Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Ofen, Kamin und Wärmepumpe

VDGN-Telefonforum zum Thema Heizung

Was ist die richtige Heizung für mich? Worauf beim Dachausbau achten? Wo lohnt ein Energiecheck? Und wo läßt sich sparen? Fragen zum energiesparenden Heizen im Haus beantwortete Birgit Holfert (im Bild), Energieexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt, im VDGN-Telefonforum.

Ich wohne als Mieterin in einem alten Haus, in dem noch mit Kachelöfen geheizt wird und keinerlei energetische Sanierungen vorgenommen wurden. Der Besitzer des Hauses ist kürzlich verstorben. Sind die Erben verpflichtet, energetische Sanierungen an dem Haus vorzunehmen?
Die Antwort ergibt sich bereits aus der Energieeinsparverordnung ENEV 2014, § 10 „Nachrüstung bei Anlagen und Gebäuden“. Unter Absatz 3 und 4 findet sich folgende Vorschrift:

Eigentümer von Wohngebäuden sowie von Nichtwohngebäuden, die nach ihrer Zweckbestimmung jährlich mindestens vier Monate und auf Innentemperaturen von mindestens 19 Grad Celsius beheizt werden, müssen dafür sorgen, daß zugängliche Decken beheizter Räume zum unbeheizten Dachraum (oberste Geschoß-decken), die nicht die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2:2013-02 erfüllen, nach dem 31. Dezember 2015 so gedämmt sind, daß der Wärmedurchgangskoeffizient der obersten Geschoßdecke 0,24 Watt/(m²K) nicht überschreitet. Die Pflicht nach Satz 1 gilt als erfüllt, wenn anstelle der obersten Geschoßdecke das darüberliegende Dach entsprechend gedämmt ist oder den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2:2013-02 genügt. Bei Maßnahmen zur Dämmung nach den Sätzen 1 und 2 in Deckenzwischenräumen oder Sparrenzwischenräumen ist Anlage 3 Nummer 4 Satz 4 und 6 entsprechend anzuwenden.

Bei Wohngebäuden mit nicht mehr als zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer eine Wohnung am 1. Februar 2002 selbst bewohnt hat, sind die Pflichten nach den Absätzen 1 bis 3 erst im Falle eines Eigentümerwechsels nach dem 1. Februar 2002 von dem neuen Eigentümer zu erfüllen. Die Frist zur Pflichterfüllung beträgt zwei Jahre ab dem ersten Eigentumsübergang.

Die Nachrüstverpflichtung (Dämmung obere Geschoßdecke oder Dach) hätte vom Hausbesitzer bereits zum 31. Dezember 2015 umgesetzt werden müssen. Eine Ausnahme bestand nur für Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern, bei denen der Eigentümer eine Wohnung selbst bewohnt. Der Erbe tritt als neuer Besitzer in diese Verpflichtung ein und muß dieser sofort nachkommen. Leider ist es oft so, daß Hauseigentümer bzw. Erben diese gar nicht kennen. In diesem Fall könnten die Mieter den neuen Hauseigentümer über diese Verpflichtung informieren und bitten oder gar auffordern, diese Dämmung vorzunehmen.

Allerdings kann der Vermieter die Kosten dieser Dämmaßnahme als Modernisierung auf die Miete umlegen. Trotzdem sollten die Mieter darauf bestehen. Die Dämmung der Obergeschoßdecke ist eine der preiswertesten Maßnahmen und bringt bis zu 10 Prozent Energieersparnis. Nur wenn der Dachbereich komplett ausgebaut wird, muß das Dach gedämmt werden. Ansonsten ist die Dämmung der Decke über den obersten Wohnräumen preiswerter und zu bevorzugen, wobei die Dämmung bis in die Drempel gezogen werden sollte. Die Dämmstärke richtet sich nach dem zu verwendenden Material und dem Gebäudezustand. Mit einem Gebäudecheck der Verbraucherzentrale (Kostenpunkt 20 Euro) kann man sich vor Beginn der Arbeiten ausführlich beraten lassen, um keine Fehler zu machen. Diesen Gebäudecheck können sowohl Hauseigentümer als auch Mieter von Einfamilienhäusern in Anspruch nehmen.

Ob die Kachelöfen gegen eine moderne Heizung ersetzt werden müssen, hängt von deren Alter und den Emissionswerten (Abgaszusammensetzung) ab. Hier gibt es die Austauschverpflichtungen nach der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung BIimSch. Seit dem 1. Januar 2015 dürfen Kamine und Kachelöfen, die älter als 40 Jahre sind und die vorgeschriebenen Emissionswerte überschreiten, nicht mehr betrieben werden und müssen entweder mit Filtern nachgerüstet oder durch moderne Heiztechnik ersetzt werden. Ob der eigene Ofen oder Kamin dazu gehören, legt der Schornsteinfeger fest.

Für energetische Gebäudesanierungen gibt es vielfältige Fördermaßnahmen – sowohl zinsgünstige Kredite für größere Baumaßnahmen als auch Zuschüsse für Einzelmaßnahmen stehen über die KfW-Bank oder das Bafa zur Verfügung. So gibt es etwa für die Installation von modernen Brennwert-Heizkesseln und die Stillegung alter Kessel derzeit 15 Prozent Zuschuß. Dieser wird für die gesamte Bausumme gewährt, also auch für die Neuinstallation von Heizkörpern, Rohrleitungen, Thermostaten, Schornsteinsanierung usw. Eine ausführliche und detaillierte Beratung dazu erhalten Sie ebenfalls durch die Energieberater der Verbraucherzentrale.

Unser sechs Jahre altes Eigenheim wird über eine Luft-Wärmepumpe beheizt. Der Heizstromverbrauch für die Anlage liegt wesentlich höher als seinerzeit vom Architekten prognostiziert. Woran kann das liegen und was kann man tun, um den Stromverbrauch der Wärmepumpe zu reduzieren?
Ursache könnte hier eine falsch eingestellte Regelung sein, zum Beispiel eine falsche Heizkurve oder auch eine zu hohe Warmwassertemperatur. Um eine konkrete Ursache zu finden, bietet sich ein Heiz-Check der Verbraucherzentrale an (Kosten 40 Euro). Dieser kann auch für Gas- oder Ölkessel vorgenommen werden. Ein Energieberater nimmt die gesamte Anlage genauestens unter die Lupe, ermittelt die eingestellten Regelungswerte, mißt für ca. 24 Stunden die Heizungsvor- und Rücklauftemperaturen sowie die Raumtemperatur im Wohnzimmer und gibt danach konkrete Hinweise und Verbesserungsvorschläge, wie zum Beispiel durch Korrekturen an den Regelungseinstellungen Energie eingespart werden kann.

Anmeldungen für eine Beratung in der nächstgelegenen Beratungsstelle, einen Gebäude- oder Heiz-Check können unter der kostenlosen Hotline 0800 – 809 802 400 vorgenommen werden.

 

 

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