Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Unverschämt!

Wie eine Krankenkasse mit Eigenheimbesitzern umgeht

An dieser Stelle möchte ich unsere Mitglieder wieder einmal sensibilisieren, nicht alle Ausführungen einer Krankenkasse einfach hinzunehmen. Hinterfragen Sie alles, was Ihnen „komisch“ vorkommt! Wir, die Pflegefachgruppe, helfen Ihnen gerne dabei – wie auch im folgenden Fall: Die Ehefrau eines unserer Mitglieder mußte sich einer erneuten OP unterziehen. Die Ärzte der Klinik schätzten die Heilungsphase als länger andauernd ein und empfahlen eine an die OP anschließende stationäre Reha-Maßnahme.

Reha-Maßnahmen müssen generell bei der Krankenkasse beantragt und durch diese im Vorfeld genehmigt werden. Bei der Befürwortung einer Reha-Maßnahme durch die Krankenkasse ist es allerdings aus Kostengründen üblich, eine ambulante Maßnahme einer stationären vorzuziehen. Der Antrag für eine stationäre Maßnahme wurde in unserem Fall also trotz fachkundiger Begründung durch das Ärzteteam des Krankenhauses von der Kasse abgelehnt.

Da es sich hierbei um eine „Heil“-Reha handelte, deren Ziel die vollständige Genesung ist, war sowohl bei dem Ärzteteam als auch bei der Patientin die Verwunderung über die Ablehnung groß, doch die Begründung schlug dann dem Faß den Boden aus! Die ausschlaggebenden Argumente lauteten „...auf Grund des Eigenheimbesitzes…” und „… der Ehemann ist erst 67 Jahre alt...“ Kaum zu glauben: Man hat alles richtig gemacht, indem man sich unter großen Entbehrungen ein Eigenheim geschaffen hat, um für das Alter vorzusorgen, und dann wird diese Vorsorge als Argument für die Verweigerung medizinischer Leistungen benutzt! Und was hat das Alter einer zweiten Person mit der Heilmethode zu tun? Der Ehemann soll doch nicht die Reha antreten, sondern die Patientin!

Betrachten wir doch mal den Sachverhalt ganz nüchtern: Der demographische Wandel stellt unsere Gesellschaft und damit auch die Politik, die seit Jahren medizinischen und pflegerelevanten Themen nicht die notwendige Bedeutung zugemessen hat, vor große finanzielle und personelle Herausforderungen. Also heißt es, das Geld der Kasse „zusammenzuhalten“, denn man weiß ja nicht, was kommt. Das fördert den Einfallsreichtum der Kassen, die in der Vergangenheit gelernt haben zu testen, wie weit man gehen kann. Es hat ja jeder das Recht, einen Bescheid der Kasse innerhalb der Frist anzufechten... Erfahrungsgemäß wird nur 10 Prozent der Bescheide widersprochen, so hat man 90 Prozent an Kosten gespart.

Dazu kommt noch ein anderer Sachverhalt: die Rolle der medizinischen Einrichtungen. In der Mehrheit haben Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen und andere medizinische Institutionen Rahmenverträge mit den einzelnen Krankenkassen oder aber mit der GKV – Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen – abgeschlossen. Diese Verträge sind das Ergebnis zäher finanzieller Verhandlungen, ähnlich wie bei den Gehaltsverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Wirtschaftsunternehmen. Das bringt die medizinischen Häuser in eine unausgesprochene Zwangslage: Sie haben es schwer, konsequent gegen die Kassen (im Sinne der Patienten) vorzugehen, da es eventuell Auswirkungen auf die nächsten Rahmenverhandlungen der Kassen mit ihrer Einrichtung hätte. Und wir wissen doch alle: „Die Hand, die mich füttert, beiße ich nicht.“

Deshalb steht man dann als Betroffener häufig allein mit seinem Problem da. Unser Mitglied wollte das nicht hinnehmen und nahm Kontakt zu uns auf. Wir bestätigten ihm mit Nachdruck, daß eine Ablehnung einer Reha-Maßnahme, die innerhalb des Sozialgesetzbuches V (das ist – salopp ausgedrückt – unsere medizinische „Vollversicherung“) beantragt wurde, keine Auswirkung auf Haus, Hof und Erspartes hat! Das ist ganz klar rechtswidrig! Bei nachfolgenden fachlich fundierten Gesprächen mit der Krankenkasse fand diese auch schnell wieder auf den Boden der Realität zurück.

Nun freuen wir uns, daß die Reha-Maßnahme angetreten werden kann und wünschen, ganz besonders nach dieser der Gesundheit nicht dienlichen Aufregung, Zeit und Ruhe zur schnellen Genesung! Denn eigentlich sollte es wohl im Heilungsprozeß immer nur darum gehen!

Ute Brach

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