Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wohin ganz Deutschland blickt...

Von Holger Becker, VDGN-Pressesprecher

„In Sachsen und Brandenburg wird gewählt, ganz Deutschland blickt besorgt gen Osten“, hieß es vor den jüngsten Landtagswahlen in einem Kommentar auf der Internetplattform t-online, der Nachrichten-Website mit der höchsten Reichweite in der gesamten Republik. Der Satz ist eine kleine Kostbarkeit. Wie der Bernstein das fossile Insekt hält er für die Nachwelt eine Denkweise fest. Es gibt Deutschland, und es gibt den Osten. Und wenn der nicht tut, was Deutschland will, dann setzt es was.

So wie eben jetzt nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen. Zwischen Hilflosigkeit und Belehrungsüberheblichkeit changieren die Reaktionen derer, die in den Medien zu Wort kommen, angesichts des Erstarkens der AfD und der desaströsen Verluste der etablierten Parteien, insbesondere der Linken. Es fällt einem Bertolt Brechts Gedicht „Die Lösung“ ein, geschrieben nach der Arbeiterrevolte vom 17. Juni 1953 in der DDR. Das Volk habe das Vertrauen der Regierung verscherzt, lautete damals ein Vorwurf. „Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“, fragte Brecht. Man muß „Regierung“ nur durch Begriffe wie „politische Klasse“ oder „Elite“ ersetzen. Sie beschreiben Populationen, die sowohl die Gestaltung der Zustände als auch deren öffentliche Beschreibung dominieren und ganz überwiegend aus dem Deutschland stammen, das „besorgt gen Osten“ blickt. Aber die nichts merken, obwohl sie dessen Geschicke bestimmen.

Wir vom VDGN haben es in den letzten Jahren immer wieder auf Veranstaltungen in den Städten und Dörfern erfahren, wie sich Resignation breitmachte. In Brandenburg zum Beispiel erlebten wir Menschen, die tausende Euro für zu DDR-Zeiten gelegte Anschlüsse für das Trinkwasser und das Abwasser und dann noch einen saftigen Erschließungsbeitrag zahlen mußten, für eine Straße, auf der seit Jahrzehnten schon Autos fahren. „Dagegen kommen wir sowieso nicht an.“ Diesen Spruch hörten wir immer wieder. Und leider bewahrheitete er sich nur zu oft. Zu schlechter Letzt sahen wir dieselben Leute in der Beratung wieder, als es darum ging, Schutzmaßnahmen vor dem Lärm des neuen Flughafens BER zu erkämpfen, um die sie mit Hilfe der Landesregierung betrogen werden sollten.

Und solche Ohnmachtserfahrungen erlebten und erleben Menschen auf vielen Feldern. Sie bekommen Windräder vor die Nase gesetzt, die ihre Gesundheit bedrohen und den Wert ihrer Grundstücke gegen Null führen. Und können nichts dagegen tun. Wo es früher mal „Versorgungsmängel“ beim Fleisch oder Gemüse gab, existiert jetzt gar kein Laden mehr. Und sie können nichts dagegen tun, als in die nächste Stadt zu fahren. Der Staat versagt bei seiner primitiven Aufgabe, für hygienische Verhältnisse auf den Schultoiletten zu sorgen. Und sie können nichts dagegen tun, als selbst zur Bürste zu greifen und in der restlichen Zeit nach Bayern zu schauen, wo man über Toiletten für das „dritte Geschlecht“ in den Grundschulen diskutiert.

Die Spiele zur Bildung neuer Landesregierungen sind den Leuten egal, solange es dort nur um die Machtinteressen von Parteien geht. Sie wollen andere Zustände, eine andere Politik und andere Politiker vielleicht auch. Und sie wollen nicht belehrt werden, sie dürften das nicht.

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