Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Verkehrswende – bitte ohne Scheuklappen

Hagen Ludwig Mitglied des Präsidiums des VDGN

Es war nur eine kleine Meldung, und es geht auch nicht um große Beträge. Und trotzdem ist es ein fatales Signal. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) wird die Fahrpreise ab 2021 wieder einmal erhöhen. Unter anderem wird die Einzelfahrt Berlin AB künftig 3 Euro und damit 10 Cent mehr kosten. Der Abo-Preis für Fahrgäste ab 65 steigt monatlich um einen Euro. Die Botschaft, die beiden Bürgern ankommt: Der ÖPNV wird ja eh immer teurer. Was wäre es für ein mutiger Schritt gewesen, eine Preissenkung um 10 Cent zu verkünden.Es muß ja nicht gleich das vom VDGN geforderte 365-Euro-Jahresticket sein.

Nun wird in der Verkehrspolitik gern von Push & Pull gesprochen, von „Zuckerbrot und Peitsche“ also. Gemeint ist damit zum Beispiel die Förderung öffentlicher Mobilitätsangebote einerseits und restriktive Regelungen für den Pkw-Verkehr andererseits. Das funktioniert natürlich nur im Gleichklang auf der Grundlage eines nachvollziehbaren Konzepts. Leider wird in Berlin und nicht nur dort oft nur die Peitsche geschwungen. Daß es anders geht, zeigt ein Beispiel aus Mainfranken. Dort wurden die Tarifevereinfacht und gesenkt. Einwohner der Landkreise zahlen jetzt bis zu 35 Prozent weniger für eine Fahrt nach Würzburg.

Sicher gibt es auch in der Metropolenregion Berlin manch guten Ansatz. Da wollen Berlin und Brandenburg nun endlich an einem Strang ziehen,wenn es um Bau und Finanzierung von P+R-Plätzen an der Peripheriegeht; der BerlKönig, ein mittels App zu nutzender Rufbus, fährt nun auch einige Bahnhöfe außerhalb der City an, und neue Bahnstrecken  sind geplant. All das wird von stetigen ÖPNV-Preiserhöhungen konterkariert. Hinzu kommt der Zeithorizont. Da wurde jetzt öffentlichkeitswirksam der Startschuß für die Reaktivierung der Siemensbahn in Richtung Spandau gegeben. Doch frühestens ab 2029 sollen S-Bahnen über die viereinhalb Kilometer lange Trasse rollen. Was wird dann ein Fahrschein kosten? Auch die Ostbahn zwischen Berlin und Küstrin rumpelt seit dem Krieg auf nur einem Gleis dahin, eine Modernisierung wird noch viele Jahre dauern.

Gleichzeitig werden für den Bau wichtiger Straßen wie der Tangentialen Verbindung Ost (TVO) immer neue Hindernisse aufgetan. Politiker derGrünen bezeichnen die TVO mittlerweile öffentlich als klimaschädlich und überflüssig. Sie vergessen dabei, daß dort vorwiegend E-Autos mit Batterie- und Wasserstoffantrieb rollen werden, sollte sie einmal fertig sein. Wer für die Verkehrswende ist, muß gegen den Pkw sein. Nein, so einfachist das nicht. Das eigene Auto wird speziell auch für Menschen jenseitsder Ballungsräume auf absehbare Zeit unverzichtbar bleiben.Deshalb brauchen wir eine Verkehrspolitik ohne Scheuklappen, die alle vorhandenen Verkehrsmittel optimal miteinander verzahnt. Es muß Schluß sein damit, Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV-Nutzer und Pkw-Fahrer gegeneinander auszuspielen. Was vielerorts fehlt, ist ein deutliches Signal des Aufbruchs und der Wille, alle dabei mitzunehmen. Gute Beispiele gibt es genug, sei es in Würzburg, München oder Wien.

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