Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Bald kommt der neue Pflege-TÜV für Heime

Eine realistische Einschätzung der Betreuungsqualität ist kaum zu erwarten

Hunderttausende Menschen suchen jährlich einen Platz in einem guten Pflegeheim. Nur, was macht eine gute stationäre Pflegeeinrichtung aus? Seit 2008 versuchte man es mit einem System, welches sich Pflege-TÜV nennt. Eigentlich sollte es den Wettbewerb zwischen den Einrichtungen anspornen und gleichzeitig eine Hilfestellung für Platzsuchende werden. Allerdings ist das voll „daneben“ gegangen. Irgendwie hatten alle Seniorenresidenzen/ Pflegeheime eine Bewertung, die sich nur in den Stellen hinter dem Komma, nach der 1 wiederfand. Auch ließ sich nicht an den Kriterien, die primär die Dokumentationen in den Heimen bewerteten, widerspiegeln, ob nun die Pflege und Betreuung gut oder nicht gut war.

Darüber hinaus waren manche Bewertungspunk-te fragwürdig, weil: Wie will ich an der Anzahl der Mittags-Menü-Gänge erkennen, ob die Pflege gut oder schlecht ist in der Institution!

Nun soll zum Ende des Jahres eine neue Bewertung her. Dieses System wird nun schrittweise eingeführt werden und bis Ende 2020 sollen alle stationären Einrichtungen mindestens einmal nach dem neuen Qualitätssystem durch eine externe Prüfinstitution, wie den Medizinischen Dienst der Krankenkassen und den Prüfdienst der privaten Krankenkassen, getestet worden sein. Die neue Bewertung wird den Schwer-punkt z. B. auf den Erhalt der Mobilität und der Selbständigkeit im Alltag, die Vermeidung von Stürzen sowie die Erfassung von wundgelegenen Körperstellen (Dekubitus) legen.

Weiterhin dürfen die Heime selbständig ihre Ausstattung und Angebote einstufen. Mit anderen Worten, das neue Bewertungsergebnis der Heime bündelt die Ergebnisse der externen Qualitäts-prüfung und die von der Einrichtung erhobenen Daten. Ich frage mich an dieser Stelle nur, wie es sein kann, daß die Institution, die geprüft werden soll, zu 50 Prozent Handlungsspielraum über den Ausgang des Ergebnisses durch „eigene erhobene Daten“ nehmen kann! Und ob diese neuen Bewertungskriterien einen schnellen Überblick für Suchende ermöglichen, wage ich allerdings auch zu bezweifeln. Erstens finde ich es wieder sehr kompliziert und zweitens finde ich die Aussagen zu den Themen Schmerzversorgung, korrekte und zeitnahe Umsetzung von nötigen Medikamentengaben und zur Begleitung der letzten Lebensphase unterbelichtet abgebildet. Ich frage mich auch, wo sich die Befragung zur Zufriedenheit der Betroffenen bzw. deren Angehöriger widerspiegelt. Deshalb wird es wohl weiterhin so bleiben, daß es äußerst sinnvoll ist, sich vor Ort selber einen Eindruck zu verschaffen. Hier werden die Sinne geschärft sein für den Umgangston, die Zugewandtheit des Personals bezüglich der Probleme von Bewohnern, die Mimik und Gestik der dort bereits lebenden Personen und ob die Bewohner in den Tagesablauf einbezogen sind oder nur „die Wand“ anstarren. Solche Eindrücke werden auch im neuen Bewertungssystem nicht mit einbezogen und ich denke auch, daß solche entscheidenden Fragen nicht durch einen „TÜV-Prozeß“ beantwortet werden könnten.

Ute Brach

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