Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Arztbesuch im Netz

Brandenburg/Havel: Videosprechstunde bei Mario Zerbaum noch wenig gefragt

Mario Zerbaum
Der Allgemeinmediziner Mario Zerbaum und seine Kolleginnen bieten schon seit 2018 die virtuelle Sprechstunde an. In der Zweigstelle auf dem Land setzt die schlechte Internetverbindung Grenzen
Foto: Praxis Zerbaum

Der Zugang zu einer Videosprechstunde mit Dr. Mario Zerbaum ist denkbar einfach: Auf der Internetseite seiner Hausarztpraxis in Brandenburg an der Havel reichen ein paar Klicks, um sich zu einer Online-Konsultation nach vorher vereinbartem Termin einzuwählen.

Ein Test für das Gespräch zu diesem Beitrag hat nur leider deshalb nicht funktioniert, weil die Autorin keine Patientin der Praxis ist. Wer sich dort jedoch einmal persönlich vorgestellt hat, kann vom heimischen Sofa aus mit Dr. Zerbaum oder einer seiner Kolleginnen ganz bequem in Verbindung treten.

Schon seit Mitte 2018 bietet der Allgemeinmediziner die Fernsprechstunden an. Dafür sind lediglich ein Computer mit Kamera und Mikrofon sowie eine gute Internetverbindung nötig. Doch die Resonanz blieb bislang eher verhalten. Auf die Frage, wie die Möglichkeit genutzt wird, antwortet Dr. Zerbaum: „Wenig bis sehr wenig.“ Den Anteil seiner Patientinnen und Patienten, die ihn auf digitalem Wege konsultieren, schätzt der 39-Jährige auf ein bis zwei Prozent. Das habe sich während der Corona-Krise nicht wesentlich geändert, auch wenn sich verstärkt Patienten über das Internet an ihn wandten, die direkt nach dem Kontakt zu einem Infizierten unsicher waren, ob sie sich angesteckt hätten.

Unter denen, die inzwischen seine Videosprechstunde besuchen, seien sowohl jüngere Leute als auch Senioren über 70. Die Gründe, weshalb die moderne Form der Arztkonsultation noch wenig in Anspruch genommen wird, sind offenbar vielschichtig. „Mancher ist einfach nicht darüber informiert“, sagt Dr. Zerbaum. Andere haben Scheu, sich auf etwas Neues einzulassen. Gewohnheiten spielten zweifellos eine Rolle: Viele kommen nach wie vor lieber in die Praxis.

Nicht selten scheitert der Arztbesuch im Netz an einer schlechten Internetverbindung. Der Mediziner aus Brandenburg hat eine Zweigstelle in Buschow und kennt die technischen Grenzen nur allzu gut. Die Leitung in dem kleinen Ort – etwa 40 Kilometer Luftlinie von der Landeshauptstadt Potsdam entfernt – reicht für Internettelefonie, einfaches Surfen oder das Abrufen von E-Mails, allerdings kaum für schnellen Datentransfer oder gar für eine störungsfreie Videokonferenz.

Ob sich eine Online-Sprechstunde wirklich anbietet, hängt freilich vom gesundheitlichen Problem ab. Bei Wunden ist Ferndiagnose meist schlecht möglich. Klagt jemand über Bauchschmerzen, sollte er wohl besser abgetastet werden. „In vielen Fällen kommt man jedoch mit einer Anamnese zurecht, zum Beispiel bei Erkältungssymptomen“, findet Mario Zerbaum. Über den Monitor bekommt der Arzt durchaus ein gutes Bild, wie es einem Patienten oder einer Patientin geht, denn Körperhaltung oder Mimik sagen viel aus.

Auch zur Kontrolle von Behandlungsverläufen eignet sich ein Gespräch am Bildschirm, für die Auswertung von Befunden dagegen nur bedingt. „Eine Videosprechstunde kann den persönlichen Kontakt zum Patienten nie ganz ersetzen", sagt Dr. Zerbaum. „Sie ist ein zusätzliches Angebot, eine Dienstleistung und kann einiges vereinfachen, wenn sie vernünftig eingesetzt wird.“ In der Praxis am Brandenburger Molkenmarkt läuft bereits viel digital: Termine können online gebucht, Rezepte über einen Link auf der Internetseite angefordert werden. Die Pandemie wird die Digitalisierung im Gesundheitswesen wohl weiter befördern. „Das ist genau die Richtung, in die es geht“, ist der Hausarzt überzeugt.

Anett Böttger

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