Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Reisemängel, Flugausfall und Zugverspätung

Telefonforum zum Thema: Die Rechte von Reisenden

Busreisegruppe bei der Rast
Foto: Rainer Große

Wenn der Urlaub zum Desaster wird: Katrin Pötschke, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen, beriet im Telefonforum des VDGN über die Rechte von Reisenden.

Wir sind unzufrieden mit unserem Ferienhausurlaub, insbesondere die Reinigung ließ zu wünschen übrig. Das haben wir nach unsere Rückreise auch unserem Reiseveranstalter mitgeteilt. Haben wir eine Chance, etwas von unseren Reisekosten zurückzubekommen?
Handelt es sich um einen Pauschalreisevertrag im Sinne der §§ 651 a ff. BGB, gilt es zu ermitteln, ob überhaupt ein Reisemangel oder eine bloße Unannehmlichkeit vorliegt, die der Reisende entschädigungslos hinzunehmen hat. Handelt es sich nicht um eine hinzunehmende Unannehmlichkeit, können dem Reisenden unter dem Gesichtspunkt der Minderung ein Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises bis hin zu dessen vollständiger Rückzahlung zustehen.

Liegt ein Reisemangel vor, ist weiter zu prüfen, ob Sie bereits am Urlaubsort dem Reiseveranstalter telefonisch oder bei dem Reiseleiter vor Ort – die Mängel angezeigt haben. Weitere Voraussetzung ist die Wahrung der einmonatigen Frist zur Anspruchsanmeldung beim Reiseveranstalter nach dem vertraglich vereinbarten Reiseende. Diese Frist gilt noch bis 30. Juni 2018.

Was sollten wir beachten, falls wir im Urlaub krank werden? Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die ärztliche Behandlung im Ausland?
In vielen Ländern werden gesetzlich Krankenversicherte mit der „Europäischen Krankenversichertenkarte” – der Rückseite der elektronischen Gesundheitskarte – auf Kosten Ihrer Krankenkasse behandelt. Das gilt für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und für weitere Länder, die mit Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen haben. Für alle anderen Länder brauchen Sie auf jeden Fall eine spezielle Auslandsreise-Krankenversicherung.

Doch selbst in den EU-Staaten und den Ländern, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat, können Urlauber ganz oder zumindest teilweise auf ihren Kosten sitzenbleiben. Wird nämlich die Europäische Krankenversicherungskarte nicht akzeptiert, behandelt der Arzt den Urlauber als Privatpatienten zu höheren Kosten. Erfolgt die Behandlung als Privatpatient, muß zudem jede Behandlung sofort bezahlt werden. Auch gehört der Rücktransport aus dem Urlaubsland nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Nur über die private Auslandsreisekrankenversicherung können die Kosten ersetzt werden.

Uns wurde auf Mallorca unser ganzes Urlaubsgeld gestohlen. Wir haben das nicht angezeigt und fragen uns, was wir überhaupt hätten machen sollen? Das Geld ist eh weg, oder?
Wichtig ist, sofort Anzeige bei einem Polizeirevier zu erstatten. Eine Liste mit den gestohlenen Dingen ist auch immer sehr hilfreich. Das ist vor allem dann wichtig, wenn man seinen Schaden durch seine Versicherung ersetzt bekommen möchte. Denn für Schäden durch Diebstähle kann eine Reisegepäckversicherung aufkommen. Hat man eine solche Versicherung aber nicht abgeschlossen, greift manchmal die Hausratversicherung. Diese kann eine Außenversicherung beinhalten. Der Schutz über die Hausratversicherung ist allerdings manchmal eingeschränkt. Es lohnt daher, einen Blick in die Versicherungsbedingungen zu werfen.

Wir fliegen im Winter nach Island. Welche Rechte haben wir, falls unser Flug aus Witterungsgründen ausfallen sollte?
Haben Sie nur den Flug gebucht und wird Ihr Flug kurzfristig annulliert, haben Sie neben dem Recht auf „Geld zurück“ ein Recht auf Ausgleichszahlungen von bis zu 600 Euro. Dabei ist es völlig egal, ob Sie als Fluggast das Ziel Ihrer Reise verspätet erreichen, weil Ihr Flieger gestrichen wurde, überbucht war oder einfach zu spät gestartet ist. Ihr Anspruch auf eine Ausgleichzahlung entfällt nur dann, wenn die Annullierung oder Verspätung Ihres Fluges die Folge von „außergewöhnlichen Umständen“ ist. Das sind Umstände, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßgaben ergriffen worden wären. Dies können zum Beispiel sein: Unwetter, Vogelschlag, Sperrung des Luftraums bzw. Flughafens, unvermeidbare Sicherheitsrisiken oder politische Instabilität.

Doch die genannten Umstände bilden die Ausnahme. Ein Großteil der von den Fluggesellschaften aufgeführten Umstände ist nach Ansicht der Gerichte nicht außergewöhnlich. 

Ist ein annullierter Flug Teil einer Pauschalreise, kann der Passagier Rechte gegenüber dem jeweiligen Reiseveranstalter geltend machen. Verkürzt sich die Reise durch einen späteren Hinflug, kann der Reisende eine anteilige Erstattung des bezahlten Preises für versäumte Urlaubstage beanspruchen.

Im Fall einer Kurzreise können die Reisenden kostenlos von der Reise zurücktreten und den Reisepreis zurückfordern, wenn zum Beispiel nur ein dreitägiger Städtetrip erst an Tag zwei angetreten werden kann. Beträgt die Verspätung hingegen mehrere Stunden, gilt das als zumutbar. Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit kann generell nicht gefordert werden.

Handelt es sich nicht um eine Pauschalreise, hat der Reisende also Unterkunft und Flug separat gebucht, bekommt er die Hotelkosten beispielsweise nicht erstattet.

Unsere Ferienunterkunft entsprach überhaupt nicht unseren Erwartungen, wir sind deshalb früher abgereist und möchten gern die Kosten für unsere Buchung zurückbekommen. Ist das möglich?
Wie schon in der Frage zuvor gesagt – handelt es sich um einen Pauschalreisevertrag im Sinn der §§ 651 a ff. BGB, gilt es zu ermitteln, ob überhaupt ein Reisemangel oder eine bloße Unannehmlichkeit vorliegt, die der Reisende entschädigungslos hinzunehmen hat. Wenn eine Unterkunft nicht den eigenen Erwartungen entsprach, ist das eine sehr subjektive Aussage. Hier müßte anhand der Beschreibung und vertraglichen Vereinbarung zur Unterkunft geprüft werden, ob ein Mangel der Unterkunft vorliegt. Handelt es sich nicht um eine hinzunehmende Unannehmlichkeit, können dem Reisenden unter dem Gesichtspunkt der Minderung ein Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises bis hin zu dessen vollständiger Rückzahlung zustehen. Liegt ein Reisemangel vor, ist weiter zu prüfen, ob Sie bereits am Urlaubsort dem Reiseveranstalter die Mängel angezeigt haben. Eine weitere Voraussetzung ist die Wahrung der einmonatigen Frist zur Anspruchsanmeldung beim Reiseveranstalter nach dem vertraglich vereinbarten Reiseende (diese Frist ist noch bis 30. Juni 2018 zu beachten). Zusätzlich können auch Ansprüche auf Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden in Erwägung gezogen werden.

Wir haben über die Deutsche Bahn Fahrkarten nach Österreich gebucht. Ist die Bahn in Österreich unser Ansprechpartner, falls es zu Verspätungen kommt, oder die Deutsche Bahn? Und was müssen wir dokumentieren, falls sich die Züge in Österreich verspäten und wir somit die Anschlußzüge nicht erreichen? Was können wir in dem Fall reklamieren und wo?
Liegt eine Verspätung vor, so werden folgende Entschädigungen gezahlt: 25 Prozent des Kartenpreises ab 60 Minuten Verspätung und 50 Prozent des Kartenpreises ab 120 Minuten Verspätung.

Sowohl innerhalb eines EU-Mitgliedsstaates als auch bei Fahrten zwischen EU-Mitgliedstaaten werden diese Entschädigungen gezahlt. Im Falle einer Beschwerde sollten hinreichende Beweise vorgelegt werden können. Zu beachten ist, daß der vorgelegte Fahrschein von dem Bahnpersonal entwertet worden sein sollte. Nur dies kann belegen, daß die bemängelte Verbindung tatsächlich vom Anspruchsteller gefahren wurde. Verspätungen sollten dokumentiert werden. Entsprechende Vermerke können vom Zugpersonal oder am Bahnhof durch Mitarbeiter eines DB Service Points oder eines Reisezentrums auf dem Fahrschein oder auf dem Fahrgastrechte-Formular aufgebracht werden. Durch eine Verspätung können erhebliche Folgeschäden entstehen, zum Beispiel kann unter Umständen eine Hotel- oder Flugbuchung nicht mehr wahrgenommen werden. Die Eisenbahnunternehmen haften grundsätzlich nicht für derartige Folgeschäden. Von der Haftung umfaßt sind nur die hier dargestellten Entschädigungszahlungen und Hilfeleistungen.

Ist absehbar, daß eine Verspätung von mindestens 60 Minuten eintritt, haben Fahrgäste ein Wahlrecht: Erstattung des vollen Fahrpreises oder des Fahrpreises für Teilstrecken, die noch nicht gefahren sind. Sind Teilstrecken bereits vergeblich gefahren worden, ohne daß dies für den Fahrgast von Nutzen war, hat er einen Anspruch auf Rücktransport zum Ort des Fahrtbeginns oder Fortsetzung der Fahrt zu gleichen Reisebedingungen, wobei die Strecke von der ursprünglich gewählten abweichen kann. Der Fahrgast kann zudem wählen, zu welchem Zeitpunkt er die Reise antreten will – sofort oder an einem von ihm selbst bestimmten späteren Zeitpunkt.

Der Anspruch besteht unabhängig davon, ob ein Ausfall oder eine Verspätung vorliegt. Es kommt allein auf die Verspätung an, die ein Reisender erfährt. Diese ergibt sich aus dem Vergleich von der geplanten mit der tatsächlichen Ankunftszeit. Erstattungsfähig sind auch die Entgelte für nutzlos gewordene Reservierungen.

 

 

zurück