Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Ohne Garantie

Tesla-Werk Grünheide: Bei Wasser und Abwasser angeblich alles klar

Ein Ausschnitt des riesigen für das TESLA-Werk gerodeten Geländes, aufgenommen im April 2020 Foto: Rainer Große
Ein Ausschnitt des riesigen für das TESLA-Werk gerodeten Geländes, aufgenommen im April 2020 Foto: Rainer Große

Eine Garantieerklärung will das Land Brandenburg nicht geben. Anfang Februar 2020 hatte der VDGN von der Brandenburger Landesregierung eine solche gefordert, um sicherzustellen, daß die Bürger nicht zur Kasse gebeten werden, wenn für die Ansiedlung der Tesla-Fabrik in Grünheide umfangreiche Investitionen in die Wasserversorgung und die Abwasserbehandlung getätigt werden müssen. Den Brief, den Peter Ohm, 1. Vizepräsident des VDGN, dazu an Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) schrieb, beantwortete „zuständigkeitshalber“ ein Abteilungsleiter des Landwirtschaftsministeriums mit dem Hinweis, man sehe keinen Ansatzpunkt, auf die Gebührengestaltung des zuständigen Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE) Einfluß zu nehmen. Unabhängig davon, so der Abteilungsleiter, habe der WSE „seines Wissens“ erklärt, Vereinbarungen mit Tesla würden für die bisherigen Kunden „kostenneutral“ gestaltet.

Abgewimmelt wurde auch der VDGN-Vorschlag, einen Wassertransfer per Pipeline von Berlin nach Grünheide zu prüfen. Immerhin leiden weite Teile Berlins unter zu hohen Grundwasserständen als Folge insbesondere der Deindustrialisierung der Hauptstadt seit 1990. Der hohe Grundwasserpegel führt zu nassen Kellern und Fundamenten in öffentlichen und privaten Gebäuden. Ein aktives Grundwassermanagement wäre da bitter nötig.

Nach den jüngsten öffentlichen Darstellungen soll die Wasserversorgung der Tesla-Fabrik nun garantiert werden können, ebenso die Behandlung des Abwassers. Noch zu Jahresbeginn hatte der zuständige Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) Alarm geschlagen, beides könne nicht gewährleistet werden.

Das Abwasser soll nach den bisher konkret benannten Plänen über eine Druckleitung aus der im Trinkwasserschutzgebiet angesiedelten Tesla-Fabrik nach Erkner und von dort in das Klärwerk Münchehofe gepumpt werden. Die 1976 von der DDR errichtete Anlage gehört den Berliner Wasserbetrieben und reinigt Abwässer aus der Hauptstadt wie aus dem WSE-Gebiet. Dort soll nun der Zustrom aus der Berliner Kanalisation gedrosselt werden, um die Tesla-Ausscheidungen aufzunehmen. Die fraglichen hauptstädtischen Abwassermengen werde das Klärwerk Waßmannsdorf in der Nähe von Schönefeld verarbeiten. Auch diese Anlage, die gerade erweitert und modernisiert wird, gehört den Berliner Wasserbetrieben.

Auch beim Frischwasser soll der WSE nun zur Tesla-Versorgung befähigt sein. Um den Bedarf des Autowerks aber auch weiterer dort zu erwartender Industrieansiedlungen und einer wachsenden Bevölkerungszahl zu decken, hat der Zweckverband beim Potsdamer Umweltministerium beantragt, seine jährliche Fördermenge von 11 Millionen auf 18 Millionen Kubikmeter Wasser zu erhöhen. 15 von den 18 Millionen sind bereits genehmigt worden. Für weitere 3 Millionen Kubikmeter liegen die Erlaubnisse noch nicht vor. Das betrifft eine vorgesehene Wasserförderung in Hangelsberg und das Wasserwerk Spitzmühle. Das Umweltministerium wollte dazu u. a. ein Gutachten abwarten, das über die Gründe Auskunft gibt, warum der Wasserspiegel des Straussees, an dem Strausberg liegt, seit 2014 um ca. einen Meter gesunken ist.

Dieses Gutachten, an dem Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden beteiligt waren, liegt seit dem 26. März vor. Hauptverantwortlich für das Austrocknen des Sees seien zwar klimatische Veränderungen. Aber wenn die Fördermenge in Spitzmühle Ost noch einmal um eine Million Kubikmeter pro Jahr erhöht würde, fiele der Wasserspiegel des Straussees noch einmal um 24 Zentimeter. Die Wasserförderung, so viel ist sicher, hat Einfluß auf den Straussee.

Welche Schlußfolgerungen das Land Brandenburg daraus zieht, war zum Redaktionsschluß nicht bekannt. Und ebensowenig, was es bedeutet, wenn Tesla laut Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Steinbach nach neuen Planungen „deutlich weniger“ Wasser verbrauchen werde als ursprünglich vorgesehen. Eine Zahl nämlich wurde nicht genannt.

H.B.

zurück