacht hinterlegt sein.

Interview: Kerstin Große

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