Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Artgerecht gärtnern – es lohnt sich

Natur im Garten: Vom Boden und anderen Standortfaktoren

Herbst und Winter haben nunmehr die Regie übernommen und dem ungewöhnlichen Sommer ein Ende gesetzt. Sie als Gärtnerinnen und Gärtner haben in den Hitzetagen dieses Jahres den Witterungsunbilden getrotzt und versucht, den ihnen anvertrauten Pflanzen in Ihrem Garten das Überleben zu sichern. Wenn dabei noch eine gute Ernte gelang, dann haben Sie gärtnerisches Geschick bewiesen. Sie mußten jedoch auch zusehen, wie Ihre Gartenzöglinge unter dem Trockenheits-, Sonnenlicht- und Hitzestreß litten. Nicht weniger als Sie selbst. Nur, Sie konnten den Schatten aufsuchen, die Pflanzen nicht. Ergebnis: Sonnenbrand. Diese Sachlage hat wieder deutlich gemacht, daß die Kultur von Pflanzen von den natürlichen Standortfaktoren wie Bodenart, Klima, Licht und Relief stark beeinflußt wird. In den vor uns liegenden Monaten legt nun die Vegetation eine Ruhepause ein. Eine solche gibt es für den Gartenliebhaber nicht. Er wird überprüfen, welche Arten und Sorten im zu-rückliegenden Sommer relativ gut über die Runden gekommen sind.

Da derartig ungünstige Witterungsbedingungen als Folge des Klimawandels auch zukünftig nicht ausgeschlossen werden können, gilt es, bei der Planung künftiger Gartenjahre die Erfahrungen des vergangenen mehr denn je zu berücksichtigen. Die richtige Auswahl von Pflanzenarten und Sorten war schon immer für den Erfolg des Gärtners entscheidend. Nun jedoch wird es mit Sicherheit umso wichtiger, seine Standortbedingungen richtig einzuordnen und Gartengestaltung und -nutzung entsprechend zu planen und zu ordnen.

Als Grundsätze gelten:

- 1. Gesunde und leistungsstarke Pflanzen sind nur zu erzielen, wenn deren Ansprüchen gerecht werdende Standortbedingungen vorliegen.

- 2. Unpassende Standortbedingungen führen zu Mißerfolg oder müssen mit erhöhten Aufwendungen (z. B. Anbau in Gewächshäusern, kostspielige Bewässerung, Bodenwechsel) ausgeglichen werden.

- 3. Es ist nicht immer einfach, die im Komplex wirkenden Standortfaktoren den Ansprüchen der Pflanzen entsprechend zu gestalten. Einfacher ist es, die Pflanzen stand-ortgerecht auszuwählen.

Wem ist es noch nicht passiert, im Gartenfachmarkt oder auf Ausstellungen dem Zauber einer blühenden oder grünenden Schönheit erlegen zu sein und diese gekauft zu haben? Das kann aber auch durch Fotos in Katalogen und Zeitschriften ausgelöst werden. Der Kauf erfolgt spontan, ohne die Ansprüche der Pflanze und die verfügbaren Plätze zu berücksichtigen. Das Liebhaberstück wird „plaziert“ und nach geraumer Zeit festgestellt, daß die erwartete Schönheit nur einen Abglanz der Erwartungen erfüllt. Dann liegt die Ursache nicht beim Anbieter, sondern beim Käufer! Er hat vor dem Kauf versäumt, die auf dem Etikett genannten Ansprüche der Pflanze zu lesen und im Zuge der Begeisterung nicht geprüft, ob diese überhaupt im eigenen Revier, egal ob im Garten, Zimmer oder auf dem Balkon, erfüllt werden können. Oder, es ist eine Lücke im Pflanzenbestand zu füllen. Man meint, daß es schon gutgehen wird. Es wird aber nicht gutgehen, wenn die von der Pflanze verlangten Stand-ortfaktoren nicht stimmen.

In der Regel kennt man den normalen Witterungsverlauf des Jahres und kann die Zeit der Aussaat/Pflanzung von Gemüse und Zierpflanzen danach einrichten. Langlebige Arten müssen dauerhaft damit auskommen. Umso sorgfältiger muß geplant werden.

Man kennt auch die Reliefgestaltung (ebene Fläche, Hanglage). An einem Hang mit Südlage werden Pfirsich, Aprikose und Weinrebe gedeihen, an einer Nordlage dagegen nicht. Auch die Lichtverhältnisse (sonnig, halbschattig, schattig) sind leicht zu erkennen.

Die Schlüsselstellung für gesunde Pflanzen nimmt der Boden ein. Etwas schwieriger ist es mit dem Feststellen der bodengebundenen Eigenschaften. Ob ein Sand-, Lehm- oder Tonboden vorliegt, ist mittels Fingerprobe leicht feststellbar. Auch die Feuchtigkeitsverhältnisse sind leicht erkennbar. Schwieriger ist es schon bezüglich des Humusgehaltes. Eine zunehmend dunklere Färbung deutet auf steigenden Humusgehalt hin.

Nicht an äußeren Merkmalen sind Nährstoffgehalt und Bodenreaktion (sauer, neutral, alkalisch) erkennbar. Diese Faktoren können mit Schnelltests sichtbar gemacht werden. Entsprechende Materialien gibt es im Fachhandel.

Eine sichere Aussage liefern allerdings nur Labortests einer Bodenprobe. Eine solche ist immer ratsam, da man nicht nur die Pflanzenbestände entsprechend ihrer Ansprüche (Rhododendron, Hortensien lieben saueren Boden, Kräuter mögen es mehr alkalisch) ansiedeln kann, sondern durch Düngungsempfehlungen ökologisch und bedarfsgerecht Nährstoffe zuführen und auch Kostenminimierung betreiben kann (oft sind Gartenböden mit Nährstoffen überversorgt).

Die Hausmedizin für gesunden Boden ist der Kompost. Den kann man selbst herstellen, und dessen Anwendung ist einfach: Ausgebracht werden 2 Liter pro Quadratmeter je Gabe.

Bei der Pflanzung von Gehölzen aller Art ist immer die Verwendung von in der Region angezogenem Pflanzgut empfehlenswert. Dieses ist unter Naturbedingungen herangewachsen, die denen in Ihrem Garten weitgehend gleichen. Deshalb kommt es im weiteren Wachstum besser zurecht als Pflanzgut aus Regionen mit gänzlich anderen Standortfaktoren.

Als Hobbygärtner ist man stets gut beraten folgenden Grundsatz zu befolgen: Vor dem Pflanzenkauf sollte man in Kenntnis der natürlichen Bedingungen im Garten die Ansprüche der für den Garten/das Zimmer ins Auge gefaßten Pflanzenarten und Sorten beachten und diese dann entsprechend plazieren. Das erspart Enttäuschung und zugleich auch Geld. Es lohnt sich nicht, den Pflanzen etwas aufzuzwingen, was diese nicht mögen. Kommt man ihren Ansprüchen nach, wird man Freude mit und in seinem Garten haben.

Dr. Achim Friedrich, Stellvertr. Kuratoriumsvorsitzender der Lenné-Akademie

zurück