Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Hat das alte Telefon bald ausgedient?

Festnetz-Nutzer müssen sich umstellen: Telefonieren geht künftig nur noch über Internet

Telefon mit LAN-Kabel
Foto: Rainer Große

Da kommt eine kleine technische Revolution auf uns zu: Abermillionen von Festnetzanschlüssen sollen in diesem und dem kommenden Jahr auf die Internettelefonie umgestellt werden, kurz: auf VoIP (Voice over Internet Protocol). Hintergrund ist laut André Förster, Mitinhaber des VDGN-Pool-Unternehmens ALWA-tron, daß die Telekom und andere vergleichbare Anbieter künftig nur eine Technologie vorhalten wollen – das Internet.

Das sei heutzutage nicht anfälliger für Störungen wie das altbekannte Telefon, erklärt der Automatisierungstechnik-Ingenieur. Nach einer Umstellungsphase, wenn sich alles eingespielt hat, werde die neue Technik genauso sicher wie die herkömmliche funktionieren, ist Försters Prognose. Zukünftig bietet die Umstellung auf VoIP auch viele neue Möglichkeiten. So ist z. B. die Videotelefonie in zufriedenstellender Qualität möglich.

Viele werden sich an einen Fachmann wenden müssen
Ein Wermutstropfen bleibt, so André Förster: „Der analoge und der ISDN-Anschluß wurden vom Netzbetreiber gespeist, das heißt, einfache Geräte mit wenig Stromverbrauch funktionierten auch nach einem Ausfall der Elektroenergieversorgung des Hauses oder der Wohnung weiter – man konnte weiter telefonieren. Beim neuen VoIP-Anschluß müssen die angeschlossenen Geräte mit Elektroenergie versorgt werden. Bei Stromausfall telefonieren Sie auch nicht mehr ohne USV-Geräte (Unterbrechungsfreie Stromversorgung). Wem es wichtig ist, möglichst sicher telefonieren zu können, sollte sich an einen Fachmann wenden.”

Was ändert sich für Otto Normalverbraucher?

Zunächst heißt es abwarten: „Denn die Anbieter wie Telekom, Vodafone oder andere werden sich bei ihren Kunden erst einmal mit einem Informationsschreiben melden, in dem erklärt wird, was geplant ist. Auch dann wird dem Kunden ein paar Monate oder Wochen Zeit gegeben, sich auf das Kommende einzurichten“, erklärt André Förster.

Doch die sollte man nicht untätig verstreichen lassen. „Denn die Umstellung auf Internettelefonie kommt definitiv auf jeden von uns zu, der einen Festnetzanschluß hat. Sie wird wohngebietsweise vollzogen. Wann und wo das jeweils passiert, weiß nur der jeweilige Netzbetreiber.“

Voraussetzung, um auch nach der Umstellung telefonieren zu können, ist ein internetfähiges, sogenanntes IP-Telefon oder sog. Umsetzer (IP auf analoges Telefon oder/ und ISDN-Telefon).

Wer das Internet heute schon nutzt, ist da in der Regel fein raus: Denn dann ist die künftig notwendige Ausstattung meist schon zu Haus vorhanden – eine sogenannte Box, in der ein DSL-Modem mit Router und Switch steckt sowie eine Mini-Telefonanlage. Dadurch ist eine analoger oder/und ISDN-Anschluß vorhanden.

Können herkömmliche Telefone weiter genutzt werden?
Die herkömmlichen analogen oder ISDN-Geräte können oft weiter genutzt werden, beruhigt André Förster vor allem ältere Telefonkunden ohne Internet: „In den Telefonanschluß kommt dann ein Zusatzgerät – eine Box wie oben beschrieben. Die wird nach der Erstinbetriebnahmeanweisung Schritt für Schritt aktiviert. Oft wird das ganze auch vom Netzbetreiber ferngesteuert.”

Dazu müsse man sich nicht zwangsläufig an eine Fachfirma wenden: „Oft können die Kinder, Enkel oder jüngere Nachbarn, die mit der neuen Technik vertrauter sind, weiterhelfen. Und auch ein Blick auf die ´Erstinbetriebnahme´ in der Gebrauchsanleitung oder anderen Kaufunterlagen des vorhandenen Telefons ist immer zu empfehlen“, meint der Spezialist.

Nach Umstellung gibt es kein Zurück mehr
Wer sein altes Telefon weiterverwenden möchte, dem wird in der Regel vom Netzbetreiber eine entsprechende Zusatz-Box angeboten. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit sich im Fachhandel umzuschauen. Der bietet eine kaum zu überblickende Vielfalt an Geräten und Systemen, die den Laien oft überfordere, sagt Förster. Und er warnt: Nicht alle Geräte vertragen sich miteinander. Wahllos und vorschnell zuzugreifen, sei nicht ratsam. Denn nach einer Umstellung des Anschlusses auf VoIP gibt es kein Zurück mehr in die alte Telefonwelt.

Dann kann nur noch der Fachmann helfen. Auch wer Alarmanlagen oder ein Patientennotrufsystem zu Hause hat, ist damit oft besser beraten.

Denn während es bei normaler Sprachübertragung mit herkömmlichem Telefon und Zusatzgerät kaum Probleme gebe, gibt es für die alten digitalen Datenübertragungssysteme zum Beispiel an ein Wachunternehmen oder einen Pflegedienst keine Übertragungsgarantie, meint André Förster.

Kerstin Große

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