Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Kräftiger Sproß

Biber Baumdienst kümmert sich seit 20 Jahren um Berliner Schattenspender

Von links: Ulrich Reimann und Christian Gliese, die Firmengründer von Biber Baumdienst, sowie Joachim Cavael – der vor 14 Jahren in die Geschäftsführung eintrat – und Dr. Peggy Tippmann Foto: Kerstin Große

Nur zehn Jahre alt wird im Durchschnitt ein Stadtbaum in Chicago, USA. Auf runde 60 bis 70 Jahre kommt er immerhin in Berlin, erzählt Ulrich Reimann von Biber Baumdienst. Während amerikanische Exemplare oft im Kübel wüchsen, wurzelten Bäume in der deutschen Metropole noch im Erdreich. Doch auch hier setze ihnen die zunehmende Versiegelung der Straßen und Wege zu: „Sie haben zu wenig Platz um ihre Wurzeln auszubreiten, müssen häufiger beschnitten werden. Das bedeutet lebenslangen Streß für die Bäume.“

Freilich beschert diese Situation dem in Berlin-Mahlsdorf ansässigen Unternehmen ordentlich Aufträge. „Seitdem in den Berliner Bezirken der Stellenabbau weiter fortschreitet, kommen zunehmend private Unternehmen für die Baumkontrolle und -pflege im öffentlichen Raum zum Zuge“, erklärt Christian Gliese, der zusammen mit Ulrich Reimann die Firma einst gründete.

Biber Baumdienst gehört mit inzwischen zehn Mitarbeitern da schon zu den größeren Auftragnehmern. Aber auch Privatleute buchen die Mitgliedsfirma des VDGN-Pools. Im August feierte sie ihr zwanzigjähriges Bestehen – der junge Setzling wuchs zu einem kräftigen Sproß heran.

Ulrich Reimann, gelernter Forstfacharbeiter, bereut den Schritt in die Selbständigkeit nicht: „Die Auftragslage ist gut. Wir genießen bei unseren Kunden viel Vertrauen. Das schafft man nur mit Qualität und Zuverlässigkeit!“

Fachgerechtes Beschneiden oder Fällen von Bäumen, das Entfernen von Totholz und Fassadenfreischnitte gehören zu ihren alltäglichen Aufgaben. Die Arbeiten erleichtert inzwischen ein ansehnlicher Maschinenpark – von Motorsägen und Fräsen bis hin zu Häckslern und Hebebühnen-Lkws.

Gutachten sind indes die Spezialität der promovierten Biologin Peggy Tippmann bei Biber Baumdienst. Wichtige Daten gewinnt sie unter anderem mit einem der modernsten Diagnoseinstrumente zur Holzdichtemessung. „Solche Expertisen werden zum Beispiel für Bäume im öffentlichen Straßenraum und für Naturdenkmale beauftragt, deren Standfestigkeit fraglich ist.”

Aber auch so manchen Hausbesitzer, darunter VDGN-Mitglieder, treibt die verständliche Angst vorm nächsten Sturm um, berichtet die Expertin. Oft wird dann ein Fachgutachten angefordert. Ziel ist es dabei, Schadsymptome zu erfassen und zu bewerten sowie notwendige Baumarbeiten vorzusehen.

Aber nicht alles ist planbar: So wurde die Firma in jüngerer Vergangenheit häufiger zu Havarieeinsätzen infolge von Unwettern gerufen. Neben Stürmen sind es besonders große Hitze und Trockenperioden, die ihre Spuren an den Schatten- und Sauerstoff-spendern hinterlassen, erzählt sie: „Manche Schäden werden erst nach Jahren sichtbar, wie das stärkere Zurücktrocknen von Kronenteilen. Andere sieht man sofort, so Linden- oder Ahornblätter mit Sonnenbrand. Diese traditionell in Berlin beheimateten Bäume sind besonders betroffen. Auch Pappeln zählen dazu – sie hat man in Neubaugebieten zur schnellen Begrünung gepflanzt.“ Bei Fichten, den oft aus dem Thüringer Wald importierten, nicht standortgerechten Nadelbäumen, hätten zudem Schädlinge wie der Borkenkäfer und Läuse ein leichtes Spiel, gerade in trockenen, heißen Sommern.

Wenn auf engen Hinterhöfen stattliche Bäume beschnitten werden müssen, wird Biber Baumdienst häufig gerufen. „Da hilft dann oft nur klettern“, erklärt Ulrich Reimann. Dazu brauche es neben speziellen Kenntnissen, die in Kursen vermittelt werden, handwerkliche Routine, Kraft, Mut und Geschick. „Baumpflege ist ein Knochenjob“, faßt er zusammen. Jüngere talentierte Leute mit genügend Mumm und entsprechender Ausbildung (SKT-A- und B-Scheine – SKT steht für Seilklettertechnik) seien kaum zu finden.

Kerstin Große

 

 

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