Verband Deutscher Grundstücksnutzer

In der Holz-Manufaktur

Firmenporträt: Tischlerei fertigt Fenster und Türen nach historischem Vorbild, für heutige Ansprüche

Johannes Richter (l.) und Peter Dörnert in der Bernauer Werkstatt Foto: Kerstin Große
Johannes Richter (l.) und Peter Dörnert in der Bernauer Werkstatt
Foto: Kerstin Große

Überall stehen alte Holzfenster und -türen herum. Die Männer in der Werkstatt der Tischlerei Fritz Schulz retten sie vor dem Verfall. Ist es dafür zu spät, fertigen sie neue nach historischem Vorbild.

1997 war die Manufaktur-Tischlerei gegründet worden, und fast so lange ist der gelernte Tischler und Holzmöbelrestaurator Peter Dörnert schon mit ihr verbunden. Verwitterten Holzbauteilen ihre Schönheit zurückzugeben, das findet er besonders reizvoll an seiner Arbeit: „Die Alten haben sich viel dabei gedacht. Das sollte bewahrt werden. – Wer will schon ein künstliches Disneyland?“

Dieser Anspruch hat es in sich. Kein Auftrag ist für die 25 Mitarbeiter wie der andere, Überraschungen inklusive. Mal sind über Jahrzehnte vernachlässigte Holzfenster kaum zu retten, ein andermal müssen nicht wiederverwendbare Metallbeschläge nachgebaut werden.

Dazu kommt die Gratwanderung zwischen historisch getreuer Herstellung und moderner Funktion. Dörnert: „Wir statten die Holzbauteile mit allen Annehmlichkeiten aus, die heute nicht mehr wegzudenken sind, wie Mehrfachverglasung, leicht gängige Schließmechanismen und Sicherheitstechnik.“ Dabei könne die Tischlerei auf sehr erfahrene Kräfte zurückgreifen, die alle Arbeitsschritte von der digitalen Planung bis zur praktischen Umsetzung beherrschen.

„Ein Glücksfall“, betont auch Johannes Richter, 34, stellvertretender Geschäftsführer des Unternehmens mit Sitz in Berlin und der Werkstatt in Bernau. „Dazu kommt, daß wir maschinell bestens ausgestattet sind und eng mit anderen Firmen und verwandten Gewerken kooperieren.“

Bisher arbeitete die Tischlerei vor allem für öffentliche Auftraggeber aus Berlin und Potsdam, wirkte mit bei zahlreichen Sanierungsprojekten denkmalgeschützter Gebäude. Ihre Spuren hinterließen sie an so bedeutenden Berliner Bauwerken wie dem Deutschen Historischen Museum, dem Bodemuseum sowie am Schloß Bellevue. Aber auch alten Schulgebäuden, wie zur Zeit dem Lessing-Gymnasium in der Hauptstadt, verhelfen sie zu neuer Schönheit.

Weniger spektakulär, dennoch anspruchsvoll war die Restaurierung der „ältesten Gartenlaube Berlins“ vor 15 Jahren, bei der Peter Dörnert mitarbeitete. Heute hat das 125 Jahre alte Holzhaus eine erneute Überholung nötig. Dabei rechnet man wieder mit dem erfahrenen Handwerker.

Seit kurzem ist die Tischlerei Fritz Schulz Mitglied im VDGN-Unternehmenspool. Privatkunden will sie sich mehr und mehr öffnen. Johannes Richter: „Wer ein älteres Haus sein eigen nennt, der hat in der Regel auch Holzbauteile, die repariert oder aufgearbeitet werden müßten. Da sind wir ein guter Partner“, verspricht er.

Die Tischler stellen außerdem völlig neue Kastendoppelfenster nach historischem Vorbild her, Isolierglasfenster mit Holzwassernase, Türen mit Schall-, Rauch- oder Klimaschutz. Auch die Wartung und Reparatur von Fenstern und Türen aller Art, von Glas, Beschlägen, Dichtungen und Rolläden liege bei dem Handwerksbetrieb in guten Händen, erklärt der stellvertretende Geschäftsführer.

Einbruchschutz sei ein weiteres Thema für die Firma. „Wir beraten Hausbesitzer vor Ort zu einbruchhemmenden Maßnahmen, wie etwa dem Einbau extra ausgerüsteter Türen und Fenster, von einbruchhemmenden Beschlägen, Verriegelungen, Vergitterungen oder Verglasungen.“

Der Baustoff Holz ist wieder beliebt. Zunehmend setzten Bauherren darauf, obwohl Fenster und Türen in der Anschaffung teurer und in der Pflege aufwendiger sind, wie Johannes Richter einräumt. Ihre Manufaktur-Tischlerei besetze eine Nische, aber eine mit Zukunft.

Kerstin Große

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