Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Kleingärten erleben Boom

Nachfrage vor allem junger Familien stieg während der Corona-Krise an

Kinderschaukel im Kleingarten
Foto: Rainer Große

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Aufenthaltsdauer in Grünflächen und Parks laut Google-Bewegungsdaten etwa in Bremen um 76 Prozent zugenommen. Aber nicht nur diese Orte sind beliebter denn je. Auch Kleingärten erleben in der Corona-Krise einen regelrechten Boom als Zufluchtsort in Zeiten von Kontaktbeschränkungen, Reiseverbot und geschlossenen Sportstätten. Bereits in den vergangenen Jahren stieg die Nachfrage nach dem Stadtgrün quer durch alle Bevölkerungsschichten, vor allem bei jungen Familien. Die Wartelisten für eine eigene Scholle in Großstädten waren lang.

Seit wenigen Wochen hat sich das Interesse an Kleingärten nochmals deutlich erhöht. Bei Roland Bald vom Verein der Gartenfreunde in Schwelm bei Wuppertal in Nordrhein-Westfalen steht seit der Corona-Krise das Telefon nicht mehr still.

Der Vorsitzende des Vereins erhält täglich mindestens zwei Anrufe vornehmlich von jungen Familien, die Interesse an einer der insgesamt 102 Parzellen haben. Diese Nachfrage konnte Roland Bald jedoch schon vorher nicht abdecken. Jetzt erst recht nicht mehr. Er hofft aber, daß sich die Situation bald wieder entspannt.

Diese Entwicklung ist im ganzen Bundesgebiet zu beobachten. Im Norden wie im Süden, im Westen wie im Osten, beispielsweise in Halberstadt in Sachsen-Anhalt. Beim Verein „Am Assebach“ waren der März, vor allem aber der April sehr schwierig, so Vorstand Frank Brehmer. „Bisher hatten wir vorher immer bis zu zwei Anfragen pro Monat. Während der Corona-Zeit hat sich diese Zahl aber auf bis zu acht Anfragen vervierfacht“, berichtet Frank Brehmer. Auch hier sind wie in anderen Teilen der Republik viele junge Familien mit Kindern dabei. Meistens so 25 bis 30 Jahre jung, berichtet Frank Brehmer weiter.

Nachdem die Beschränkungen teils aufgehoben worden sind, hat sich dieser Trend etwas abgeschwächt. Dennoch bleiben Kleingärten die ideale Alternative gerade für Familien mit Kindern in Großstädten, die oftmals in einer Wohnung ohne Terrasse, Balkon oder öffentlichen Park vor der Haustür leben.

Nicht für alle erfüllt sich dieser Traum. Für diejenigen, die sich aber vor und nach Corona für ein grünes Paradies entscheiden und den Zuschlag für eine Parzelle erhalten, steht das grüne Glück offen, häufig mit einem Grillpatz, Hochbeeten und Gewächshäusern.

Kleingärten können also die ideale Alternative sein, wenn statt der recht starren Vorschriften zum Obst- und Gemüseanbau die Erholung und die ökologische Funktion der Gärten gesetzlich in den Vordergrund gestellt werden. Einschränkungen durch das Bundeskleingartengesetz haben bisher vor allem jüngere Menschen abgeschreckt. Durch die strengen Regelungen, die den Pächtern damit auferlegt werden, wandelt sich die Freude über den Kleingarten oft schnell in Frust um. Eine Laube mit maximal 24 Quadratmetern Grundfläche, ohne Wasser- und Stromanschluß und mit Übernachtungsverbot ist familienunfreundlich und hat sich in Corona-Zeiten definitiv überlebt. Strom, Wasser, ökologische Abwasserbehandlung müssen Standard werden und die Drangsalierung von Kleingärtnern wegen Laubenrückbaues und Wohnverbotes muß ein Ende finden.

Das Bundeskleingartengesetz muß daher geändert werden. Denn Kleingärten tragen zur körperlichen und psychischen Gesundheit bei. Und ebenfalls zu einem gesunden Klima in Ballungszentren.

Frank Hufnagel

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