Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Fahrrad profitiert, Auto bleibt meist unverzichtbar

Aufschlußreiche Umfrage zum Mobilitätsverhalten in der Corona-Krise

S-Bahn auf Bahnhof in Berlin
Der öffentliche Nahverkehr muß wieder heraus aus der Krise Foto: Hagen Ludwig

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf das Mobilitätsverhalten in Deutschland aus?

Dieser Frage ist das Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach im Auftrag von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, nachgegangen.

Die repräsentative Bevölkerungsumfrage, die in diesem Jahr zum zweiten Mal nach 2019 durchgeführt wurde, hat ergeben, daß das Fahrrad profitiert, das Auto jedoch als der Deutschen liebstes Fortbewegungsmittel unverzichtbar bleibt. Neun von zehn Befragten nutzen demnach regelmäßig einen Pkw, 52 Prozent – und damit genauso viele wie im Vorjahr – nutzen ihn täglich.

Der Anteil der Bevölkerung, der sich täglich auf das Fahrrad schwingt, ist gegenüber 2019 von 17 auf 22 Prozent angestiegen. Das führen die Demoskopen vor allem darauf zurück, daß sich der Mobilitätsradius im Krisenjahr verringert hat und das Fahrrad für kürzere Strecken zumindest bei gutem Wetter zu einer gern genutzten Alternative geworden ist.

Starke Einbuße beim Nahverkehr
Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) indes mußte deutliche Einbuße hinnehmen. Nur zehn Prozent der Befragten gaben an, daß sie täglich Bus, Regionalbahn, S- oder U-Bahn nutzen. Zehn Prozent sagten, daß sie jetzt mehr mit dem ÖPNV unterwegs sind, 18 Prozent hingegen weniger. Hoffnung gibt, daß der Großteil bei einer Verbesserung der Begleitumstände wieder auf den ÖPNV umsteigen will und auf dessen Ausbau hofft.

Insgesamt werden die Ergebnisse natürlich auch dadurch beeinflußt, daß generell weniger gereist wird und viele Menschen im Homeoffice arbeiten. Ein Großteil von ihnen würde die Tätigkeit am heimischen Schreibtisch übrigens auch künftig zumindest teilweise gern beibehalten.

Skepsis bei Thema Elektromobilität
Angesichts der Tatsache, daß das Auto vom Großteil der Befragten als unverzichtbar angesehen wird, war interessant zu erfahren, inwieweit es für sie in Frage käme, in den nächsten Jahren ein Elektroauto zu kaufen. Diese Frage beantworteten lediglich 24 Prozent mit Ja. Im Jahr 2011 waren es schon einmal 28 Prozent.

Und die Vorbehalte nehmen laut Umfrage eher zu. So sind 54 Prozent der Meinung, Batterien und Antriebstechnik seien noch nicht ausgereift. 59 Prozent bezweifeln, daß das Elektroauto tatsächlich umweltfreundlicher ist. 72 Prozent sind die Kosten immer noch zu hoch.

Deutlich besser schneiden die Hybridantriebe, meist eine Kombination von Benzin- und Elektromotor, ab. Immerhin 36 Prozent können sich vorstellen, in den nächsten Jahren einen solchen Pkw zu kaufen. Nur 21 Prozent halten die vorrangige Förderung der Elektromobilität durch die Politik für richtig.

Klimaschutz dringliches Anliegen
Obwohl die politische Agenda der Bevölkerung zurzeit stark von der aktuellen Krise geprägt ist, zählen für 59 Prozent der Befragten Umwelt- und Klimaschutz zu den besonders dringlichen politischen Anliegen. Insgesamt haben sich die Vorstellungen, wie die Klimabelastungen verringert werden können, gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verändert: 63 Prozent halten es für besonders wichtig, schadstoffarme Antriebssysteme für Autos und Lkws einzusetzen, 61 Prozent sprechen sich für die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und 60 Prozent für die Entlastung der Straßen durch Verlagerung des Güterverkehrs auf Schienen- und Wasserweg aus.

Aus Sicht des VDGN bestätigt die Meinungsumfrage die Forderung, alle vorhandenen Verkehrsmittel mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen optimal zu verzahnen und nicht gegeneinander auszuspielen.

Pauschale Aussagen von Politikern wie „Menschen in der Stadt brauchen keine Autos“ schaden der Akzeptanz für die Verkehrswende. Vielmehr kommt es darauf an, die Öffentlichkeit noch stärker in die Transformationsprozesse der Mobilität einzubeziehen, wie es Thomas Weber, Vizepräsident und Pate des Themenschwerpunkts Mobilität bei acatech angesichts der Umfrageergebnisse formuliert hat. Der Großteil der Bevölkerung mißt trotz Corona-Krise dem Umwelt- und Klimaschutz eine große Bedeutung bei, wünscht sich jedoch ein ausgewogenes Herangehen unter Beachtung der unterschiedlichen Lebensverhältnisse.

Dabei bleibt der ÖPNV im Fokus. Sicherheit, Zuverlässigkeit und Aufenthaltsqualität rücken dort noch mehr in den Vordergrund, wenn verlorengegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden soll.        

Hagen Ludwig

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