Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wenn einen der Schlag trifft

Einen Schlaganfall erkennen und handeln – jeder Moment ist wichtig!

Ein Rettungs- und ein Notarztwagen
Foto: Rainer Große

Ich glaub, mich trifft der Schlag! Das ist eine Redensart, die man bei einer unangenehmen Überraschung so dahinsagt. Umgangssprachlich ist damit gemeint: jemand ist entsetzt, überrascht, schockiert.

Auch ein Schlaganfall tritt plötzlich, schlagartig und unerwartet auf. Es ist eine Funktionsstörung des Gehirns, bei der infolge von Gefäßverschlüssen oder Hirnblutungen die Nervenzellen des Gehirns in der betroffenen Gehirnregion nicht mehr ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden. Sie stellen ihre Funktionen ein und beginnen abzusterben. Von diesem Moment an zählt jeder Augenblick, denn je länger die Durchblutungsstörung der Gehirnzellen andauert, desto mehr Nervengewebe wird zerstört. Der Schlaganfall ist immer ein NOTFALL!!

Und dieser Schlag kann grundsätzlich jeden treffen. Selbst Kinder können einen Schlaganfall erleiden – wenngleich dies relativ selten ist und hier andere Risikofaktoren als bei den Erwachsenen vorliegen, zum Beispiel angeborene Herzfehler oder kindliche Arterienerkrankungen.Das Risiko steigt allerdings mit zunehmendem Alter an und kann auch durch eine familiäre Veranlagung erhöht sein.

Anzeichen eines Schlaganfalls
Ein Alarmsignal sind Symptome, die das Sehen beeinträchtigen:

- eine plötzliche Einschränkung des Gesichtsfeldes, der Betroffene übersieht z. B. Gegenstände und Menschen auf einer Körperseite, was zu Stürzen oder Unfällen führen kann.

- Störungen des räumlichen Sehens: der Betroffene fühlt sich unsicher und kann sich nicht mehr orientieren

- Doppelbilder sehen: Betroffene sehen Gegenstände überlappend und fassen z. B. beim Griff nach der Tasse daneben oder haben das Gefühl, als schauten sie durch ein Milchglas.

Weitere wichtige Symptome sind Schwindel und Gangunsicherheit:

- so ein plötzlich auftretender Drehschwindel oder Schwankschwindel, verbunden mit dem Gefühl das Gleichgewicht und die Koordination zu verlieren oder verloren zu haben.

- Auch sehr heftige Kopfschmerzen können Zeichen eines Schlaganfalls sein:

- Vorher nicht gekannte extreme Kopfschmerzen, eventuell mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Der Kopfschmerz kann zunächst allein auftreten, dann aber nach einiger Zeit auch zu Lähmungen, Bewußtseinsverlust oder Verwirrtheit führen.

Lähmungen und Taubheitsgefühle treten oft bei einem Schlaganfall auf:

- plötzlich eintretende Lähmungserscheinung auf einer Körperseite

- gestörtes Berührungsempfinden, wie bei einem eingeschlafenen Fuß

- „Pelzigkeitsgefühl“ auf einer Körperseite

- ein herunterhängender Mundwinkel

- auch an Arm oder Bein können Ausfallerscheinungen auftreten

Und auch Sprachstörungen sind bei Schlaganfällen häufig zu beobachten:

- in leichteren Fällen als stockende, abgehackte Sprache, aber auch das Verdrehen von Silben oder Verwenden von falschen Buchstaben

- der Betroffene spricht verwaschen oder lallend, eventuell im Telegrammstil

- In seltenen Fällen kann der Betroffene gar nicht mehr sprechen oder nicht mehr verstehen, was man ihm sagt.

Besonderheit bei Frauen
Wie bei den Männern tritt meist auch bei Frauen eines der beschriebenen typischen Schlaganfall-Symptome auf, allerdings häufig in Kombination mit weniger eindeutigen Merkmalen wie Bewußtseinstörungen, Schmerzen, Mißempfindungen oder Verwirrtheit. Leider dauert es deshalb oft länger, bis der Schlaganfall erkannt und entsprechend behandelt wird.

Deshalb: Schon das Auftreten eines deutlichen typischen Symptoms begründet den Verdacht auf einen Schlaganfall!

Bei der Beantwortung der Fragen der Notrufzentrale sollten Sie unbedingt erwähnen, daß die betroffene Person Symptome eines Schlaganfalls zeigt.

Achtung: In manchen Fällen können aufgetretene Symptome nach einigen Minuten vollständig abklingen. Dann liegt eine transitorische ischämische Attacke (TIA) vor. Auch hierbei handelt es sich um einen Notfall, da die Gefahr eines weiteren Schlaganfalls mit bleibenden Folgen hoch ist!

Risiken und Vorsorge
Zwar setzen die Symptome eines Schlaganfalls plötzlich ein, er entwickelt sich aber nicht in Minuten: Vielmehr bahnt er sich – meist still und leise – über viele Jahre hinweg an.

Zu den bekannten Schlaganfall-Risiken gehören: Übergewicht, Bewegungsmangel, Fettstoffwechselstörung, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, anlage- bzw. altersbedingte Gefäßwandschwäche, Dauerstreß, Einsetzen der Menopause, koronare Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, z. B. Vorhofflimmern.

Menschen, die mehrere Risikofaktoren (gleichzeitig) aufweisen, haben ein vielfach höheres Risiko einen Schlaganfall zu erleiden. Manche Faktoren kann man nicht beeinflussen, andere sind durch eine konsequent gesunde Lebensweise vermeidbar. Bestimmte Risikofaktoren wiederum können kontrolliert und durch Medikamente beeinflußt werden.

Gefäßveränderungen und Gefäßkrankheiten bleiben oft lange ohne Beschwerden und nicht jeder Mensch weiß frühzeitig um sein erhöhtes Risiko. Aus diesem Grunde ist die Wahrnehmung des regelmäßigen Gesundheits-Checkup zur frühzeitigen Erkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes ab 35 sinnvoll. Bei familiärer Vorbelastung ist darüber hinaus eine umfassende Untersuchung zur Früherkennung von besonderen Schlaganfallrisiken mit eingehender Gesundheitsberatung zur Vorsorge ratsam.

Sandra Halfpaap

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