Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Windkraft, Mobbing und Geschäfte

Von Holger Becker, VDGN-Pressesprecher

Die Hoffnung, Vernunft und Rücksicht würden sich durchsetzen, hat getrogen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ließ vor kurzem seinen Plan fallen, für Windräder republikweit einen Mindestabstand von einem Kilometer zur nächsten Wohnbebauung gesetzlich vorzuschreiben. Zwar hätte auch die 1000-Meter-Regel nicht wirklich gereicht, um betroffene Menschen vor den vielfältigen negativen Auswirkungen der Kolosse zu schützen. Angesichts der Planungen für Windräder, die 240 Meter weit in den Himmel reichen, müßte eigentlich ein Mindestabstand her, der das Zehnfache der Gesamthöhe einer solchen Anlage beträgt. Doch Altmaiers ursprüngliches Vorhaben hätte in vielen Fällen Linderung gebracht.

Die Stromerzeugung mit Windrädern ist heute ein Riesengeschäft und die Verklärung der Windparks zu Klimarettern eine durchaus profitable Sache. Niedergebügelt werden so die Einwände gegen den rücksichtslosen Einsatz dieser Technologie, der Menschen direkt an ihrer Gesundheit und ihrer Lebensqualität schädigt, Landschaften zerstört, Tiere in Massen tötet. Das darf so wenig eine dauerhafte Lösung sein wie ein landwirtschaftliches Produzieren, welches das Artensterben fördert und die Qualität der Lebensmittel beeinträchtigt.

Kaum erträglich ist noch das mediale Mobbing, dem Menschen ausgesetzt sind, die sich auf dem „platten Lande“ dagegen stemmen, mit immer neuen Windkraftprojekten beglückt zu werden. Es grenzt nicht selten an kulturellen Rassismus, wie Vertreter einer vermeintlichen „urbanen Elite“ pauschal über die Leute vom Dorfe urteilen. „Wutbürger“ ist noch eine der harmloseren Beschimpfungen. Gern werden Landbewohner, besonders jene im Osten, pauschal in die rechte Ecke gestellt. Den Vogel schoß neulich im Berliner Blatt „Der Tagesspiegel“ ein Gießener Hochschullehrer ab, der dekretierte, „das Dorf“ stehe für eine „antimoderne Lebenseinstellung“. Es sei „Idealbild und Inbegriff der Reaktion“. Was natürlich nicht heiße, „daß jeder Mensch vom Dorf ein Depp wäre“.

Ja, klar, soetwas läßt sich natürlich auch nicht von jedem Hochschullehrer in Gießen behaupten. Wer in seinem Leben bereits verschiedene Perspektiven eingenommen, auf dem Dorf, in der Kleinstadt wie in verschiedenen Großstädten gelebt hat, und das auch noch in verschiedenen Gesellschaftssystemen, der weiß, hier werden Ressentiments aufgekocht. Das Leben auf dem Dorf hat einige Nachteile, die kaum noch etwas mit dem „Idiotismus des Landlebens“ zu tun haben, von dem die Herren Marx und Engels einst sprachen, als sie den Umschwung von der feudalen zur kapitalistischen Produktionsweise behandelten. Die Nachteile bestehen auch nicht in erster Linie in einer mehr oder minder ausgeprägten Sozialkontrolle, die vor allem in jungen Jahren nervt, sondern in weiten Wegen zur nächsten Schule oder Arztpraxis, schlechten Verkehrsverbindungen, dem Fehlen von Kneipen, Kulturstätten, Sport- und Schwimmhallen. Das muß einfach besser werden. Und das geht, wie sich andernorts in Europa zeigt. Wer die Landschaft um die Dörfer aber mit Windrädern vermüllt, fügt den vorhandenen Nachteilen Zumutungen hinzu, in denen sich auch Verachtung ausdrückt.

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