Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Nur miteinander reden hilft

Patientenverfügung abklopfen: Unklarheiten beseitigen, Wünsche respektieren. Kolumne

Sinn und Nutzen einer Patientenverfügung haben wir im Journal des öfteren erörtert. Heute möchte ich das Thema einmal aus pflegerischer Sicht betrachten und dazu Gespräche und Erfahrungen widerspiegeln.

Erst einmal zolle ich all jenen Respekt, die sich dieser emotional schwierigen Aufgabe einer Auseinandersetzung mit diesem Thema stellen! Für Ärzte ist es eine große Erleichterung, wenn eine Patientenverfügung bereits vorliegt und sie sich nicht innerhalb ihrer begrenzten Zeit auch noch damit beschäftigen müssen. Wie häufig diese Verfügung ein Thema ist, stelle ich immer wieder während meiner gutachterlichen Tätigkeit in den Kliniken fest. Je schwerer die Erkrankung ist, umso dringender wird auch eine Patientenverfügung benötigt. Das liegt in der Natur der Sache. Auf einer Wach- oder Intensivstation, so scheint mir, gehört es inzwischen zum täglichen Gesprächsstoff zwischen Ärzten und Erkrankten, oder noch viel häufiger sogar, mit den Angehörigen.

Und wenn es um den Wunsch des Betroffenen geht, stelle ich dort genauso wie bei unseren Beratungen immer wieder Interpretationsschwierigkeiten fest. Das ist auch sehr verständlich, da hier emotionale Bindungen „im Hintergrund“ liegen und wir uns als Angehöriger nicht vorstellen können, daß es bei den heutigen Möglichkeiten und Techniken doch Grenzen gibt. Ganz zu schweigen von unseren Ängsten, als Bevollmächtigter etwas falsch entschieden zu haben. Aber geht es wirklich darum? Diese Frage ist aus meiner Sicht mit einem klaren NEIN zu beantworten, wenn der Betroffene selber in der Patientenverfügung etwas klar und unmißverständlich festgelegt hat!

Ist eine Verbesserung des Gesundheitszustandes medizinisch ausgeschlossen, geht es einzig und alleine darum, den Ausklang des Lebens würdevoll bzw. möglichst leidensfrei zu gestalten. Hier gilt nur noch der Wille desjenigen, der die Patientenverfügung verfaßt hat. Wir als Angehöriger bzw. Bevollmächtigter haben die schwierige Aufgabe unsere Gefühlswelt auszuschalten und egal, wie weh es uns tut, diese Verfügung umzusetzen oder diese Umsetzung zu unterstützen. Mit anderen Worten, wir als Bevollmächtigter sind also nicht berechtigt, davon abzuweichen (es sei denn, das wurde in der Regelung so verankert). So führen z. B. das Fordern einer Magensonde oder einer Dialyse zu erheblichen Irritationen beim medizinischen Personal, wenn der betroffene Patient genau das in der Patientenverfügung ausdrücklich ausgeschlossen hat. In so einem Fall muß herausgefunden werden, inwieweit der Betreuer überhaupt berechtigt ist, so eine Abweichung vornehmen zu dürfen. Es müssen medizinische und teilweise rechtliche Fragen geklärt werden, und das kostet Zeit! Zeit, die der Patient in seiner letzten (finalen) Lebensphase nicht hat. Und solch ein Eingriff kann für ihn unter Umständen auch qualvolle Momente bedeuten, ohne daß ihm in irgendeine Richtung „geholfen“ werden konnte.

Deshalb mein Tip: Alle, die in eine Patientenverfügung irgendwie per Festlegung (bzw. durch weiterführende Klauseln in der Vorsorgeregelung) involviert sind, sollten dringend miteinander reden! Nur so kann man in der Finalphase wirklich richtig entscheiden!

Ute Brach

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