Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Staatliche Förderung nutzen

Zuschüsse für energetische Sanierungsmaßnahmen

Angelika Baumgardt
Angelika Baumgardt

Worauf sollten Eigenheimer achten, wenn sie sich für Sanierung entscheiden? Angelika Baumgardt, Energieberaterin der Verbraucherzentrale Sachsen, beantwortete im Telefonforum Fragen.

Wofür gibt es staatliche Förderungen, wenn ich an meinem Haus eine Sanierung vornehmen will?
Gefördert wird die energetische Sanierung von Wohngebäuden im Bestand sowohl als Einzelmaßnahme als auch als Sanierung zum KfW-Effizienzhaus. Einzelmaßnahmen können z. B. die Erneuerung von Fenstern oder Haustüren, eine Dämmung des Daches oder der obersten Geschoßdecke, der Kellerdecke oder der Außenwand sein. Um eine Förderung zu erhalten, müssen diese Bauteile im sanierten Zustand energetische Mindestanforderungen erreichen. Bei einem Effizienzhaus müssen bestimmte energetische Kennwerte für das Haus als Ganzes erreicht werden. Dafür sind in der Regel umfangreiche energetische Sanierungsmaßnahmen und der Einsatz regenerativer Energien erforderlich. Je effizienter das Haus, desto höher ist die Förderung.

Auch die Erneuerung von Heizungsanlagen, die erneuerbare Energien nutzen, wird mit attraktiven Investitionszuschüssen gefördert. Das betrifft Heizungswärmepumpen, Holzpellets-Heizungen, Scheitholzvergaserkessel, Solarthermie-Anlagen, wasserführende Pellet-Kaminöfen sowie Kombinationen dieser Techniken. Eine Gasbrennwertheizung wird nur in Kombination mit einem erneuerbaren Wärmeerzeuger (z. B. einer heizungsunterstützenden Solaranlage), der einen bestimmten Teil der Heizlast abdeckt, gefördert (Gas-Hybrid-Heizung). Aber auch Brennstoffzellen, die Erneuerung des Heizsystems auf der Basis von Fernwärme und die Optimierung bestehender Heizungsanlagen werden durch verschiedene Förderprogramme finanziell unterstützt. Heizungsanlagen, die ausschließlich mit Gas- und Ölbrennwertkesseln betrieben werden, werden nicht mehr gefördert.

Die energetische Sanierung der Gebäudehülle wird z. B. durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über das Programm „Energieeffizient sanieren“ gefördert. Hier gibt es eine Kredit- oder eine Zuschußvariante. Neue Heizungsanlagen werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) über das Programm „Heizen mit erneuerbaren Energien“ mit attraktiven Investitionszuschüssen zwischen 20 und 45 Prozent gefördert.

Brennstoffzellen und Fernwärmeanlagen werden wiederum von der KfW gefördert. Bei der Heizungsoptimierung kann man zwischen einer Förderung durch KfW oder BAFA wählen. Alternativ zu KfW und BAFA gibt es seit diesem Jahr auch die Möglichkeit der Steuerermäßigung für energetische Maßnahmen gemäß Einkommensteuergesetz (EStG) § 35c. Bei selbstgenutztem Wohneigentum, das älter als 10 Jahre ist, können 20 Prozent der Investitionskosten für die energetische Sanierung (max. 40.000 Euro pro Wohneinheit), verteilt über drei Jahre, direkt von der Steuerschuld abgezogen werden. Neben Förderprogrammen für die energetische Gebäudesanierung gibt es bei der KfW auch Förderungen für die Barriere-Reduzierung, das altersgerechte Umbauen von Wohnungen und den Einbruchschutz. Brandneu ist die Zuschußförderung der KfW für die Errichtung von Ladestationen für Elektroautos in Wohngebäuden.

Wann lohnt sich eine Solaranlage?
Die Sonnenenergie kann sowohl für die Stromerzeugung (Photovoltaikanlagen), die Wärmeerzeugung (Solarthermie-Anlagen) als auch für eine Kombination aus beiden genutzt werden. Ob und wann sich welche Anlage lohnt, muß im Einzelfall betrachtet werden. Dafür bietet die Energieberatung der Verbraucherzentrale z. B. den Eignungs-Check-Solar an. Dabei wird vor Ort geklärt, ob eine Solarenergienutzung möglich und sinnvoll ist. Dieser Check wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gefördert und kann daher für einen Eigenanteil von 30 Euro erfolgen. Generell kann gesagt werden, daß eine Solarthermie-Anlage sich dann rechnet, wenn der Warmwasserverbrauch relativ hoch ist (ab drei bis vier Personen). Eine PV-Anlage lohnt sich besonders bei einem hohen Stromverbrauch. Unabhängig davon leistet man mit einer Solaranlage einen Beitrag zum Klimaschutz und macht sich unabhängiger von fossilen Energieträgern. Für die Umwelt lohnt es sich also eigentlich immer. Daher wird die Installation einer Solarthermie-Anlage auch über das Förderprogramm „Heizen mit erneuerbaren Energien“ des BAFA mit einem Investitionszuschuß in Höhe von 30 Prozent gefördert.

Eine Solarstromanlage wird hingegen über die EEG-Einspeisevergütung gefördert, die 20 Jahre lang vom Netzbetreiber für den ins Netz eingespeisten Strom bezahlt wird. Da diese Einspeisevergütung mittlerweile aber unter 9 Cent/kWh liegt, ist es sinnvoll, so viel wie möglich erzeugten Strom selbst zu nutzen und dadurch den Stromeinkauf für 28 bis 30 Cent/kWh zu reduzieren. Das gelingt mit einem Batteriespeicher besser, der aber auch finanziert werden muß. Daher ist eine Betrachtung der Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage im Einzelfall erforderlich.

Ich würde gern neue Fenster einbauen lassen. Gibt es dafür Förderungen?
Ja. Der Einbau neuer Fenster wird durch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) über das Programm „Energieeffizient Sanieren“ durch einen Zuschuß in Höhe von 20 Prozent der Investitionskosten (nur bis 2 Wohneinheiten) oder einen Kredit mit 20 Prozent Tilgungszuschuß gefördert. Für eine Förderung sind aber Mindestanforderungen zu erfüllen. Der Wärmedurchgangskoeffizient des Fensters darf z. B. einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Alternativ zur KfW-Förderung kann bei selbstgenutztem Wohneigentum eine Steuerermäßigung für energetische Maßnahmen gemäß Einkommensteuergesetz (EStG) § 35c in Anspruch genommen werden. Es gelten die gleichen Mindestanforderungen.

Wie sollte ich vorgehen, wenn ich einen Zuschuß beantragen möchte?
Hier kommt es darauf an, welche Förderung Sie in Anspruch nehmen möchten. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale kann dabei eine erste Orientierung geben, welche Fördermöglichkeiten zur Verfügung stehen, wie sie beantragt werden müssen und welche Förderbedingungen bestehen. Bei der KfW benötigen Sie für das Programm „Energieeffizient Sanieren“ z. B. einen KfW-Effi-zienzexperten, der Sie bei der Beantragung von Fördermitteln, der Umsetzung der Maßnahmen und dem Abruf der Fördermittel begleitet. Beim BAFA stellen Sie selbst den Antrag online, benötigen aber dafür evtl. auch Unterstützung. Bei der KfW muß der Antrag vor Maßnahmebeginn, beim BAFA sogar vor der Beauftragung erfolgen. Dafür benötigen Sie die Investitionskosten inklusive aller Nebenkosten. Bei der Steuerermäßigung gemäß Einkommensteuergesetz (EStG) § 35c ist eine vorherige Antragstellung hingegen nicht erforderlich. Die steuerliche Förderung wird hier als Teil der Einkommensteuererklärung beim Finanzamt geltend gemacht. Auf jeden Fall sollten Sie vorher klären, welche Mindestanforderungen für eine Förderung zu erfüllen sind, um dann die Angebote gleich mit den richtigen Leistungen einholen zu können.

Die Energieberater der Verbraucherzentralen stehen Ihnen bei Fragen zur Sanierung und Förderung telefonisch, persönlich und auch für Vor-Ort-Termine zur Verfügung. Sie erreichen uns über unsere kostenlose Telefonhotline 0800 809 802 400 oder können sich auf der Website www.verbraucherzentrale-energieberatung.de informieren.

Gibt es auch regionale oder lokale Sanierungszuschüsse? Und wenn ja, an wen müssen wir uns wenden, um mehr darüber zu erfahren?
Ja, die gibt es. Der Freistaat Sachsen fördert z. B. über die Sächsische Aufbaubank (SAB) die Installation von Batteriespeichern für PV-Anlagen und hat weitere Förderprogramme, wie „Familienwohnen“, „Wohneigentum ländlicher Raum“, „Seniorengerecht Umbauen“, „Wohnraumanpassung für mobilitäts-eingeschränkte Personen“. Und es kann auch sein, daß Ihr lokaler Energieversorger Förderungen auflegt oder daß einzelne Hersteller bestimmte Aktionen anbieten. Diese sind meist zeitlich begrenzt und daher immer aktuell abzufragen. Informieren können Sie sich z. B. über die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie www.foerderdatenbank.de. Dort sind auch regionale Förderprogramme zu finden. Zeitlich begrenzte Förderaktionen von Herstellern sind dagegen schwieriger zu ermitteln und eher als Bonus bei einer anstehenden Sanierungsmaßnahme zu sehen. Förderungen durch Ihren lokalen Energieversorger finden Sie meist auf der Webseite des Unternehmens.

Wenn man Handwerkerleistungen steuerlich geltend machen möchte, hat das Einfluß auf eine staatliche Förderung?
Ja. Eine Kombination staatlich geförderter Maßnahmen mit einer steuerlichen Förderung gemäß § 35 a Absatz 3 Einkommensteuergesetz (Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen) ist in den meisten Fällen nicht möglich. Hier sind die Förderbedingungen der einzelnen Förderprogramme zu beachten.

Wir wohnen in einem Doppelhaus und planen eine gemeinsame Dachsanierung. Wie sollten wir vorgehen, um eine Förderung zu bekommen?
Gefördert wird eine Dachsanierung nur, wenn das Dach auch gedämmt wird. Ist das der Fall, müssen beide Hauseigentümer zunächst besprechen, wie das Dach gedämmt werden soll. Die energetischen Anforderungen für die Förderung der Dachsanierung sind recht hoch. Wenn beide Eigentümer das Dach zukunftsweisend dämmen möchten und sich auch über die Art der Ausführung (zu verwendendes Material, Dämmstärke, Dacheindeckung etc.) einig sind, können Sie bei Einhaltung der Mindestanforderungen dafür eine Förderung in Anspruch nehmen. Die Förderung beider Doppelhaushälften erfolgt getrennt. Jede Partei stellt für ihre Doppelhaushälfte einen Antrag. Es müssen natürlich auf jeden Fall auch zwei getrennte Rechnungen für die Hauseigentümer gestellt werden. Die Förderung kann wahlweise durch einen Investitionszuschuß in Höhe von 20 Prozent (Programm 430) oder ein Darlehen mit Tilgungszuschuß in Höhe von 20 Prozent (Programm 151/152) über die KfW erfolgen; oder es kann eine Steuerermäßigung in Höhe von 20 Prozent gemäß Einkommensteuergesetz (EStG) § 35c in Anspruch genommen werden. Für die KfW-Förderung ist der Antrag vor Maßnahmebeginn zu stellen. Dafür ist ein KfW-Effizienzexperte erforderlich, dessen Kosten zu 50 Prozent gefördert werden können. Beide Eigentümer können den gleichen Experten oder unterschiedliche Experten beauftragen. Auch hier läuft die Abwicklung komplett getrennt.

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