Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Nicht frei von Turbulenzen

Kolumne: Umstellung im Pflegesystem in vollem Gange – Pflegefachgruppe berät Mitglieder

Ute Brach

Nun ist es soweit, wir schreiben das Jahr 2017 – das Jahr mit den weitestgreifenden Veränderungen in der Pflegeversorgung seit Jahrzehnten! Die Fachleute nennen es die Einführung des Pflegestärkungsgesetzes II. Mitglieder, die eine Pflegestufe, also Pflegeleistungen der Pflegekasse, bereits erhalten, wissen das natürlich schon, da sie von ihrer Krankenkasse darüber informiert wurden.

Was hat sich nun verändert? Erst einmal haben sich wohl alle Pflegebedürftigen gefreut, daß sie seit Januar dieses Jahres mehr Geld bekommen. Pflegestufen hat man nun automatisch in Pflegegrade umgeschrieben. Und jene, die bereits 2016 pflegebedürftig waren, erhielten mindestens einen Zahlenschritt höher zugesprochen. Was sich positiv in Euro und Cent bemerkbar macht. Eine neue Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen war nicht damit verbunden, auch das ist für die meisten Betroffenen und ihre Angehörigen eine angenehme Begleiterscheinung. Für alle Betroffenen gilt das festgelegte Grundprinzip, bei der Umschreibung darf keiner schlechter gestellt werden als vorher. Sollten Pflegemehrkosten bei den Umschreibungen entstehen, dann trägt diese die Pflegekasse.

Wer jedoch der Meinung ist, nicht ausreichend berücksichtigt worden zu sein, wessen Zustand sich in den letzten Monaten vielleicht auffällig verschlechtert hat, wessen Pflegebedarf größer geworden ist, der (bzw. dessen Angehörige) sollten einen Antrag wegen Verschlimmerung stellen.

Somit haben wir jetzt fünf Pflegegrade, statt drei Pflegestufen (plus der unausgesprochenen Pflegestufe 0 und der Pflegestufe 3 mit Härtefall)! Also aus zusammengerechneten fünf Pflegestufen wurden fünf Pflegegrade!

Hat sich denn dann was verändert? Ja! Bisher wurde die Zeit des Hilfebedarfes eines Pflegebedürftigen während der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK) ermittelt, heute – also seit 1. Januar 2017 – wird der Grand (der Einschränkungen) in der Selb-ständigkeit des Pflegebedürftigen betrachtet und es gibt Punkte. Dazu kommt, daß das neue Begutachtungssystem, also die Ermittlung der Pflegeleistungen nach Pflegegraden, mit dem Pflegegrad 1 unterhalb der bisherigen Pflegestufe 0 liegt. Das hat Vor- und Nachteile! Nachteil: nach oben, also mit Zunahme der Schwere der Einschränkungen, wird es nicht besser. Aber der Vorteil liegt darin, daß Personen, denen im alten System eine Pflegestufe 1 versagt blieb, aufgrund fehlenden Pflegeminuten-Bedarfs, nun die Chance haben, erneut einen Antrag zu stellen und dann nach erfolgter Begutachtung in den Pflegegrad 1 zu rutschen. Diese Schwelle zum Erreichen zumindest bescheidener Hilfsleistungen ist seit Jahresbeginn niedriger und leichter zu überwinden. Somit ermuntern wir alle Mitglieder, die 2016 keine Pflegestufe nach altem System aufgrund „Minutenmangels“ bekamen, es erneut zu versuchen! Denn eins ist Fakt: Sie sind ja nicht abgelehnt worden, weil sie Simulanten sind, sondern weil einfach die ausgerechnete Zeit des Hilfebedarfs unterhalb der alten Bestimmung für die Leistungen lagen.

Besonders aufpassen sollten die Pflegebedürftigen, die in einer Seniorenresidenz/ Pflegeeinrichtung leben. Auch für sie trägt die Kasse alle Pflegemehrkosten, aber nicht die eventuellen versteckten Erhöhungen der „Hotelleistungen“ (Investitionskosten des Hauses, Verpflegung, Unterkunft, Ausbildungspauschale)! Sie sollten also genau hinschauen, bevor sie die Abänderung ihres Heimvertrages unterzeichnen! Sollten Sie Fragen dazu haben, helfen wir Ihnen gerne weiter!

Ute Brach

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