Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Was kostet ein Pflegeheimplatz?

Komplizierte Berechnung des Eigenanteils – ein Wegweiser durch den Zahlendschungel

Pflegeheim
Foto: Rainer Große

Immer wieder erhalten wir Anfragen zum Thema Kosten eines Pflegeheimplatzes. Diese Frage kann exakt nur im jeweiligen Einzelfall beantwortet werden, da dies von verschiedenen Faktoren abhängig ist:

- 1. unterschiedlich nach Bundesland

- 2. differenziert nach Pflegegrad

- 3. variabel je nach Heimanbieter.

Allerdings lassen sich natürlich die definierten Grundlasten erklären. Bei allen Beispielen beziehen wir uns auf einen Mittelwert aller Zahlen von Deutschland im Jahre 2017, sie sind also fiktiv. Prinzipiell sind die Kosten wie folgt aufgebaut:

- A) EEE-Anteil (Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil) der Pflegesatzkosten

- B) „Hotelkosten“(Unterkunft, Verpflegung, Investitionen)

- C) Ausbildungspauschale (bei manchen Heimen wird sie unter Punkt A mit einberechnet)

Zu A) Schritt 1: Die Pflegekassen verhandeln mit dem Anbieter (Einrichtung oder deren Verbände) und dem Bundesland den Pflegesatz pro Tag pro Bewohner pro Pflegegrad. Dieser wird dann mit der Zahl 30,42 multipliziert (für durchschnittlich 30,42 Tage pro Monat).

Das ergibt dann den monatlichen Pflegesatz pro Pflegegrad (Schritt 1). Manche Heime geben diesen in den Kostenaufstellungen noch mit an, andere listen nur noch den nachstehenden EEE-Anteil auf.

Beispiel: Ein Heimbewohner hat den Pflegegrad III und würde demzufolge pro Tag einen Pflegesatz von 55,00 Euro (fiktiv) „verbrauchen“. Für den Monat würde das 1.673,10 Euro ergeben.

Um nun den Einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) zu ermitteln, berechnet das Heim alle Pflegesätze durch alle Pflege-grade hindurch nach dem oben angegebenen Schritt 1. Danach ermittelt das Heim seine Bewohner nach Anzahl der Bewohner im jeweiligen Pflegegrad und multipliziert die Anzahl mit dem Pflegesatzwert pro Monat (Schritt 2). Hat also das Heim 10 Heimbewohner im Pflegegrad IV, dann heißt das: 10 x 2129,40 Euro = 21.294,00 Euro. Diese Rechnung wird nun mit jedem Pflegegrad vorgenommen und zum Schluß werden die Werte addiert (Schritt 3). Davon werden dann noch die Kassengelder abgezogen (Schritt 4). Das Ergebnis wird dann durch die Gesamtzahl der Heimbewohner dividiert (Schritt 5). Dieser daraus sich ergebende Wert ist dann der EEE-Anteil jedes Heimbewohners (egal mit welchem Pflegegrad) dieses Pflegeheims!

Beispiel: Das Heim hat 65 Bewohner mit Pflegegrad III, 10 Bewohner mit Pflegegrad IV und 25 Bewohner mit Pflegegrad V, also insgesamt 100 Heimbewohner.

Schritt 2: Dann wird gerechnet:

- 65 x (PG III 55,00 Euro pro Tag) 1673,31 Euro pro Monat =108.751,50 Euro

- 10 x (PG IV 70,00 Euro pro Tag) 2129,40 Euro pro Monat = 21.294,00 Euro

- 25 x (PG V 80,00 Euro pro Tag) 2416,00 Euro pro Monat = 60.400,00 Euro

Schritt 3: Danach werden die Endsummen der Pflegegrad-Gruppen addiert, in unserem Fall bedeutet das eine absolute Summe von (108.751,50 Euro + 21.294,00 Euro + 60.400,00 Euro) 190.445,50 Euro.

Schritt 4: Von den 190.445,50 Euro werden nun die Zuschüsse aus der Pflegekasse abgezogen, d. h.: 190.445,50- (65 x 1262,00 Euro für PG III)- (10 x 1775,00 Euro für PG IV) – (25 x 2005,00 Euro) = 40980,50 Euro.

Schritt 5: Zum Schluß werden dann diese 40.980,50 Euro durch die Anzahl der Heimbewohner der Einrichtung geteilt, also :

40.980,50/ 100 Bewohner = 409,85 Euro = EEE-Anteil.

Zu B) Die „Hotelkosten“

Sie setzen sich zusammen aus den Investitionskosten des Pflegeheims, der Verpflegungspauschale und den Unterkunftskosten. Diese Finanzmittel haben nichts mit dem EEE-Anteil zu tun und müssen immer zusätzlich geleistet werden. Der Pflegegrad des Bewohners spielt hierfür keine Rolle.

Nun wird der Gesamtwert pro Tag wiederum um den Faktor 30,42 multipliziert und das ergibt dann den Monatswert zu den „Hotelkosten“.

Beispiel: 1-Bett- Zimmer: 39,28 Euro x 30,42 = 1.194,89 Euro

Zu C) Ausbildungspauschale

Die Ausbildungspauschale unterscheidet sich nach Bundesland und Anzahl der in dem Heim ausgebildeten Anzahl von Schüler(innen). Ein Heim, welches viele Auszubildende hat, hat hier einen höheren finanziellen Wert als eine Institution, die weniger Schüler ausbildet. Daran ist in erster Linie auch nichts auszusetzen, da diese Personen (wenn alles richtig gemacht wird) zusätzlich zu dem bereits ausgebildeten Personal zur Verfügung stehen und dadurch jedem Heimbewohner. Dieser Wert ist für jeden Heimbewohner gleich. Manche Heime rechnen dieses nichts extra, sondern integrieren es bereits in den EEE.

Beispiel: in unserem Rechnungsbeispiel setzte ich 2,50 Euro pro Tag an, d. h. im Monat dann: 30,42 (Tagessätze) x 2,50 Euro = 76,05 Euro pro Monat und Heimbewohner.

Summiert man in unserem Beispiels A, B und C, ergeben sich folgende Werte:

- Aus Teil A : 409,85 Euro = EEE-Anteil.

- Aus Teil B: 1.194,89 Euro = „Hotelkosten“

- Aus Teil C 76,05 Euro = Ausbildungspauschale

Ergibt einen zu leistenden eigenen Anteil aus Rente, Erspartem, Zuschüssen von den Kindern usw.: von 1.680,79 Euro pro Monat.

Ute Brach

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