Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Graffiti – ganz legal

Junge Sprayer verschönerten Stromkästen und setzten Idee von VDGN-Mitgliedern um

Die jungen Sprayer und einige Unterstützer
Die jungen Sprayer und einige Unterstützer: v.l.n.r. Klaus Jürgen Velke (VMEG-Regionalgruppe Berlin-Biesdorf-Süd), Claus Lutterodt (Stromnetz Berlin), Tobias Hünig (Outreach), Sonja Wick (Helliwood), Inga Bartl (Helliwood), davor Justin Ebert, hinten Max Ringelhan, Nele Pochadt, Lisa Hellwage Foto: Copyright Helliwood/Christiane Herold

Graffiti ist eine Kunst. Wer einem richtigen Profi-Sprayer bei der Gestaltung seiner Kunstwerke zuschaut, ist begeistert und versteht nicht, warum diese Fähigkeiten nicht mehr im öffentlichen Raum eingesetzt werden. Leider versuchen sich daran zu viele Amateure und so werden Bahnunterführungen, Brücken und Lärmschutzwände mehr zu einem optisch-gestalterischen Desaster, weil die frühere Regel schon lange nicht mehr gilt, daß Graffiti nicht übersprüht (gecovert) werden sollen. Die Gesamtkomposition eines gesprayten Bildes geht damit den Bach runter.

Wer kennt nicht auch die völlig bis zur Unkenntlichkeit beschmierten Stromverteilerkästen. Nur in den seltensten Fällen reichen die „Handskills“, also die handwerklichen Fähigkeiten eines meist pubertierenden Sprayers oder Writers aus, um Stromkästen zu einem Stadtmöbel umzugestalten. Es bleibt einfach nur unfertig. Diesem Eindruck kann sich kaum jemand erwehren, der – wie die VMEG-Regionalgruppe Biesdorf-Süd – mit wachem Auge durch den Kiez gewandert ist und sich die Stromkästen, Trafostationen und Postverteilkästen angeschaut hat.

Es dauerte zwei Jahre, bis die VMEG-Regionalgruppe Biesdorf-Süd ihre Idee, zumindest die Kästen entlang der Köpenicker Straße in Berlin-Biesdorf von jungen Graffiti-Sprayern gestalten zu lassen, realisieren konnte. Dabei kam uns sehr entgegen, daß der regionale Energieanbieter Stromnetz Berlin GmbH seine Stromkästen in Berlin seit Jahren von Kindern und Jugendlichen mit originellen Motiven besprühen läßt. Unter dem Motto „Grau war gestern“ veranstaltet die Stromnetz Berlin GmbH seit 2011 das Schulprojekt Stromkastenstyling. Dabei können Schulklassen an Stromkästen in ihrem Kiez ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Unser Projekt Stromkastenstyling in der Köpenicker Straße unterstützten viele Mitstreiter: das Jugendamt des Berliner Bezirks Marzahn-Hellersdorf, das Medienkompetenzzentrum Helliwood media & education im Förderverein für Jugend- und Sozialarbeit (fjs e.V.), die Kreativagentur 0815 KG als Kooperationspartner sowie das Freizeithaus Balzerplatz in Berlin-Biesdorf, Streetworker von OUTREACH-Mobile Jugendarbeit Berlin und nicht zuletzt Fukuz-Design als fachliche Begleiter vor Ort.

Neun Schüler und Schülerinnen hatten sich im Ferienprogramm für dieses Viertageprojekt angemeldet. Gemeinsam mit professionellen Graffitikünstlern haben sie eigene Motive entwickelt und auf die Stromkästen gesprayt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und freut die Nachbarschaft, weil die Motive auch zu den Straßen passen.

Und nächstes Jahr geht es weiter, weil wir im Rahmen des Bürgerhaushaltes von Marzahn-Hellersdorf eine so große Unterstützung durch die Bevölkerung des Bezirks erfahren haben, daß dieses Projekt über den Bürgerhaushalt finanziert wird. Stromnetz Berlin wird dann in Biesdorf-Nord sein Projekt fortsetzen. Es ist ein kleiner Schritt uns die Stadt zurückzuerobern und wieder den Blick vom Gehweg zu heben und interessiert diese kleinen Kunstwerke anzuschauen. Biesdorf-Süd ist schöner geworden!

Klaus Jürgen Velke, VMEG-Regionalgruppe Biesdorf-Süd

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