Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Wir wollen es aus eigener Kraft schaffen“

Corona zwingt auch Pool-Firmen in die Knie – sie stemmen sich dagegen

Wohl fast jede der Firmen des VDGN-Unternehmenspools ist von der Corona-Krise betroffen. Wie sie mit den Beschränkungen zurechtkommen, ob sie Hilfsangebote von Bund und Ländern nutzen und wie sie ihre Zukunft sehen, das fragten wir im April einige Unternehmen. Die Antworten sind nicht repräsentativ, weisen aber darauf hin, daß die Lage ernst ist – nicht nur für sie.

„Torschlußpanik hilft uns nicht weiter!“ Das erklärt Lars Olbrich, Chef des Berliner Autohauses Olbrich & Söhne. Zum Glück sei das Unternehmen wirtschaftlich gut aufgestellt gewesen, als die Pandemie ausbrach. Er habe Verständnis für die weitreichenden Einschränkungen und wolle seine 18 Mitarbeiter, darunter viele ältere, langjährige, bestmöglich vor einer Infektionsgefahr schützen. Deshalb werde auch nach den angekündigten Lockerungen genau auf die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln achtgegeben.

Stau in Zulassungsstelle
Die geschäftliche Flaute ist allerdings deutlich spürbar: „Die Kunden überlegen jetzt genau, wofür sie ihr Geld ausgeben.“ Bereits abgeschlossene Kaufverträge haben sie in den vergangenen Wochen noch abgewickelt. Berliner Ämter erwiesen sich dabei als Bremsklotz, beklagt sich Lars Olbrich: „Die Kfz-Zulassungsstelle kommt nicht hinterher. Da vergehen zur Zeit viele Wochen, bis eine dringend benötigte Zulassung erteilt wird. Das bedeutet, wir können die bestellten und gelieferten Autos nicht an die Kunden übergeben. So geraten wir zunehmend in eine finanzielle Schieflage.“

In der angeschlossenen Werkstatt seien die Mitarbeiter weiter beschäftigt, obgleich viele Privatkunden Inspektions-Aufträge verschöben: „Wir inspizieren und reparieren hier jedoch auch eine Reihe von Fahrzeugen für systemrelevante Berufsgruppen, wie Polizei, Krankentransport und ambulante Pflegedienste“, erklärt Lars Olbrich.

Von Kreditangeboten, wie sie Bund und Land beschlossen haben, will der Unternehmenschef derzeit die Finger lassen: „Das Geld muß ja irgendwann zurückgezahlt werden.“ Von der Politik erwarte er aber, „daß sie den Verzicht, den sie jetzt predigt, auch selbst übt“. Und weiter: „Eine große Hilfe wäre es schon, wenn Berliner Behörden, einschließlich der Zulassungsstelle, so arbeiteten, wie man es erwarten darf. “

Er will es vermeiden, für seine Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden zu müssen. Seine zwei Azubis sollen ihren Abschluß im Autohaus machen können. „Mit Plus-Minus-Null aus der Krise und diesem Jahr 2020 herauszukommen“, das wünscht sich der Chef des über 65 Jahre bestehenden Unternehmens und tut, was in seiner Macht steht.

Auftragsflaute bei Malern
Die Woelk Malerei in Berlin-Mahlsdorf gehört ebenfalls zu den langjährigen Mitgliedern des VDGN-Firmenpools. Kaum hatte Malermeister Christian Schaar die Geschäfte vom Vater übernommen, war er mit der Extrem-Situation einer Pandemie konfrontiert.

Der Handwerksbetrieb in dritter Generation hat auch früher schon Krisen gemeistert. Doch diese Herausforderung ist einmalig. „Kurz nach Einsetzen der Kontaktsperre verschoben Kunden ihre Aufträge oder sagten sie ganz ab“, berichtet Christian Schaar. – Was den Malermeister nicht verwundert, da die Situation für alle neu und unsicher sei. Zwar durfte auch dieser Handwerksbetrieb von Anfang an weiter arbeiten. Doch einige haben wohl die Sorge, einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt zu sein, wenn Maler im Haus oder der Wohnung sind. So ließ auch die Nachfrage für neue Angebote merklich nach.

Nach den Hilfsangeboten von Bund und Land gefragt, erklärt der Firmenchef: „Sie kommen für uns zur Zeit weniger in Frage, da es die Soforthilfen für Firmen in Berlin nur für bis zu 10 oder ab 259 Angestellte gibt.

Woelk hat aber 13 Angestellte. Auf Kredite wollen wir, so lange es geht, verzichten.“ Kurzarbeit sei nicht auszuschließen, momentan aber noch nicht notwendig. Christian Schaar erhofft sich eine „Abschwächung der Ansteckungen und Lockerung der Maßnahmen, wie Kontaktsperre“.

Bei den Späthschen Baumschulen sollte 2020 das 300. Jahr des Bestehens dieses traditionsreichen Berliner Unternehmens mit Veranstaltungen gefeiert werden. Nun ist erstmal alles abgesagt. „Wir haben aber noch die Hoffnung, unser Jubiläum am 19. und 20. September feiern zu können“, betont Geschäftsführer Holger Zahn.

Das Geschäft in Berlin-Baumschulenweg laufe, je nach Bereich, hervorragend bis gar nicht: Als Großhändler für Pflanzen und Gartenbedarf mache man gerade sehr gute Umsätze, berichtet Zahn, „die Endkunden wollen sich ja irgendwie in ihren Gärten beschäftigen, wenn sie aus dem Homeoffice kommen oder ihnen Kurzarbeit verordnet wurde. Aber darüber kann ich mich nicht richtig freuen.“

Servierer gärtnern jetzt
Das beliebte Hofcafé und andere Gastronomieangebote auf dem Gelände mußten hingegen schließen. Um die dort Beschäftigten nicht entlassen zu müssen, werden sie nun – soweit möglich – für gärtnerische Arbeiten eingesetzt, beispielsweise beim Topfen von Jungpflanzen oder um bei Pflanzarbeiten im Freien zu helfen. „So können wir alle saisonal notwendigen Arbeiten gut erledigen“, erklärt Holger Zahn seinen unkonventionellen Ansatz, der ohne Flexibilität bei den Mitarbeitern undenkbar ist.

Wie lange das gut geht, weiß keiner so genau. Der Gartenbauingenieur und Geschäftsführer, der nach der Obstgärtnerlehre in Werder/ Havel 1987 bei Späth als Ausbilder begann, will nicht ausschließen, daß irgendwann doch Kurzarbeit angemeldet werden muß. Er vergleicht die gegenwärtigen Geschäftszahlen ständig mit denen der Jahre 2018 und 2019, „um rechtzeitig gegensteuern zu können“. Soforthilfe gäbe es für sie als mittelständisches Unternehmen nicht, und von Krediten hält er wie die anderen befragten Pool-Unternehmen nicht viel – „zumal wir bereits Kreditverpflichtungen haben. Wir wollen es aus eigener Kraft schaffen!“

Kerstin Große

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