Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Die drinnen und die draußen

Von Holger Becker, VDGN-Pressesprecher

Es ist in allen deutschen Großstädten dasselbe. Die Mieten und die Preise für das Wohneigentum steigen in den Innenstädten hinauf zu schwindelerregenden Höhen. Menschen mit einem Einkommen, das im Durchschnitt oder darunter liegt, können sich deshalb das Wohnen in den sog. City-Lagen nicht mehr leisten. Sie werden an den Rand dieser Städte oder ins Umland gedrängt, wo die Preise ebenfalls steigen. In den Innenstädten findet eine soziale Homogenisierung statt. Dort wohnen bald nur noch wohlhabende Leute, darunter viele, die keinerlei Lebensleistung aufzuweisen haben. Die von drinnen allerdings brauchen die von draußen an jedem einzelnen Tag: als Busfahrer, Kellner, Friseure, Verkäufer usw. Weshalb die von draußen an jedem einzelnen Tag nach drinnen gelangen müssen.

Die von drinnen fahren mit dem Fahrrad zu ihren Vergnügungen oder auch zur Arbeit. Sie haben es ja nicht weit. Die von draußen müssen weite Strecken zurücklegen – mit öffentlichen Verkehrsmitteln, deren Benutzung immer teurer wird, oder mit dem eigenen Auto. Denn ein Auto braucht man draußen ohnehin. Am billigsten ist für sie derzeit das Fahren mit Dieselantrieb.

In ihrer City-Welt möchten die von drinnen aber eine Luft wie an der Nordsee oder im Schwarzwald haben. Sie sind ja so gesundheits- und umweltbewußt, rauchen nie, essen Bio-Gemüse und wählen gern die Grünen, die Partei der Besserverdienenden mit Gewissensberuhigungsdrang. Die von drinnen verstehen es, Druck zu machen, und haben die Möglichkeiten dafür. Weg mit dem Diesel, ja weg mit dem Auto!, heißt eine ihrer Parolen. Her mit dem Fahrrad! Die Probleme derer von draußen sind ihnen piepegal.

Die Administrationen deutscher Großstädte folgen immer mehr den Wünschen derer von drinnen. Oft sind Politiker und Verwaltungsbeamte ja Fleisch von deren Fleische. In Berlin zum Beispiel führt das zu einer kaum noch kaschierten Klientelpolitik. Allen Ernstes wartet die von Grünen geführte Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz mit Plänen auf, den Autoverkehr auf großen Ausfallstraßen wie der Karl-Marx-Allee auf eine Spur einzuengen. „Wer in Berlin Auto fährt, hat zu viel Zeit“, höhnte der zuständige Staatssekretär über einen Großteil jener Menschen, die das Leben in der Innenstadt am Laufen halten.

Selbstverständlich ist es ein gutes Ziel, die Zahl der Fahrzeuge mit schädlichen Abgasen zu verringern. Aber dazu müßten die Tickets für den öffentlichen Nahverkehr billiger und nicht immer teurer werden. Estlands Hauptstadt Tallinn beweist, sogar der Nulltarif ist möglich. Oder warum verhalten sich Berlins Verkehrsverantwortliche wie die Zicken an Stricken, wenn es um das Thema „Park + Ride“ geht? Einem umfangreichen Ausbau stehe Berlin „zurückhaltend gegenüber“, heißt es offiziell. Was in der Tat vor allem für Parkplätze an S-Bahnhöfen gilt, die es denen von „draußen“ ermöglichen würden, den preisgünstigeren Tarif innerhalb der Stadtgrenze zu nutzen.

Die City-Bonzen und Öko-Kalifen der Innenstadtringe werden hoffentlich scheitern mit ihrer Politik des Schutzes nur einer bestimmten Menschensorte. Denn durchsetzen läßt sich das auf Dauer nur mit Schritt für Schritt diktatorischer werdenden Mitteln.

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