Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Verzweifeltem Mitglied konnte geholfen werden

Zuvor hatte es drei Mal vergeblich versucht, eine Pflegestufe zu bekommen

Pflegerische Hilfe nötig zu haben und dann auch Leistungen dafür von der Pflegekasse zu erhalten, das erscheint so normal und logisch und kann doch im wahren Leben jahrelangen Kampf bedeuten! Solch eine Erfahrung mußte auch ein Verbandsmitglied (alleinstehend, über 80 Jahre, Hausbesitzer) machen, das zunächst ganz auf sich allein gestellt – ohne recht zu wissen, worauf es dabei ankommt – versucht hatte, eine Pflegestufe zu bekommen.

Nachdem sein Antrag zum dritten Mal abgelehnt wurde, griff es zum Hörer und bat den VDGN um Hilfe. Schon bei diesem Telefonat wurde klar, daß es sich hierbei nicht um eine „normale“ Pflegeberatung handelt. Nein, es war ein verzweifelter Hilferuf. Wir nahmen das Signal ernst und sofort den Kontakt auf.

Bürokratisches HerangehenIn den letzten zwei Jahren hatte unser Mitglied insgesamt drei Mal Pflegeleistungen über die Pflegekasse beantragt. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) kam zur Begutachtung und jedes Mal lehnte die Pflegekasse die Leistungen ab. Bei den ersten beiden Anträgen legte das Mitglied keinen Widerspruch ein, nach der dritten Ablehnung wandte es sich an den VDGN.

Diese Zeit hat ihre Spuren hinterlassen: Die Kräfte des Mitglieds sind überbeansprucht worden, was zu einer schnelleren Erschöpfung führte. So kam es zu einem Selbstversorgungsdefizit, und der Alltag mit Haus und Garten konnte nur mehr schlecht als recht bewältigt werden. Der dreimalige (Neu)-Antrag führte bei der Pflegekasse vermutlich zu der Auffassung, daß hier jemand besonders hartnäckig versucht, finanzielle Leistungen zu erlangen, die ihm nicht zustehen. Anders ist das bürokratische, wenig menschliche Herangehen nicht nachzuvollziehen.

Beim Pflege-Berater des VDGN stellte sich da bald das Gefühl ein, daß es der Pflegekasse gar nicht mehr um den Pflegebedarf, die Einschränkungen an sich ging, sondern darum, daß derjenige es wagte, zum dritten Mal einen Antrag zu stellen! Sank vielleicht deshalb auch die Motivation, den Menschen und seine Situation fair zu begutachten?

Dieses Handeln, verbunden mit ein paar unklar beantworteten Fragen durch das Mitglied während einer Begutachtung, führte dann unweigerlich zur nächsten Ablehnung! Der Eindruck drängte sich uns auf, als wir das Mitglied zu Hause besuchten und mit ihm die vertrackte Situation besprachen. Denn es war gar nicht mehr in der Lage das Haus zu verlassen, geschweige denn zur Pflegeberatung ins VDGN-Beratungszentrum zu kommen!

Pflegebeauftragte eingeschaltetNun handelten wir, legten zuerst einmal Widerspruch gegen die dritte Absage ein. Der MDK entschied sich, diesmal „nach Aktenlage“ zu begutachten. Mit negativem Ausgang für unser Mitglied – was wir natürlich nicht auf sich beruhen ließen. Jetzt arbeiteten wir mit härteren Bandagen! So gab es eine Beschwerde im Senat für Gesundheit und Soziales, was zu einem persönlichen Besuch des zu der Zeit amtierenden Gesundheitssenators Mario Czaja führte. Die Pflegebeauftragte des Berliner Senats wurde eingeschaltet. Und siehe da: Nun kam der MDK zur erneuten Begutachtung in das Haus des Mitgliedes. Alle körperlichen Einschränkungen wurden registriert, wenig später die Pflegestufe endlich anerkannt! Zurückdatiert auf den Zeitpunkt des ersten Widerspruches von uns.

Seit Oktober 2016 wird unser Mitglied nun durch den ambulanten Pflegedienst betreut und ganz langsam kehrt die Zuversicht zurück. Im letzten Monat erhielt es nun auch Geld von der Pflegekasse, das in der Streitphase zurückbehalten wurde. Somit fand ein langer Kampf doch noch ein gutes Ende!

Rechtzeitig Beratung suchenWenn Anträge von der Pflegekasse abgelehnt werden, ist es immer sinnvoll, sich in unserer Pflegefachgruppe Rat zu holen. Noch besser wäre es, sich vor der ersten Beantragung von Leistungen aus der Pflegekasse (Pflegegrad), sich bei der VDGN-Pflegefachgruppe wertvolle Tips zu holen. Der oben beschriebene Fall wäre dann wohl viel unkomplizierter abgelaufen! Ute Brach

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