Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Düstere Aussichten

Kleingartenkonferenz in Berlin: Immer weniger Kleingärten in vielen Bezirken

Am 29. August 2017 lud die CDU-Fraktion Berlin zur Kleingartenkonferenz. Stefan Evers (CDU, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin) moderierte die Veranstaltung und begrüßte Günter Landgraf (Präsident des Kleingarten-Landesverbandes Berlin), Gabriele Gutzmann (Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz) und Andreas Faensen-Thiebes (BUND), um den aktuellen Sachstand zum Kleingartenentwicklungsplan Berlin zu diskutieren.

Schaut man sich die nüchternen Zahlen an, ist schon fraglich, ob überhaupt von der Entwicklung des Kleingartenwesens gesprochen werden kann, schließlich wurden allein seit 2004 in Berlin über 6.000 Kleingärten vernichtet. Aus einer von der Senatsverwaltung vorgelegten Prognose wird sichtbar, daß die Verfügbarkeit von Kleingartenflächen pro Einwohner sich im Vergleich von 2013 zu 2025 in den meisten Bezirken verschlechtern, in vielen sogar halbieren wird. Die Nachfrage zeigt jedoch, daß die heutigen rund 73.000 Parzellen nicht ausreichen. Doch Abhilfe ist nicht zu erwarten. Im Senatsbericht vom 11. August 2015 findet sich die Aussage: „Die Neuausweisung von Kleingartenflächen wird unter den gegebenen finanziellen Bedingungen des Landes Berlin und dem knappen Flächenangebot, das zudem unter deutlicher Nachfragekonkurrenz steht, in nennenswerter Größe nur schwer umsetzbar sein.“ Vom Senat gibt es keinen aktuellen Entwicklungsstand. Ein Plan für die Zukunft des Kleingartenwesens in Berlin liegt offenbar nicht vor.

Kritisiert wurde auch der völlig intransparente Entwicklungsprozeß. Dabei fehle es vor allem an der notwendigen Öffentlichkeit. Selbst Abgeordnete könnten die Protokolle nicht einsehen. Zwangsweise muß jeder Kleingärtner das Gefühl bekommen, daß die zuständigen Stellen einschließlich des Landesverbandes der Kleingärtner Berlin wieder einmal Politik hinter verschlossenen Türen machen.

Auf die Nachfrage zur Nachverdichtung, wie sie beispielsweise in Hamburg zum Leidwesen der Kleingärtner praktiziert wird, wurde nicht eingegangen. Der VDGN ist strikt dagegen, daß Parzellen verkleinert werden und gleichzeitig Flächen am Rande der Anlagen für die Bebauung freigegeben werden. Dadurch werden keine Kleingärten gesichert, sondern Flächen vernichtet. Die Notwendigkeit des Wohnungsbaus kann nicht in Abrede gestellt werden. Doch Lösungen, die keine Vernichtung von Kleingartenflächen beinhalten, sind durchaus vorhanden. So wies beispielsweise Stefan Evers auf die Nachverdichtung schon versiegelter Flächen hin (z.B. über Supermärkten). Der VDGN wird sich auf der kommenden Verbandstagung zu einer wirklichen Kleingartenpolitik bekennen und für eine Zukunft für Kleingärtner eintreten.

Christoph Schmidt-Jansa

 

 

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