Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Vorgesorgt und abgezockt

Direktversicherte fordern Rückzahlung unrechtmäßig verlangter Sozialbeiträge

Millionen vertrauten darauf und zahlten fleißig ein: in eine Direktversicherung. Als „drittes Standbein“ in der Altersvorsorge, neben gesetzlicher und Betriebsrente, war sie in den 80er und 90er Jahren Arbeitnehmern wärmstens empfohlen worden. Doch das bittere Ende kommt mit dem Rentenbeginn: Obwohl ihnen einst Beitragsfreiheit zugesichert worden war, müssen Direktversicherte nun nach Auszahlung ihres Sparbetrages darauf sogar doppelt Beiträge für die Krankenkasse leisten, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil! Sie wehren sich und fordern Wiedergutmachung von der Politik.

Eine Podiumsdiskussion zum Thema fand am 9. April in der Berliner Urania statt, zu der Betroffene aus ganz Deutschland kamen. Rentenexperten von CDU, Grünen, SPD und Linken sollten ihre Vorschläge zur Lösung des Problems vorstellen. Gerhard Kieseheuer vom Verein der Direktversicherungsgeschädigten fordert Beitragsfreiheit und die Rückzahlung von Sozialbeiträgen.

Mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz 2004 sei die sogenannte „doppelte Verbeitragung” von Direktversicherten erst möglich gemacht worden, und zwar für lange vorher geschlossene Verträge, erklärt der Vereinsvorsitzende und betont: „Wir Direktversicherten haben bereits in der Einzahlungsphase Sozialabgaben abgeführt.“ Sein Brief an die Bundeskanzlerin, in dem er das Anliegen erklärte, blieb bisher unbeantwortet.

Die Vertreter der Bundestagsfraktionen im Podium zeigten Verständnis. Doch die Politik müsse sich auf das „Machbare“ konzentrieren, hieß es fast unisono. Eine vollständige Rückzahlung der kassierten Beitragsgelder, Gesundheitsminister Spahn geht da von 40 Milliarden Euro aus, sei nicht vorstellbar. Allenfalls könne es um eine Milderung der härtesten Folgen gehen, etwa den Wegfall des Arbeitgeberanteils bei den Krankenkassenbeiträgen.

Nach einem Gutachten, das der Verein der Direktversicherungsgeschädigten in Auftrag gab, handele es sich um lediglich 10 Milliarden Euro, die an Direktversicherte zurückzuzahlen seien, erklärt hingegen Gerhard Kieseheuer.

Das jahrelange Ringen um Gerechtigkeit hat ihm zugesetzt, bekennt der Rentner. Eigentlich wollte er den Vereinsvorsitz abgeben, doch nun hängt er noch ein weiteres Jahr ran. Noch hofft er auf Fortschritte.

Kerstin Große

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