Verband Deutscher Grundstücksnutzer

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Was Strompreise in die Höhe treibt und die Versorgungssicherheit gefährdet

Monteuere im Gitter von Strommasten
Foto: Johannes Müller

Der durchschnittliche Strompreis in Deutschland liegt derzeit bei 29,42 Cent pro Kilowattstunde (Ct/kWh), das sind 44 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 und der Einführung des Energiewirtschaftsgesetzes (ENWG) sind die Strompreise um 70 Prozent gestiegen. Damals zahlte ein privater Haushalt im Schnitt 17,11 Ct/kWh. Der Strommarkt wurde in Vertrieb, Erzeugung und Netz getrennt. Die Probleme einer politisch gewollten Zerschlagung der Energieversorgung werden nun deutlich. Bei den Strompreisen greift uns der Staat immer tiefer in die Taschen. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lag 2018 der staatlich verursachte Anteil im Strompreis bei 80,7 Prozent. Die Kosten für die Strombeschaffung (Erzeugung oder Einkauf), den Vertrieb und die Gewinnmarge liegen bei 19,3 Prozent. Nur hier haben die Anbieter einen direkten Einfluß auf die Höhe des Strompreises, der verschwindend gering ist.

Energiepolitik unverantwortlich
Den Löwenanteil hat die Politik der CDU/CSU, der SPD, der FDP und vor allem vom Bündnis 90/Die Grünen zu verantworten. Der Bundesrechnungshof bescheinigt den Altparteien das Scheitern der Energiewende. Mindestens 34 Milliarden Euro Kosten sind allein in 2017 zu Lasten der Verbraucher und zum Wohlwollen „Grüner Kapitalisten“ entstanden. Diese unverantwortliche Politik ist asozial, schadet unserer Natur, widerspricht physikalischen und ökologischen Gesichtspunkten sowie den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft. Im Strompreis sind enthalten: Stromsteuer (sog. „Öko-Steuer“) 7 Prozent, Mehrwertsteuer 16 Prozent, Konzessionsabgabe 5,7 Prozent, KWK-Umlage 1,4 Prozent (s. Kasten S. 11), Umlage Netzentgeltverordnung 1,4 Prozent, EEG-Umlage 23,6 Prozent (s. Kasten S. 11) und Netzentgelte, Messung und Abrechnung 25,6 Prozent. Der Grüne Jürgen Trittin hat uns 2004 angekündigt, daß die Förderung der Erneuerbaren Energien jedem durchschnittlichen Haushalt im Monat 1 Euro – so viel wie mancherorts eine Kugel Eis – kostet. Tatsächlich ist Trittins Eiskugel mittlerweile so groß wie eine Teekanne und kostet 14 Euro.

Eine spürbare Senkung der Strompreise geht aus meiner Sicht nur mit einer Abschaffung der EEG-Umlage, mit einem vorläufigen Ende der Energiewende, einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke über 2022 hinaus und zusätzlichen Gaskraftwerken.

Dafür gibt es aber eine wirkungsvolle Medizin, nämlich die Einhaltung physikalischer und ökonomischer Grundsätze. Die unlängst angekündigte Abschaffung der Stromsteuer und die Einführung einer CO2-Steuer ist nichts weiter als eine Nebelkerze. Linke-Tasche-Rechte-Tasche-Politik soll die Gemüter beruhigen. Immer mehr Menschen mit geringen Einkommen und geringen Renten können das nicht mehr bezahlen. Wer heute sagt, ich bin für die Energiewende, aber gegen Windkraftanlagen, hat die Zusammenhänge immer noch nicht verstanden und belügt sich selbst.

Verbraucher zahlen für Erdkabel
Der Wahnsinn der Energiewende treibt nun neue Blüten. Durch den Wegfall grundlastfähiger Kraftwerke im Süden Deutschlands werden für die Übertragung notwendiger Energiemengen Höchstspannungsleitungen (nach dem Prinzip der sog. HGÜ, d. h. Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) von Nord nach Süd gebaut. Die Kosten der Erdverkabelung liegen um das Vier- bis Achtfache über denen einer Freileitung. Diese zusätzlichen Kosten der Netzbetreiber werden auf alle Verbraucher mit den Netzentgelten umgelegt (vgl. § 19 der StromNetzentgeltverordnung – StromNEV), ausgenommen sind Großverbraucher und Sonstige, die davon befreit sind. Natürlich muß man über diese sog. 500-Kilovolt-HGÜ-Leitungen auch Strom aus konventionellen Kraftwerken transportieren, der dann aus Kernkraftwerken in Polen, Belgien oder Frankreich und aus Braunkohlekraftwerken in Polen und Tschechien kommt.

Warum brauchen wir Grundlast?
Damit die Lichter nicht ausgehen in Deutschland. Windkraftanlagen erzeugen jährlich ca. 1.500, Solaranlagen ca. 1.000 Vollaststunden Strom. Das Jahr hat aber 8.760 Stunden. Somit muß entweder Strom aus dem Ausland zugekauft werden (mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Atomstrom!), oder es müssen Reservekraftwerke auf Gas- oder Kohlebasis einspringen, wodurch zusätzliche Kosten entstehen.

2018 betrug die installierte Leistung aller Windkraftanlagen (WKA) an Land in Deutschland 53 Gigawatt (GW). Der durchschnittliche Stromverbrauch in Deutschland liegt etwa bei 70 GW. Wenn der Wind nicht weht, nutzen uns die 53 GW Windkraft an Land gar nichts. Beispiel: Am 28. Juni 2019 um 10 Uhr wurden nur 1,34 GW Onshore-Windkraft eingespeist. Witterungsbedingt hatten wir zu diesem Zeitpunkt 24,6 GW Solarenergie. Die konventionellen Kraftwerke mußten 35,9 GW einspeisen und zusätzlich wurden etwa 1,7 GW importiert. Fazit, ich kann noch so viele WKA und Solaranlagen errichten, das nutzt nichts, weil bei Dunkelheit und Windflaute keine höhere Einspeisung erfolgt.

Speichermöglichkeiten gibt es, wie z. B. „Power to Gas“, wo mittels Wasserelektrolyse ein Brenngas hergestellt wird und später zur Rückverstromung in Gaskraftwerken verwendet werden kann. Das Problem dabei ist der schlechte Wirkungsgrad, die nicht ausreichende Kapazität und die Wirtschaftlichkeit. Bei dem Szenario des Atomausstieges in drei Jahren, der Elektromobilität und dem Kohleausstieg haben wir dafür keine Zeit mehr!

Blackout immer wahrscheinlicher
Beachtet man die Grundlagen der Elektrotechnik nicht mehr, sprich die Einhaltung von Spannung und Frequenz, und mißachtet die zulässige und mögliche Übertragung von elektrischer Leistung unter Einhaltung des N-1-Kriteriums (d. h., bei Ausfall eines Betriebsmittels ist der Gesamtbetrieb des Netzes aufrechtzuerhalten), dann werden wir bald einen Blackout erleben.

So kam es erst im Juni im deutschen Höchstspannungsnetz mehrmals zu schweren Krisen. Polen hat sich mittlerweile mittels Phasenschieber auf der 380-kV-Seite abgesichert und einen „elektrischen Grenzzaun“ gebaut. Das ist wie ein Ventil, welches überflüssigen deutschen Windstrom steuert. Windstrom liegt unter den Grenzkosten konventioneller Kraftwerke und macht diese unwirtschaftlich.

Auch Regionalversorger müssen immer öfter WKA abschalten, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Die Einnahmeausfälle werden den Betreibern natürlich erstattet.

Ich selbst war 45 Jahre in der Energieversorgung und davon mehrere Jahre in der Zentralen Lastverteilung tätig. Es ist an der Zeit, sich bei allen Mitarbeitern in der Energieversorgung zu bedanken, welche täglich die politischen Versäumnisse und die politische Unwissenheit ausbügeln müssen. Bei einem Blackout benötigt man grundlastfähige Kraftwerke, um das Netz wieder anzufahren. Das geht nicht mit Windkraftanlagen.

Wir brauchen Politik mit Sachverstand und keine Ideologen, wir brauchen den Mut zur Wahrheit, wir brauchen Politik, die sich gegen die Zerstörung der Natur durch WKA einsetzt, wir brauchen Politik, die sich für die Abschaffung der EEG-Umlage und der Stromsteuer einsetzt – das sind wir unseren Kindern und Enkelkindern schuldig.

Wolfgang Kleindienst

Wichtige Begriffe erklärt

- Die KWK-Umlage ist ein im Gesetz für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG) festgeschriebener Passus, der dafür sorgt, daß die erhöhten Kosten der Betreiber von Blockheizkraftwerken durch Umlagen ausgeglichen werden.

- EEG-Umlage: Die EEG-Umlage ist die Differenz zwischen den Kosten, die bei der Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien entstehen, und den Erlösen, die mit dem so erzeugten Strom erzielt werden. Diese Differenz wird auf die Strom-endverbraucher umgelegt.

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