Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Keine Wende zum Besseren

Zahl der Einbrüche hat weiter drastisch zugenommen

Spurensicherung nach Einbruch. Die Aufklärungsquote lag 2015 bei 15 Prozent, nur ein Bruchteil der Täter wird laut KFN-Studie verurteilt Foto: Polizeiliche Kriminalprävention

Von Hagen Ludwig

Vor genau einem Jahr haben wir an dieser Stelle über einen alarmierenden Anstieg der Wohnungseinbrüche in Deutschland berichtet. Rund 152.000 Fälle hatte die Polizei im Jahr 2014 registriert – so viel wie seit Jahren nicht mehr. Eine Wende zum Besseren gab es seitdem nicht. Im Gegenteil: Im Jahr 2015 ist die Zahl der Einbrüche laut aktueller Kriminalstatistik der Polizei bundesweit erneut drastisch angestiegen – um 9,9 Prozent auf insgesamt 167.136 Fälle. Und nur jeder siebte Einbruch konnte aufgeklärt werden.

Knapp 60 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen sind laut Statistik Deutsche. Immer häufiger beobachtet die Polizei aber besonders auch das Agieren ost- und südeuropäischer Banden, die zum Teil sehr professionell und arbeitsteilig vorgehen. Zunächst werden die Häuser und ihre Bewohner gezielt ausgespäht, eine andere Einheit der Tätergruppe, die im Heimatland dafür „ausgebildet“ wurde, übernimmt dann den Einbruch. Als besonders gefährdet gelten Eigenheime, aber auch Erd- und speziell Dachgeschoßwohnungen ohne Publikumsverkehr in Mehrfamilienhäusern.

Absolute Einbruchshochburgen sind nach wie vor die die Stadtstaaten Bremen und Hamburg. Berlin wurde hinsichtlich der Einbruchszahlen pro 100.000 Einwohner mittlerweile vom Flächenland Nordrhein-Westfalen überholt und liegt in der Negativstatistik jetzt auf Rang 4. Am sichersten sind nach diesen Parametern Bayern und Thüringen. Ganz oben auf der Liste des Diebesguts stehen Geld, Schmuck und solche technischen Geräte, die einen hohen Wiederverkaufswert haben. Der durchschnittliche Schaden nach einem Einbruch liegt mit 3.250 Euro seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau.

Doch es gibt auch einen positiven Fakt: Wie schon 2014 sind gut 40 Prozent der Einbrüche erfolglos geblieben. Dies liegt laut Einschätzung der Polizei nicht zuletzt an der verbesserten Sicherheitstechnik, weil immer mehr Menschen ihr Zuhause mit technischen Mitteln schützen. Doch noch immer denken viele erst daran, Fenster und Türen nachzurüsten, wenn der Einbruch schon geschehen ist.

Schwachstellen in puncto Sicherheit sind bei Eigenheimen eindeutig Fenster und Verandatüren. Bei 81 Prozent der registrierten Fälle haben die Einbrecher im vergangenen Jahr dort angegriffen. Das ergab eine aktuelle Analyse des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) im Auftrag der Deutschen Versicherungswirtschaft. Zum Großteil wurden die Fenster aufgehebelt, oft genügten dazu schon ein einfacher Schraubendreher und körperliche Gewalt. Das alles geht sehr schnell, im Durchschnitt dauert ein Einbruch nur fünf Minuten. Noch einfacher wird es Gangstern gemacht, wenn die Fenster lediglich angekippt sind. In Mehrfamilienhäusern kommen die Einbrecher indes meist durch die Wohnungstür.

Gut 80 Prozent der Wohnungseinbrüche geschehen zwischen 8 und 22 Uhr. Bei Einfamilienhäusern nutzen die Täter besonders häufig die Zeit zwischen 14 und 22 Uhr, in Mehrfamilienhäusern zwischen 12 und 20 Uhr, also vor allem, wenn Bewohner meist nicht zu Hause sind.

Interessant ist auch folgendes Ergebnis der KFN-Studie: Gut 40 Prozent aller Tatverdächtigen standen in irgendeiner Beziehung zu mindestens einem Mitglied des geschädigten Haushalts. Meistens stammten sie aus dem Bekannten- oder Freundeskreis. Ex-Partner und Partner, Familienangehörige und Verwandte machten zusammen rund ein Viertel dieser Tatverdächtigen aus. Knapp ein weiteres Viertel kannte das Opfer vom Sehen oder aus der Nachbarschaft. Aber auch ehemalige Mitbewohner, Unter-, Ver- oder Vormieter gehörten zu diesen Tatverdächtigen. Im Ergebnis der Studie fordern die deutschen Versicherer unter anderem eine bundesweite Regelung in den Bauvorschriften.

Diese soll Mindestanforderungen für neu eingebaute Fenster und Türen definieren, um damit wirksam den Einbruchschutz zu erhöhen. Die Ankündigung der Bundesregierung, ihre Fördermittel zur Verbesserung des Einbruchschutzes auf 50 Millionen Euro im Jahr aufzustocken, sei in dieser Hinsicht ein wichtiges Signal.

Spurensicherung nach Einbruch. Die Aufklärungsquote lag 2015 bei

15 Prozent, nur ein Bruchteil der Täter wird laut KFN-Studie verurteilt.  

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