Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Neue Wohnungsbauprämie ab 2021

Telefonforum zum Thema Bausparen

Ab 2021 gilt eine neue Wohnungsbauprämie. Fragen zur neuen Wohnungsbauprämie und weiteren Förderungen wie Arbeitnehmersparzulage und Baukindergeld beantwortete Marcel Rotter, Bezirksverkaufsleiter Finanzierung der LBS Ost in Dresden.

Wer bekommt die Wohnungsbauprämie? Ich habe noch nie etwas von staatlicher Förderung fürs Bauen gehört.
Die Wohnungsbauprämie (WoP) ist eine staatliche Förderung von Bausparleistungen. Sie fördert diejenigen, die Geld sparen, um eine Wohnimmobilie zu kaufen, zu bauen oder zu renovieren. Dafür gelten Einkommensgrenzen, die mit der Verbesserung der Förderung ab 2021 deutlich angehoben werden, wodurch mehr Menschen diese Förderung bekommen.

Zusätzlich können Sie vermögenswirksame Leistungen (vL) Ihres Arbeitgebers auf einem Bausparvertrag ansparen und bekommen dafür vom Staat die Arbeitnehmersparzulage. Auch hier gelten Einkommensgrenzen. Auch der Abschluß eines Wohn-Riester-Vertrages wird staatlich gefördert. Wohn-Riester wirkt sogar einkommensunabhängig.

Wie viel Wohnungsbauprämie gibt es? Wird sie als Zuschuß gezahlt oder muß ich dafür einen Bausparvertrag haben?
Wer mindestens 16 Jahre alt ist und pro Jahr bis zu 700 Euro (1.400 Euro für Verheiratete) auf einen Bausparvertrag einzahlt, erhält ab 2021 eine Wohnungsbauprämie von 10 Prozent auf diese Einzahlungen – also bis zu 70 Euro (Singles) bzw. 140 Euro (Verheiratete) pro Jahr. Das sind über 50 Prozent mehr als bisher. Im derzeitigen Zinstief ist das eine besonders wertvolle Förderung. Voraussetzung ist ein bereits bestehender oder nun neu abzuschließender Bausparvertrag.

Welche Voraussetzungen bzw. Einkommensgrenzen gelten jetzt? Ich bekomme sicher keine Wohnungsbauprämie, dafür verdiene ich zu viel.
Neben der Bindung für wohnwirtschaftliche Zwecke sind die Einkommensgrenzen wichtig für den Erhalt der Wohnungsbauprämie. Diese liegen derzeit bei einem zu versteuernden Einkommen von 25.600 Euro (Singles) bzw. 51.200 Euro (Verheiratete). Ab 2021 steigen die Grenzen auf 35.000 Euro (Singles) bzw. 70.000 Euro (Verheiratete). Wichtig zu wissen ist, daß auch viele Haushalte mit einem höheren Bruttoeinkommen noch dazu gehören können. Denn vom Bruttoeinkommen werden mehrere Posten abgezogen, um das zu versteuernde Einkommen zu ermitteln. Dazu zählen etwa bestimmte Versicherungsbeiträge, Vorsorgeaufwendungen oder auch Kinderfreibeträge. Aufschluß über die Höhe des zu versteuernden Einkommens gibt der letzte Steuerbescheid.

Sie müssen in Ihren Bausparvertrag mindestens 50 Euro pro Jahr gespart haben, um Wohnungsbauprämie zu bekommen. Dies dürfen allerdings nicht vermögenswirksame Leistungen sein, für die Anspruch auf Arbeitnehmersparzulage besteht. Eine Doppelförderung ist ausgeschlossen.

Wofür kann ich die Wohnungsbauprämie verwenden?
Die angesammelte Prämie gibt es für Vertragsabschlüsse ab 2009 nur, wenn das angesparte Geld später für wohnwirtschaftliche Zwecke, also für den Bau, Kauf oder die Modernisierung von Wohneigentum verwendet wird. Auch für die Entschuldung solcher Darlehen kann sie eingesetzt werden.

Bei jungen Leuten unter 25 Jahren macht der Staat eine Ausnahme: Sie können nach sieben Jahren frei über das gesamte Guthaben inklusive der Wohnungsbauprämien verfügen. Diese Sonderregelung kann jeder Sparer aber nur einmal in Anspruch nehmen.

Wie wird die Wohnungsbauprämie beantragt?
Zu Beginn jedes Jahres erhalten Kunden automatisch einen WoP-Antrag für das Vorjahr. Dieser Prämienantrag ist ausgefüllt und unterschrieben bei der Bausparkasse einzureichen. Die Wohnungsbauprämie kann bis zu zwei Jahre rückwirkend beantragt werden. Das heißt: Bis 31. Dezember 2020 kann die Wohnungsbauprämie für das Jahr 2018 gesichert werden, wenn in diesem die entsprechenden Sparbeträge eingezahlt wurden.

Gelten die Fördervorteile auch für Bausparverträge, die vor dem 1. Januar 2021 abgeschlossen wurden?
Ja, die neue Förderung können Sie auch für den bereits bestehenden Vertrag nutzen. Nicht das Abschlußdatum oder der Ver-tragsbeginn sind wichtig, sondern daß die zu fördernden Einzahlungen ab dem Sparjahr 2021 erfolgen und daß im jeweiligen Sparjahr auch die sonstigen Fördervoraussetzungen (zum Beispiel Mindestalter 16 Jahre, wohnungswirtschaftliche Verwendung) erfüllt werden.

Gibt es noch weitere Veränderungen bei der Wohnungs­bauprämie? Muß ich bei der Beantragung noch etwas beachten? Ich bekomme die Prämie schon seit vielen Jahren.
Nein, alle anderen Regelungen des Woh-nungsbauprämiengesetzes gelten unverändert weiter. Wichtig ist hier, daß im Zuge der Verbesserung der Wohnungsbauprämie ab 2021 auch die Einkommensgrenzen angehoben wurden. Noch einmal hier der Hinweis: Auch viele Haushalte mit einem höheren Bruttoeinkommen können prämienberechtigt sein. Informationen zum zu versteuernden Einkommen gibt der letzte Steuerbescheid.

Muß ich die Wohnungsbauprämie in einem gesonderten Sparvertrag für später einzahlen oder kann ich sofort damit auch eine Finanzierung bedienen?
Auch wer unmittelbar eine Immobilie finanzieren möchte, kann von der Wohnungsbauprämie profitieren. Dies funktioniert mit einem Bauspar-Kombikredit. Dabei wird eine Vor- oder Zwischenfinanzierung abgeschlossen, die zunächst nicht getilgt wird. Stattdessen fließen entsprechende Zahlungen als Sparleistungen auf einen Bausparvertrag, der dann mit der Zuteilung die Finanzierung ablöst. Die Einzahlungen auf den Bausparvertrag sind bis zur Zuteilung förderfähig.

Ich möchte meinen zuteilungsreifen Bausparvertrag an meine Enkelin übertragen. In diesen Vertrag ging auch meine Wohnungsbauprämie ein. Kann sie den Vertrag übernehmen? Sie baut gerade.
Da das Objekt über einen Kredit bezahlt wird, kann sie den Vertrag auch sehr gut als Sonderzahlung für die laufende Finanzierung nutzen.

Die Wohnungsbauprämien kann sie bei der Übertragung behalten. Wenn Ihre Enkelin Mutter ist, kann sie auch das Baukindergeld nutzen. Nach Einzug muß der Antrag nach spätestens sechs Monaten bei der KfW gestellt werden.

Ich möchte einen Bausparvertrag abschließen und bekomme doch auch eine staatliche Förderung, oder?
Ja, im günstigsten Fall sogar drei Mal. Sie haben die Möglichkeit, vermögenswirksame Leistungen (vL) auf einem Bausparvertrag anzusparen und erhalten dafür vom Staat die Arbeitnehmersparzulage. Außerdem erhalten Bausparer auf eigene Sparraten Wohnungsbauprämie (WoP). Für diese beiden Förderungen gelten unterschiedliche Einkommensgrenzen. Bei Abschluß eines Wohn-Riester-Vertrages können Sie auch hier eine staatliche Förderung erhalten. Die Wohn-Riester-Förderung ist einkommensunabhängig.

Mein neuer Arbeitgeber zahlt vermögenswirksame Leistungen. Wie kann ich sie anlegen?
Viele Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter beim Vermögensaufbau mit der Zahlung vermögenswirksamer Leistungen. Das können bis zu 40 Euro im Monat sein. Fließt dieser Betrag auf einen Bausparvertrag, beteiligt sich der Staat mit der Arbeitnehmersparzulage von bis zu 43 Euro im Jahr zusätzlich an der Vermögensbildung. Förderberechtigt sind Alleinstehende mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen bis zu 17.900 Euro, bei Ehepaaren sind es bis zu 35.800 Euro. Auch wer keine vermögenswirksamen Leistungen erhält, kann von der staatlichen Arbeitnehmersparzulage profitieren: Dazu muß er sich lediglich 40 Euro seines Gehalts vom Arbeitgeber direkt auf seinen Bausparvertrag überweisen lassen. VL kann auch in Aktienfonds eingezahlt werden.

Welche Förderung bekommen wir als junge Familie, wenn wir ein Haus kaufen oder bauen möchten?
Die staatliche KfW-Förderbank unterstützt Häuslebauer und Sanierer mit zinsgünstigen Darlehen oder direkten Zuschüssen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) stellt ebenfalls finanzielle Mittel bereit. Auch beim Landesförderinstitut und der Kommune lohnt sich eine Nachfrage, um auf die zinsgünstigen Fördertöpfe zurückzugreifen. In der Regel müssen die Mittel vor Beginn der Arbeiten beantragt werden. Die Hausbank, wie zum Beispiel die Sparkasse, und Bausparkassen geben Auskunft. Ganz aktuell haben Sie die Möglichkeit, Baukindergeld zu beantragen. Prüfen Sie hier unbedingt Ihre Chance auf die Förderung.

Wer kann Baukindergeld beantragen?
Die Förderung können alle beantragen, die ihre Immobilie zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. März 2021 gekauft oder die Baugenehmigung erhalten haben. Mit dem neuen Baukindergeld sollen Familien beim erstmaligen Wohneigentumserwerb unterstützt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein neues oder gebrauchtes Haus erworben wird. Familien erhalten 1.200 Euro Zuschuß je Kind und pro Jahr für 10 Jahre, ohne daß der Zuschuß zurückgezahlt werden muß. Die Einkommensgrenze beträgt 75.000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen plus 15.000 Euro pro Kind.

Nach dem Einzug haben Antragsteller sechs Monate Zeit, den Förderantrag bei der KfW zu stellen. Eine Begrenzung der Wohnfläche gibt es nicht. Die Antragsfrist für die Förderung endet unverändert am 31. Dezember 2023.

Ich habe seit vielen Jahren einen Bausparvertrag, auf den zum Beispiel auch meine vermögenswirksamen Leistungen fließen. Bekomme ich auf alle Einzahlungen die Prämie?
Prämienbegünstigte Einzahlungen sind eigene Sparbeiträge (Regelsparraten und wenn vereinbart, Sonderzahlungen), die bei Vertragsabschluß gezahlte Abschlußgebühr, gutgeschriebene Zinsen (abzüglich etwaiger Steuern) sowie die im Jahr der Gutschrift erhaltenen Guthabenzinsen und Boni (wenn im Tarif vorgesehen). Wenn Sie auf Ihre vermögenswirksamen Leistungen (vL) keine Arbeitnehmersparzulage erhalten, sind auch diese prämienbegünstigt. Bitte beachten Sie die Einkommensgrenzen.

Muß man die Wohnungsbauprämie versteuern?
Da die Förderberechtigung am zu versteuernden Jahreseinkommen bemessen wird, fragen Sie sich vielleicht, ob Sie die erhaltene Wohnungsbauprämie nach der Auszahlung in Ihrer Steuererklärung angeben müssen. Diese Befürchtung ist unbegründet. Die Prämien gehören nicht zu den Einkünften im Sinne des Einkommensteuergesetzes. Sowohl die alte als auch die neue Wohnungsbauprämie ist steuerfrei.

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