Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Sparen bei den Schwächsten – das geht gar nicht!

Kolumne von Ute Brach

Ute Brach

Da gibt es doch das Sprichwort: Neue Besen kehren gut... Das will man uns wohl auch mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz II erklären.

Neben einigen Verbesserungen, die die neuen Regelungen bringen, hakt es leider an manchen Stellen gewaltig, scheint vieles zu wenig durchdacht. So auch die altbekannte Leistung des von der Pflegekasse bezahlten Krankentransportes: Bisher konnten Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen nicht mehr selber zum Arzt kommen können, sie nutzen. Voraussetzung war die Pflegestufe 2.

Diese Pflegestufe 2 hat man nun mit den neuen gesetzlichen Regelungen aufgesplittet in zwei Pflegegrade. Pflegegrad 3 erhielten all jene, die „nur“ körperliche Einschränkungen haben. Den Pflegegrad 4 dagegen Menschen, die zusätzlich zu ihren körperlichen Einschränkungen noch eine eingeschränkte Alltagskompetenz haben, z. B. unter einer Demenz leiden.

Somit haben Politik und Pflegekassen Spielraum im neuen System, den Krankentransport sowohl für den Pflegegrad 3 oder 4 festzulegen. Man tendiert zu letzterem, war auf Anfrage beim Berliner Pflege-Rechts-Forum im Januar zu hören.

Kaum zu glauben! Was für ein Irrsinn – körperlich gehandicapten Menschen mit Pflegegrad 3 einen bezahlten Krankentransport künftig vielleicht zu versagen. Betroffenen also, die ohnehin im Alltag benachteiligt sind, weil vieles für sie aufgrund vorhandener Barrieren schlecht oder gar nicht erreichbar ist. Die Vermutung liegt nahe, daß dahinter wie so oft der Druck zu sparen steht.

Aber hier wird am falschen Ende, bei den Schwächsten, geknausert. Und das kann nicht im Sinne des Erfinders liegen, wenn es heißt, mit dem neuen Pflegesystem sollen pflegebedürftige Menschen angemessenere Unterstützung bekommen.

Hoffen wir also, daß sowohl die Politik als auch die Hauptverbände der Krankenkassen noch rechtzeitig aufwachen und ethische Größe zeigen!

 

 

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